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Color gone wild

Das Israel Museum in Jerusalem ist eine Schatzkiste. Dort finden sich antike Ausgrabungen – Relikte aus Zeiten, die wir uns heute kaum noch vorstellen können, Fotografie, atemberaubende Kunstwerke, Ausstellungen zum Judentum…
Zuletzt hat König Herodes das Museum weltweit in die Schlagzeilen gebracht.

Israel Musem, Jerusalem

Israel Musem, Jerusalem

Seit dem 6. Juli kann man unter dem Motto „Color gone wild“ Bilder aus einer der bedeudensten Privatsammlungen moderner Kunst, der schweizer Merzbacher Sammlung, bestaunen. Gezeigt werden Gemälde von Picasso, Klee und Matisse über Kandinsky, Modigliani, Vlaminck, Miró und vielen weiteren.
Ich hätte am liebsten alle Bilder mit nach Hause genommen, weil sie so farbenfroh und leuchtend sind. Unfassbar, dass diese wunderschönen Bilder im Dritten Reich von den Nazis als „entartete Kunst“ bezeichnet und ihre Schöpfer verdammt wurden.

Die Ausstellung war so gut besucht, dass ich kaum eine Chance hatte, in Ruhe zu fotografieren. Ständig lief jemand durchs Bild und dementsprechend sehen meine Fotos jetzt ein bisschen windschief aus. Vielleicht vermitteln sie trotzdem eine Vorstellung von der Faszination, die diese Ausstellung auf mich ausgeübt hat:

Color gone wild

Color gone wild

Color gone wild

Color gone wild

Color gone wild

Color gone wild

Color gone wild

Color gone wild

Color gone wild

Color gone wild

Die Ausstellung ist noch bis zum 3. November zu sehen und wer in diesem Zeitraum in Israel ist, sollte sie sich auf keinen Fall entgehen lassen!

All photos by Saskia


Kinderbilder

Diese Geschichte beginnt 1998, in einem staubigen Winkel der Stadtbücherei Augsburg. Es war ein verregneter Tag im November, ich saß in der hintersten Ecke neben einer Heizung auf dem Fußboden der Bücherei und zog wahllos Bücher aus dem Regal vor mir. Ich erinnere mich nicht daran, ob ich überhaupt nach einem bestimmten Titel suchte oder einfach nur dem Regen entkommen wollte und mich deswegen in die Bücherei geflüchtet hatte.
Plötzlich hielt ich ein weißes Buch in der Hand. Einen kleinen Bildband mit einer Einleitung, die ich überblätterte, und etlichen Seiten mit Farbtafeln. Darauf waren Zeichnungen zu sehen, Kinderkritzeleien. Ich las die Bildunterschriften und vergaß mit einem Mal alles um mich herum.

Vorgestern stolperte ich wieder über diesen Bildband. Wieder die von Kinderhand geschaffenen Skizzen, Aquarelle und Zeichnungen: Schmetterlinge, Häuser, Familien.
Schwarze Nacht.

Als mich mein Mann fragt, worüber ich als nächstes auf meinem Blog schreiben werde, antworte ich ihm, dass es um das weiße Buch geht, das ich am Wochenende in den Händen hielt.
Es geht um einen dunklen Ort, betrachtet mit Kinderaugen. Es geht um die bunten Schmetterlinge, die Kinder in dem gottverlassenen KZ Theresienstadt gemalt haben.
Wer den Film „Das Leben ist schön“ (org. „La vita e’ bella“) von Roberto Begnini gesehen hat, der weiß, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt, sobald man spürt, dass der Tod hinter jedem humorvollen Versuch des Vaters, seinen Sohn zu retten, lauert. Genauso ging es mir mit den Kinderbildern aus dem KZ Theresienstadt, besonders, als ich den lächelnden KZ Aufseher sah:

Der Name des Kindes, das dieses Bild gemalt hat, ist unbekannt

Der Name des Kindes, das dieses Bild gemalt hat, ist unbekannt

 

Theresienstadt (heute heißt der Ort Terezín) wird manchmal fälschlicherweise als Ghetto bezeichnet. Im Dritten Reich waren Ghettos Stadtviertel, die man Juden zugewiesen hatte, bevor sie deportiert wurden. Theresienstadt war ein Konzentrationslager.

Es gibt viel Literatur über Theresienstadt und die Propagandamaschinerie der Nazis. Obwohl ich kein Historiker bin, habe ich das Bedürfnis, darüber zu schreiben. Weniger, um geschichtliche Fakten auszubreiten, als wegen des tiefen und bleibenden Eindrucks, den die Kinderbilder und später ein Konzert in mir hinterlassen haben. Denn eines Tages fand in der Synagoge in Augsburg ein Konzert statt. Ein Streichquartett spielte Werke, die in Theresienstadt komponiert worden waren. Ich rutschte auf meinem Stuhl hin und her und ertrug die Dissonanzen nur mit Mühe. Normalerweise gehe ich auf klassische Konzerte, weil ich gerne Violinen höre und weil mir die Musik sehr viel gibt. Die Stücke von Gideon Klein, der nur 25 Jahre alt wurde, sind nicht zur Entspannung geeignet. Je nachdem, über was man nachdenkt, wenn man seine Stücke hört, ist man entweder genervt von dem Chaos der Töne, oder man begreift seine Musik als Teil seiner Existenz im Konzentrationslager Theresienstadt. Ich gebe zu, letzteres ist sehr belastend.
 

 
Warum gab es in Theresienstadt Musik?
Theresienstadt war ein „Vorzeigelager“. Seit 1942 war Kunst dort nicht mehr verboten, sondern wurde Bestandteil des Lageralltags, in Form von Opernaufführungen, Konzerten, Malerei und kulturellem Leben. Man wollte verschleiern, wie es den Insassen von Konzentrationslagern ging. Darum gab es eine Infrastruktur mit Cafés, die Straßen hatten Namensschilder, es gab einen Kinderspielplatz und einen Musikpavillion.
Am 23. Juni 1944 besuchte eine internationale Kommission des Roten Kreuzes das KZ, um sich von der Harmlosigkeit der Lager am Beispiel von Theresienstadt zu überzeugen. Nach Treblinka oder Auschwitz hätte man die Kommission ja schlecht einladen können.
 

Die Kinderbilder
Das Lager wurde nicht gänzlich aus Baracken aufgebaut, sondern bestand aus der gesamten Stadt. Daher gab es auch schöne Häuser, die jedoch vollkommen überfüllt waren. Vor dem Krieg betrug die Einwohnerzahl höchstens 7.000 Personen. Die Gemeinde wurde aufgelöst und ihre Bewohner ausgewiesen, um in den folgenden Jahren Juden dorthin deportieren zu können. Im September 1942 wurden annähernd 60.000 Personen in Theresienstadt verzeichnet. Insgesamt waren mehr als 150.000 Menschen in Theresienstadt. Etwa 15.000 Kinder waren dort untergebracht. Davon überlebten nur 150.
Wenn man mit großen Zahlen um sich schmeißt, muss man sie irgendwie auch veranschaulichen. Ich komme aus Bayern, vom Land. In dem Ort, in dem das Haus meiner Eltern steht, leben heute etwa 13.700 Einwohner. Ich kenne nur wenige davon persönlich, die Nachbarn meiner Eltern, den Bäcker, den Friseur, ein paar Freunde, Ladenbesitzer. Ich konnte mit dem Fahrrad um die Ortschaft herumradeln und ihre Fläche abschätzen, aber ich habe nie alle Einwohner kennengelernt. Wenn alle diese Einwohner Kinder wären, dann wäre immer noch nicht die Anzahl der Kinder erreicht, die in Theresienstadt ihre Kindheit verbringen mussten und die niemals das Erwachsenenalter erreicht haben. Und am Ende blieben von all diesen Kindern nur 150 übrig. Hundertfünfzig.

Margit Koretzova, Schmetterlinge

Margit Koretzova, Schmetterlinge

 

Eva Bulova, Schmetterlinge

Eva Bulova, Schmetterlinge

 

Margit Gerstmann, Theresienstadt

Margit Gerstmann, Theresienstadt

 

Margit Gerstmann, Theresienstadt

Margit Gerstmann, Theresienstadt

 

Helga Weissova, Letzter Abschied

Helga Weissova, Letzter Abschied

 

Helga Weissova, Brot auf dem Leichenwagen

Helga Weissova, Brot auf dem Leichenwagen

 

Die Kinder von Theresienstadt - Foto aus dem Archiv von Yad Vashem

Die Kinder von Theresienstadt – Foto aus dem Archiv von Yad Vashem

 

Der Name des Kindes, das dieses Bild gemalt hat, ist unbekannt

Der Name des Kindes, das dieses Bild gemalt hat, ist unbekannt

 

Eine Schulklasse in Theresienstadt - Foto aus dem Archiv von Yad Vashem

Eine Schulklasse in Theresienstadt – Foto aus dem Archiv von Yad Vashem

 

Ruth Hein, Spielplatz

Ruth Hein, Spielplatz

 

Das Jüdische Museum Berlin zeigt in einer Sonderausstellung noch bis zum 25. August 2013 Bilder des Künstlers Bedřich Fritta, die zwischen 1942 und 1944 im KZ Theresienstadt entstanden sind.


Das Künstlerhaus von Reuven Rubin

In der Bialik Street Nummer 14 in Tel Aviv befindet sich ein kleines Kunstmuseum. Es ist das charmante Haus von Reuven Rubin, einem 1893 in Rumänien geborenen Maler, der sich Zeit seines Lebens mit moderner jüdischer Geschichte auseinandersetzte und nicht nur eine herausragende Vielfalt an Zeichnungen und Gemälden zu diesem Thema schuf, sondern nach der Staatsgründung Israels auch der erste israelische Botschafter in Rumänien wurde.

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Als junger Mann studierte Rubin an Kunstakademien in Jerusalem und Paris. Er freundete sich mit anderen Künstlern an und reiste nach New York, Italien und in die Schweiz. Seine Bilder spiegeln die verschiedenen Einflüsse und künstlerischen Strömungen stark wider. Einige von Rubins Gemälden erinnern an Chagall, andere wiederum an Gaugin und wieder andere an Modigliani und Cezanne. Ich bin absolut begeistert von dem kleinen Museum und den Werken Reuven Rubins.

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Reuven Rubin starb 1974 in Tel Aviv. Sein Haus und einige Werke hatte er bereits zuvor der Stadt vermacht, 1983 eröffnete das Rubin Museum. Im oberen Stockwerk des Hauses kann man noch heute sein Künstlerzimmer sehen. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie er dort mit Pinsel und Palette vor der großen Leinwand gestanden hatte und malte. Wie meistens bei Museumsbesuchen, betritt man auch hier nicht nur eine Kunstausstellung, sondern eine Oase der Ruhe inmitten der lauten Stadt. Die Bialik Street ist eine Seitenstraße der chaotischen Allenby Street, unweit des Carmel Marktes.

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Für Informationen zu den Besucherzeiten:
http://www.rubinmuseum.org.il/home.asp

All photos by Saskia


Tel Aviv Museum of Art

Tel Aviv besticht mit sehr vielen Möglichkeiten. Überall lauern fantastische Restaurants und Cafes, fast die meiste Zeit des Jahres kann man in bequemer Sommerkleidung herumspazieren, auf der Strandpromenade am Meer entlang oder auf den großen Alleen und Plätzen, wo sich Künstler und Straßenmusiker tummeln.
Es ist jetzt Dezember und die Temperaturen liegen tagsüber nach wie vor bei 20-25 Grad.
Man könnte also meinen, dass an einem schönen Wintertag, der vielmehr anmutet wie ein Tag im Mai, kaum ein Mensch ins Museum tingelt.
Ich erwartete nicht: zwanzig Minuten an der Kasse anzustehen. Nicht, dass mir dann dort gesagt würde, ich müsse weitere zwei (!) Stunden im Untergeschoss für die Sonderausstellung anstehen, weil so viel Andrang besteht. Nicht, dass ich anschließend mit 50 weiteren Personen durch die Räume mit den impressionistischen Gemälden gehen würde und nicht, dass die meisten Museumsbesucher Israelis sein würden. Im Museum erwartet man Touristen und eine gewisse Leere. Ich erinnere mich gut an meine Besuche der Alten Pinakothek in München, deren Räume ich beinahe ausschließlich für mich alleine hatte oder vereinzelt mit kleinen Reisegruppen teilte. Lange anstehen musste ich dort jedenfalls nie an der Kasse. Macht die Pinakothek etwas falsch? Ich glaube nicht. Eher die Deutschen.

Marc Chagall, Solitude , 1933

Marc Chagall, Solitude , 1933

Das Museum of Art überraschte mich sehr, als ich es zum ersten Mal besuchte. Sowohl die Sammlung der alten Meister als auch die der modernen und zeitgenössischen Kunst haben allerhöchstes Niveau. Jedes einzelne Gemälde unglaublich. Keine Lückenbüßer, die an irgendeine Wand gehängt wurden um die Leere zu kaschieren, sondern sorgsam gewählte Stücke, die sich perfekt und harmonisch im Raum ergänzen. Normalerweise kann ich nach einem Besuch im Kunstmuseum sagen, welche Gemälde mir besonders gut gefallen haben, weil sie ohnehin herausragten. Im Tel Aviv Museum of Art fällt es mir hingegen deutlich schwerer.

Ein Geheimtipp ist das Museum sicher nicht, es wird in jedem Reiseführer aufgeführt und ist stets gut besucht. Und doch habe ich das Gefühl, etwas ganz besonderes für mich entdeckt zu haben.

Claude Monet, Haystack in Giverny, 1889

Claude Monet, Haystack in Giverny, 1889

Mark Rothko, Untitled, ca. 1945

Mark Rothko, Untitled, ca. 1945

Gustav Klimt, Friedericke Maria Beer, 1916

Gustav Klimt, Friedericke Maria Beer, 1916

Pablo Picasso , Torso of a Woman, 1953

Pablo Picasso , Torso of a Woman, 1953