Tag Archives: Libanon

Wie konnte das passieren?

Auf der Seite von National Geographic fand ich neulich ein Foto, das eine Straße in Beirut zeigt. Es ist aus den 50er Jahren und vermittelt eher die Atmosphäre einer europäischen Stadt. Das machte mich sehr neugierig und so begab ich mich auf die Suche nach weiteren Bildern aus Nahost, die in dieser Zeit entstanden sind.
 

Eine Straße in Beirut, 1958. National Geographic

Eine Straße in Beirut, 1958. National Geographic


 
Was ich fand, war ein Kaleidoskop an Eindrücken, die heute undenkbar sind: Frauen in kurzen Röcken in Kabul (heute wandeln die Frauen dort wie Gespenster herum, man weiß oft nicht einmal, wo oben und unten sein soll), dasselbe Straßenbild in Ägypten, im Libanon und im Iran.
 
Kabul Universität, 1980er

Kabul Universität, 1980er


 
Kabul Universität -  Biologieklasse,1950er

Kabul Universität – Biologieklasse,1950er


 
Es könnte auch Paris sein, aber diese Szene wurde in Kabul in den 1970ern aufgenommen!

Es könnte auch Paris sein, aber diese Szene wurde in Kabul in den 1970ern aufgenommen!


 
Ägypten in den 1950ern oder 60ern - Zoobesuch

Ägypten in den 1950ern oder 60ern – Zoobesuch


 
Junge Ägypter in Montazah, 1950er

Junge Ägypter in Montazah, 1950er


 
Auch für Syrien habe ich Bilder aus der damaligen Zeit gesucht. Es war nicht ganz einfach, zu diesem Thema Fotografien zu finden, da selbst die harmlosesten Suchbegriffe wie „Damascus 1950s“ die Grauen des aktuellen Bürgerkrieges hervorbringen: vergaste Kinder, Blut und von Maschinengewehren durchsiebte Gebäude.
 
Damaskus 1952

Damaskus 1952


 
Damaskus 1947

Damaskus 1947


 
Israel ist das einzige Land im kompletten Nahen Osten, in dem es völlig selbstverständlich ist, dass Menschen das anziehen, was ihnen passt. Es gibt zwar auch hier religiöse Gemeinschaften, die einen legeren Kleidungsstil ablehnen, aber da wir hier in einem demokratischen Land leben, kann jede Frau wählen, ob sie nun im kurzen Top und abgeschnittenen Minishorts durch die Straßen läuft oder lieber etwas weniger freizügig. Alles wird respektiert, geachtet und toleriert. Kein Mann käme hier je auf die Idee, einer Frau an den Po zu fassen. Moment mal, behaupten die Muftis im Islam nicht, dass die strenge Verhüllung der Frauen deren Schutz dient? Warum werden dann eigentlich Frauen derzeit in Ägypten ständig auf offener Straße angegrapscht? Am Kleidungsstil kann es jedenfalls nicht liegen, sonst hätten wir dieses Problem in Tel Aviv auch…

Wenn man die islamischen Gesellschaften genauer anschaut, fehlen ihnen heute etliche Elemente, die ich eigentlich als Grundvoraussetzung erachte, um sich persönlich entfalten zu können:
Toleranz, sexuelle Selbstbestimmung, Pluralismus, Achtung von Menschenrechten, insbesondere der Rechte Schwächerer, keine Ausgrenzung von Gesellschaftsgruppen aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit oder ihres Geschlechts. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und die Analyse von historischen Fehlern, um daraus zu lernen… Die Liste kann endlos fortgesetzt werden.

In einem der Internetforen fand ich einen Kommentator, der sich ärgerte, dass wir heute fälschlicherweise davon ausgingen, Kabul sei früher ein toleranterer Ort gewesen, nur aufgrund der Tatsache dass man auf Fotos Frauen in Miniröcken sieht. Er argumentierte, dass der Kleidungsstil der Frauen nicht gleichzusetzen sei mit der politischen Richtung eines Landes. Ich möchte dem ganz klar widersprechen. Wenn ich als Frau in einem Land lebe, in dem ich nicht anziehen darf, was ich will, weil mir Vorschriften gemacht werden was züchtig ist und was nicht, dann lebe ich definitiv nicht in einer demokratischen Gesellschaft, sondern entweder im Faschismus, in einer kommunistischen Diktatur oder im radikalen Islam. Die Entwicklung des Kleidungsstils der Frauen ist in meinen Augen ganz klar ein Spiegel der Gesellschaft und sehr wohl ein Indikator dafür, wie tolerant und frei die Menschen in einem Land miteinander umgehen. Wenn man sich Fotos deutscher Frauen in den frühen 1940ern ansieht, spiegeln diese schließlich auch ganz klar den Nationalsozialismus wieder.

Ich persönlich hege ja die Theorie, dass die heutigen islamistischen Länder in Nahost erst dann ein Ort des Friedens und der Toleranz sein werden, wenn sich die Frauen von den Zwängen befreit und ihre sexuelle Selbstbestimmung erfolgreich eingefordert haben werden. Solange die Frauen unterdrückt sind und sich leider auch unterdrücken lassen, solange sehe ich keine ernsthafte Chance auf einen hassfreien Nahen Osten. Diese Theorie mag zwar ziemlich haltlos klingen, aber ich bin der Überzeugung, dass die islamistischen Länder deshalb so brutal sind, weil die Männer machen was sie wollen und alle Schwächeren unterdrücken. Das führt dazu, dass auch einige Frauen zu brutalen Unterdrückerinnen werden, sobald sie „Oberwasser“ bekommen. Eine Gleichstellung der Geschlechter ist vermutlich der einzige Weg zu einer ausbalancierten Gesellschaftsordnung. Mag sein, dass ich mich sehr irre, aber ich hoffe trotzdem darauf, dass ich irgendwann keine derartigen Bilder mehr sehen muss:
 

Saudi Arabien, heute

Saudi Arabien, heute


 
Dieses Bild jagt mir kalte Schauer den Rücken herunter. Es sieht aus wie ein fieser Witz, aber es ist die brutale Realität im heutigen Afghanistan. Frauen haben den Status von Dreck.

Dieses Bild jagt mir kalte Schauer den Rücken herunter. Es sieht aus wie ein fieser Witz, aber es ist die brutale Realität im heutigen Afghanistan. Frauen haben den Status von Dreck.


 
 


Flussbettwanderung in Galiläa

Vergangene Woche habe ich eine Flussbettwanderung am Toten Meer vorgestellt. Diese Woche möchte ich einen Wanderweg durch ein Flussbett im Norden Israels empfehlen.

Wir packten am frühen Morgen unsere Rucksäcke und mein Mann griff nach seinen Converse All Stars. Ich fragte ihn noch, ob er wirklich mit diesen Schuhen auf Wandertour gehen wolle, aber wenn mein modebewusster Ehemann mal eine Entscheidung getroffen hat, sind selbst gute Argumente zwecklos. Ich nahm meine Trekkingsandalen und dann zogen wir auch schon die Haustüre hinter uns zu.
Bei jedem unserer Ausflüge in den Norden Israels machen wir eine Frühstückspause an einer ganz bestimmten Raststätte. Ich freue mich darauf jedes Mal und anscheinend ist inzwischen mein Gehirn so konditioniert, dass ich sofort beste Reiselaune bekomme, sobald ich dieses Café von weitem sehe.
Wir saßen also eine halbe Stunde dort, tranken schwarzen Kaffee und aßen ein Sandwich und dann fuhren wir weiter nach Galiläa.

Der Hasbani, auch Nahal Snir genannt, ist ein aus dem Libanon kommender Strom, der zeitweise sehr stark werden kann, vor allem in den Wintermonaten. Er ist einer der drei Quellflüsse des Jordan, neben Banyas und Dan.
Das Nahal Snir/Hasbani Naturreservat nahe Kiryat Shmona bietet viele Möglichkeiten für einen Ausflug. Wie in fast allen israelischen Reservaten gibt es Wege, die für Familien mit Kindern und sogar für Menschen mit Gehbehinderungen sehr gut geeignet sind, und daneben gibt es auch sportliche Pfade, die querfeldein und durch holpriges Gelände führen. Der Weg durch das Flussbett ist durchaus auch für Familien geeignet, aber die Kids sollten trittsicher sein und keine Scheu vor wirklich kaltem Wasser haben. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist die Wanderung ein richtiges Abenteuer. Man kommt vorbei an einer Kulisse, die auch aus dem Set von „Herr der Ringe“ stammen könnte. Knorrige Wurzeln die Steine umklammern, Wasserfälle, geschlungene Pfade…

Mein Mann stapfte mit seinen All Stars durchs Wasser und stellte irgendwann fest, dass er die Schuhe zu Hause wohl entsorgen müsse, weil sie an der Sohle aufbrachen. Da ich kein „Ja das hab ich dir doch gleich gesagt!“-Typ bin, sagte ich ihm stattdessen erfreut, dass wir uns dann vielleicht gemeinsam neue All Stars kaufen könnten. Ich liebe es nämlich, dieselben Schuhe wie mein Mann zu tragen.

An einigen Stellen führt der Wanderweg über große Steine, an denen Griff- und Tritteisen befestigt sind. Man hangelt sich so über ein paar unwegsame Stellen und macht dabei eine Figur, die man später nicht unbedingt auf Fotos wiedersehen möchte. Mein Mann fotografierte fleißig…

nahal snir 1

Nahal Snir 2

Nahal Snir 3

Nahal Snir 4

Nahal snir 5

Nahal Snir 6

Nahal Snir 7

Nahal Snir 8

Nahal Snir 9

Nahal Snir 10

Nahal Snir 11

Nahal Snir 13

Im Anschluss an die Wanderung aßen wir in einem unserer Lieblingsrestaurants. Es befindet sich in Ramot am See Genezareth. Ramot liegt etliche Meter höher und man hat von dem Restaurant aus einen wundervollen Ausblick auf den See. Das Restaurant „Moshbutz“ (der Name ist eine Mischung aus „Moshav“ und „Kibbuz“) ist berühmt für seine hervorragenden Steaks und selbst Vegetarier, wie ich es bin, finden auf der Speisekarte garantiert etwas Leckeres.

All photos by Saskia


Sozialer Wohnungsbau auf Arabisch

Sie wollten schon immer im Grünen leben? Vielleicht mit einem schönen Garten ums Eigenheim herum? Mit viel Platz für die Kinder zum Spielen und einer Sonnenterrasse?

Im Libanon erfüllt sich dieser Traum jetzt für etliche Menschen. Dort verpachtet und verkauft die Hisbollah nämlich aus tiefem Mitgefühl und Nächstenliebe Häuser zu Niedrigstpreisen an arme schiitische Familien. Unter einer Bedingung: in mindestens einem Raum oder im Keller müssen die Familien Raketen platzieren, welche auf Israel zu feuern sind, wenn die Hisbollah es anordnet.

Sobald diese Raketen auf israelische Dörfer und Städte geschossen werden, wird Israel den Abschussort lokalisieren… Wir können dann alle live dabei sein, wenn es in den Nachrichten wieder heißt: „Israel beschießt mittellose Zivilisten“

Sollten Sie unter diesen Voraussetzungen immer noch Interesse haben an dem schönen Haus mit Ausblick in die sanfte Hügellandschaft, dann melden Sie sich noch heute bei der Hisbollah.

Hört sich an wie ein schlechter Scherz, aber es ist die bittere Wahrheit, von der die Welt nichts erfährt, weil internationale Medien darüber nicht berichten.

Quelle: Ynet


Siniyeh – vegetarisch

Zutaten:

2 Auberginen
Eine große Hand voll Cocktail Tomaten
1 Glas Tahina (Sesampaste)
Pinienkerne (nur ein paar zum Drüberstreuen am Ende)
2 Knoblauchzehen
Pfeffer
Rotes Paprikagewürz (scharf)
Petersilie

Das Originalrezept für dieses Gericht kommt aus dem Libanon und wird mit Lammhack zubereitet.
Da ich seit Ewigkeiten Vegetarierin bin, hab ich eine Variante ohne Fleisch gefreestylt. Meine Siniyeh eignet sich als Beilage oder Vorspeise und ich serviere dazu Brot und Salat.

Also, ich fange an mit der Musik. Zum Kochen brauch ich Atmosphäre. Mein Mann macht sich oft über mich lustig wenn ich in der Küche stehe, weil dann meistens Musik aus den 60er Jahren aufgedreht ist und überall Petersilienschnipsel herumliegen. Das wird heute wieder passieren, weil Petersilie sehr gut zur Siniyeh passt….

Nachdem die Musik im Hintergrund läuft, den Ofen auf 220 Grad stellen. Nach einer Viertelstunde ist er ausreichend heiß und man kann die (ganzen, unbearbeiteten) Auberginen hineinlegen. Auf ein Rost in der oberen Hälfte, darunter noch ein Rost mit Aluminium auslegen, denn die Auberginen müssen eine knappe Stunde im Ofen liegen und verlieren dabei Flüssigkeit, die heruntertropft.
Die Auberginen sollten immer mal wieder gewendet werden, damit sie am Ende gleichmäßig gegrillt herauskommen.
Dass die Auberginen fertig sind erkennt man daran, ob sie zusammenfallen. Solange sie noch fest sind, ist das Fruchtfleisch innendrin nicht weich genug.

In der Zwischenzeit bereite ich die Tahina vor. In Israel gehört Tahina zu den Grundnahrungsmitteln und ist in jedem Haushalt vorhanden. Mein Wissensstand ist der, dass man Tahina in Deutschland in Bioläden und in indischen Lebensmittelläden findet.
Man kann Tahina entweder direkt verwenden, oder mit Wasser vermischen und Knoblauch, Petersilie, Pfeffer und rotes Paprikagewürz dazugeben. Die Tahina sollte eine gleichmäßige Paste ohne Klumpen sein. Wenn ihr also Wasser daruntermischt, muss die Paste so lange gerührt werden, bis sie glatt ist.
Der Vorteil der mit Wasser vermischten Tahina ist, dass sie leichter ist, was dem Geschmack der Siniyeh sehr zu Gute kommt.

Sobald die Auberginen fertig sind, kann man sie vorsichtig in eine Schüssel legen und öffnen. Das Fruchtfleisch lässt sich nun sehr leicht mit einem Löffel herauslösen. Mit Pfeffer und Salz abschmecken. Die schwarze Schale wird nicht verwendet.

Nun die Tomaten halbieren, in eine Auflaufform an den Rand legen und die Auberginenmasse in die Mitte platzieren. Im Ofen bei 180 Grad etwa eine Viertelstunde backen.

Anschließend die Tahina über die Tomaten und Auberginen geben und Pinienkerne darauf streuen.
Nochmal für 10 Minuten in den Ofen, bis die Tahina etwas braun wird.

Am besten heiß servieren.

Bil-hana’ wa ash-shifa!

photos by Saskia


Meine Fatayer Sabanekh

Fatayer kommen aus dem Nahen Osten. In syrischen Kochbüchern habe ich gelesen, dass sie aus Syrien kommen, in libanesischen Kochbüchern steht, dass sie eine libanesische Spezialität sind. Man ist sich also uneins in dieser Frage, wie auch sonst bei allen Themen hier in Nahost…

Zutaten:
Gute Musik
Yufka (= Filoteig)
Spinat
Petersilie
1 Zwiebel
Knoblauch
Olivenöl
Gewürze:
Pfeffer
Muskat
Chili
Zaatar

In meiner Küche gibt es keine Fertigprodukte. Yufka ist die einzige Ausnahme. Man kann diesen Teig auch selber herstellen, aber diesen Wahnsinn geb ich mir nicht. Es handelt sich um einen hauchdünnen Teig, den ihr in Deutschland in türkischen Lebensmittelgeschäften findet, und hier im Nahen Osten in jedem Supermarkt bei den Tiefkühlprodukten.

Ich koche und backe nach Augenmaß, daher kann ich keine exakten Mengenangaben zu den verwendeten Zutaten machen. Spinat nehme ich so etwa 250 Gramm. Petersilie nach Geschmack und Vorliebe. Eine Zwiebel und zwei bis drei Knoblauchzehen.

Das Olivenöl wird später zum Bestreichen des Teiges verwendet. Man benötigt nicht viel, vielleicht zwei Esslöffel.

Gewürze verwende ich je nach Tageslaune und Verfügbarkeit. Heute habe ich Muskat, Pfeffer, Chili und Zaatar genommen. Man kann aber auch einfach nur Pfeffer und Muskat nehmen und die Fatayer statt mit weiteren Gewürzen mit Wahlnüssen oder Pinienkernen verfeinern.

Zubereitung:

Den Spinat fein schneiden und garen. Anschließend gut abtropfen, am besten noch mit den Händen „auswringen“. Mit der gehackten Zwiebel und den Knoblauchzehen vermischen und die Petersilie dazugeben.

Das Olivenöl in einer Schale mit Chili vermischen.
Den Yufka ausbreiten und Quadrate ausschneiden.

Einen Esslöffel der Spinatfüllung darauflegen und dann die Ecken mit dem Ölivenöl bestreichen, damit der Yufka beim Falten schön zusammenbleibt und die Teigtaschen nicht wieder auseinanderfallen.

Die Fatayer bei ca. 200 Grad im Ofen in der Mitte backen, bis sie goldbraun sind. Es dauert 15-20 Minuten.

Fatayer kann man auch mit Hackfleischfüllung machen. Oder zum Spinat noch Frischkäse (Hüttenkäse) dazugeben.

Tipp: Fatayer sind bei Gästen sehr beliebt und gehen schnell weg. Bei mehr als 4 Personen mindestens die doppelte Menge vorbereiten.

Bon Appetit!

 

All photos by Saskia