Tag Archives: Peppino Impastato

Lieber Giuseppe

Peppino Impastato Deine Geschichte habe ich erst im vergangenen Jahr erfahren. Vielleicht weil unsere Wege nie die Möglichkeit hatten, sich zu kreuzen. Vielleicht, weil du über Tausend Kilometer weit von mir entfernt gelebt hast. Vielleicht, weil ich deine Sprache nicht sprechen konnte. Und doch hat dein Blick den meinen getroffen. Dein Blick auf die Erde, der meine Art, sie zu sehen, verändert hat. Ich hätte es dir von Angesicht zu Angesicht sagen wollen, aber ich habe es nicht geschafft, die Zeit war schneller als ich.

Es ist ein wunderschöner Tag gewesen, im Sommer. Draußen schien die Sonne und es war warm. Ich saß auf dem Fußboden im Wohnzimmer vor meinem Notebook. Dann habe ich durch Zufall deine Seite und jenes Gedicht gefunden. Ich wusste nicht, dass der Mann, dessen Silhouette ich entdeckt hatte, du bist. Da waren auch Fotos in schwarz-weiß. Du mit Mütze und Schal. Du mit Freunden. Du am Meer. Sizilien. Sizilien. Wie dieses schöne Wort klingt. Ich habe deine Biographie gelesen und genau in dem Moment habe ich etwas verstanden, was ich früher hätte begreifen müssen. Du bist tot.

Ich dachte, wir wären gleichaltrig. Im Grunde denke ich das immer noch, denn der Tod ist zu groß, um wirklich verständlich zu sein. Ich schaltete den Computer aus und ging nach draußen. In der Nähe meines Hauses ist ein kleiner Bach und die Sonnenstrahlen funkelten auf dem Wasser. Der Gegensatz zwischen der Schönheit der wilden Natur und der Bitterkeit der Realität hätte nicht größer sein können. Dein Schicksal hatte mir die Kehle zugeschnürt. Von diesem Moment an wollte ich dir einen Brief schreiben. Und dennoch werden dich meine Worte nicht vor Mitte März 2010 erreichen, weil Worte Zeit brauchen. Auf dem schmalen Pfad zwischen dem Bach und deiner Vergangenheit blieb ich stehen um nachzudenken. Ohne mir dessen bewusst zu sein, habe ich im vergangenen Sommer eine der wichtigsten Entscheidungen über mein Leben getroffen.

Sizilien, umgeben vom Meer des Odysseus, dieser Boden mit all seinen wunderbaren Farben und den langen warmen Sommern hat zugelassen, dass sie dich ermordeten, mit einer Ladung Sprengstoff, die sie unter deinen auf die Bahngleise gefesselten Körper legten. Es wird daran gelegen haben, dass ich Deutsche bin, daran, dass ich in jenem Moment, auf dem Fußboden im Wohnzimmer, nicht vorbereitet war auf die Worte, die ich lesen würde; den Abschnitt über die Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1978 musste ich fünf Mal lesen, bevor ich ihn verstand. Vielleicht steht es mir nicht zu, dir das zu sagen, in Anbetracht der Tatsache, dass wir uns nie kennengelernt haben, doch wisse, dass in meinem Kopf eine unauslöschliche Vorstellung von jener Nacht entstanden ist; als ob ich dort gewesen wäre, machtlos gegenüber den Momenten, die zur Ewigkeit geworden sind. Du wirst für immer 30 Jahre alt sein. Unter den Milliarden Menschen auf der Welt bist du gewesen. Du mit Mütze und Schal. Du mit Freunden. Du mit deinem Durst nach Gerechtigkeit. Mit deiner unendlichen Wut auf die Mafia. Mit deinen Gedichten voller Freiheit und Schmerz. In dem Moment, in dem ich deine Hoffnungen begriffen habe, ist deine Wut zu meiner geworden.

Du kannst auf mich zählen, Peppino. Das wollte ich dir in jener Nacht sagen, in der ich noch nicht geboren war. Ich wollte dir nachlaufen um dir zu sagen, wie sehr ich dich achte. Aber stattdessen habe ich erst im letzten Jahr zu laufen begonnen und deswegen werde ich dich nicht mehr erreichen. Du aber hast mich erreicht.

Dieser Brief entstand im Frühjahr 2010, während meiner Zeit in Italien. Ich hatte ihn als Essay für eine römische Zeitung verfasst, für die ich damals arbeitete. Peppino Impastato’s Geschichte hat mich zutiefst berührt. Er war ein engagierter junger Mann im Kampf gegen die Mafia. Er starb am 9. Mai 1978 in Cinisi, Sizilien. Bis heute wird er in Italien als tragischer Held gefeiert, der sich mit Mut und Aufrichtigkeit gegen die Cosa Nostra stellte und dafür mit seinem Leben bezahlte.

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I miei occhi giacciono

Caro Giuseppe,

la tua storia l’ho conosciuta solo l’anno scorso. Forse perché i nostri cammini non avevano mai possibilità di incrociarsi. Forse perché hai vissuto oltre mille chilometri lontano da me. Forse perché la tua lignua non la sapevo parlare. Eppure il tuo sguardo ha incontrato il mio. Questo tuo sguardo sulla terra che ha cambiato il mio modo di vederla. Avrei voluto dirtelo di persona, ma non ci sono riuscita, il tempo era più veloce di me.
E’ stata una giornata bellissima, d’estate. Fuori splendeva il sole e faceva caldo. Ero seduta sul pavimento del salotto davanti al mio notebook. Poi, per caso, ho trovato il tuo sito e quella poesia. Non sapevo che l’uomo la cui silhouette avevo scoperto navigando in rete eri tu. C’erano anche delle foto in bianco e nero. Tu con berretto e sciarpa. Tu con gli amici. Tu al mare. Sicilia. Sicilia. Come risuona questa bella parola. Poi ho letto la tua biografia e proprio in quel momento mi sono accorta di qualcosa che avrei dovuto capire più presto. Sei morto.
Pensavo che fossimo coetanei. In fondo la penso sempre così, siccome la morte è troppo grande per essere comprensibile veramente. Spensi il pc e andai fuori. Vicino a casa mia c’è un ruscello e i raggi di sole rilucevano sull’acqua. La contraddizione tra la bellezza della natura selvatica e l’amarezza della realtà non avrebbe potuto essere più grande. Il tuo destino mi aveva stretto la gola. Da questo momento in poi ho voluto scriverti una lettera. Eppure le mie righe non ti arriveranno prima di metà marzo 2010, perché le parole hanno bisogno di tempo. Sullo stretto sentiero tra il ruscello e il tuo passato mi fermai un attimo per riflettere. Senza neanche accorgermene l’estate scorsa ho preso una delle decisioni più importanti sulla mia vita.
La Sicilia, circondata dal mare di Ulisse, questa terra con i suoi splendidi colori e le lunghe estati calde, ha permesso che ti assassinassero con una carica di tritolo posta sotto il tuo corpo adagiato sui binari della ferrovia. Sarà che sono tedesca, sarà che in quel momento, sul pavimento del salotto, ero impreparata alle righe che stavo per leggere, il passo sulla notte tra l’8 e il 9 maggio del 1978 l’ho dovuto leggere cinque volte prima di capirlo. Forse non spetta a me di dirtelo, visto che non ci siamo mai conosciuti, ma sappi che nella mia testa si è creata un’immagine indelebile di quella notte; come se ci fossi stata, impotente davanti agli attimi che diventarano l’eternità. Avrai per sempre trent’anni. Fra i miliardi di uomini al mondo ci sei stato tu. Tu con berretto e sciarpa. Tu con gli amici. Tu con la tua sete di giustizia. Con la tua rabbia infinita contro la mafia. Con le tue poesie piene di libertà e dolore. Nel momento in cui ho realizzato le tue speranze, la tua rabbia è diventata la mia.

Puoi contare su di me, Peppino. Questo te lo volevo dire in quella notte in cui non ero ancora nata. Volevo correre dietro a te per dirti quanto ti stimo. Invece ho cominciato a correre solo nell’anno scorso e quindi non ti raggiungerò più. Tu però hai raggiunto me.

«I miei occhi giacciono
in fondo al mare
nel cuore delle alghe
e dei coralli.
Seduto se ne stava
e silenzioso
stretto a tenaglia
tra il cielo e la terra
e gli occhi
fissi nell’abisso.»

 

Peppino Impastato