Tag Archives: Konzert

Yehuda Amichai – eine Jazz Session

Vielleicht ist es dem einen oder anderen Leser dieses Blogs aufgefallen, dass ich nicht mehr regelmäßig schreibe… Mein Mann und ich erwarten ein Kind und nun ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Geburt. Wir sind sehr gespannt und meine Aufmerksamkeit liegt momentan eher bei Spieluhren, Stramplern und winzigen Mützchen. Vermutlich wird der Blog eine Weile lang darunter leiden.
Trotzdem bleibe ich natürlich offen für spannende Themen rund um Israel und hoffe, dass ich auch weiterhin Freiräume zum Schreiben und Fotografieren finden werde.

Vor einiger Zeit kontaktierte mich Sina, eine sehr liebenswürdige Musikerin, die sich für ein Gedicht von Yehuda Amichai begeisterte, das sie auf meinem Blog entdeckt hatte. Es inspirierte sie zu einem neuen Projekt und nachdem sie mich wiederrum damit begeisterte, bat ich sie, mir das Ergebnis unbedingt zu schicken. Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt erreichte mich vor Kurzem ihre Email mit einem Konzertmitschnitt, den ich mit Sinas Erlaubnis auf Youtube gestellt habe und unbedingt hier teilen möchte.
Der Text des Stücks basiert auf dem Gedicht “Ein Jahav”, das hier in hebräischer, englischer und deutscher Sprache zu finden ist.

Applaus für Sina Fehre!! Sie spielt Kontrabass, hat die Musik komponiert und singt in diesem Stück auf Hebräisch, was sie zu diesem Zweck extra eingeübt hat, da sie eigentlich kein Hebräisch spricht – das nötigt mir noch mehr Respekt ab!

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Israelischer Adventskalender – Tag 19

“Von all den Lieben, von denen man träumen kann,
habe ich um Dich gebeten.
Wirst Du meine Stimme hören, die Dich ruft?
wirst Du es wissen?

Von all den Lieben, von denen man träumen kann,
habe ich um Dich gebeten.
Du bist weit von mir entfernt und mein Herz vermisst Dich.
Und ich habe um nichts anderes gebeten
außer Dein zu sein
außer mit Dir zusammen zu sein.”

Ich habe es immer als “höhere” Fügung empfunden, meinen Mann kennengelernt zu haben. Zwischen uns lag diese riesige Distanz zweier Länder und Kulturen, und trotzdem haben unsere Herzen sich gefunden…


Israelischer Adventskalender – Tag 2

Dieses Lied lief neulich im Hintergrund in einem Café, in dem mein Mann und ich frühstückten. Draußen rauschte das Meer und wir saßen gemütlich mit unseren Kaffeetassen am Fenster und schauten hinaus.


Freitags in Tel Aviv…

Seit Mitte der Woche liege ich mit einer Magendarmgrippe im Bett. Eigentlich hatte ich für dieses Wochenende zwei tolle Unternehmungen geplant, über die ich anschließend auf meinem Blog schreiben wollte. Das eine war ein Konzert von Daniel Zamir in Jerusalem, das aber vom Veranstalter kurzfristig abgesagt wurde (vielleicht hat Daniel Zamir auch eine Magendarmgrippe?) und das andere war die Fresh Paint Kunstmesse in Tel Aviv. Ich wollte mit einer guten Freundin dorthin, stattdessen jedoch sitze ich jetzt vor einem Glas dampfend heißen Kamillentees.
Ich hatte in Deutschland nie Magendarmgrippen. Vielleicht liegt das an dem warmen Klima hier. Die erste Magendarmgrippe vor zwei Jahren erwischte mich so hart, dass ich nachts ins Krankenhaus musste. Wir wohnten damals noch in Rishon LeZion. Neben mir in der Notaufnahme lag ein muslimischer Mann mit Bauchkrämpfen. Seine Frau stand neben ihm und sah ziemlich hilflos aus. Die beiden sprachen kaum ein Wort Hebräisch, der Mann wurde jedoch genauso schnell und intensiv behandelt wie alle anderen Patienten (soviel zu dem idiotischen Thema „Apartheid in Israel“).
Freitag ist normalerweise der beste Tag der Woche, das Wochenende hat begonnen, Tel Aviv ist voller Leben, überfüllte Cafés und Restaurants an allen Ecken und Enden. Straßenmusiker spielen auf den großen Alleen, Freunde treffen sich zu einer Partie Boule auf dem Rothschild Boulevard, auf dem in der Mitte ein breiter Fußgängerstreifen mit Flächen zum Boulespielen angelegt ist. Mein Mann und ich nutzen diesen Tag für lange Spaziergänge und Restaurantbesuche. Nur heute leider nicht. Darum habe ich beschlossen, Bilder von unseren Freitagen in Tel Aviv zu zeigen:

 

Auf dem Platz neben dem Theater "HaBima"

Auf dem Platz neben dem Theater “HaBima”


 

Eine Fotocollage die Hafen und Strand von Tel Aviv zeigt - All rights reserved Noam Yosef

Eine Fotocollage die Hafen und Strand von Tel Aviv zeigt – All rights reserved Noam Yosef


 

Der Aufpasser. Ein großer Hund am Eingang zu einem Kinderspielplatz. Unklar war mir, ob er aufpasste, dass keine Kinder rauslaufen, oder ob er keine Leute hereinlassen wollte. Ich habe es dann auch nicht ausprobiert...

Der Aufpasser. Ein großer Hund am Eingang zu einem Kinderspielplatz. Unklar war mir, ob er aufpasste, dass keine Kinder rauslaufen, oder ob er keine Leute hereinlassen wollte. Ich habe es dann auch nicht ausprobiert…


 

Der Schornstein im Hintergrund gehört zum Elektrizitätswerk "Reading". Das Bild ist eine Fotocollage - All rights reserved Noam Yosef

Der Schornstein im Hintergrund gehört zum Elektrizitätswerk “Reading”. Das Bild ist eine Fotocollage – All rights reserved Noam Yosef


 

Auf dem Rothschild Boulevard - All rights reserved Noam Yosef

Auf dem Rothschild Boulevard – All rights reserved Noam Yosef


 

Überfüllte Cafés, Fotocollage. All rights reserved Noam Yosef

Überfüllte Cafés, Fotocollage. All rights reserved Noam Yosef


 

Pizza aus dem Steinofen - in der Bograshov Street kann man bei der Zubereitung zuschauen.

Pizza aus dem Steinofen – in der Bograshov Street kann man bei der Zubereitung zuschauen.


 

Was im ersten Moment aussieht wie eine Fotocollage, ist in Wirklichkeit eine Spiegelung im Fenster eines meiner Lieblingsrestaurants, "Sus Etz" in der Shenkin Street

Was im ersten Moment aussieht wie eine Fotocollage, ist in Wirklichkeit eine Spiegelung im Fenster eines meiner Lieblingsrestaurants, “Sus Etz” in der Shenkin Street


 

Zum Schluss noch ein Stück von Daniel Zamir, „Ich glaube“ („Ani ma’amin“). Das Video habe ich vor ein paar Jahren mal gemacht, mit Bildern von Israel.


Yonatan Razel live in concert oder: warum ich Jerusalem liebe

Nachts ist Jerusalem ein magischer Ort. Bereits tagsüber ist die Stadt sehr besonders und außergewöhnlich, aber wenn die Dunkelheit sie umhüllt und man über die tausenden funkelnden Lichter in den Hügeln blickt, ist man so ergriffen von ihrer Schönheit, dass man wünscht, es gäbe keinen Morgen.
Mein Mann und ich sind nach Jerusalem gefahren, um ein Konzert von Yonatan Razel zu besuchen. Es ist ein intimer Kreis von Zuhören an diesem Abend in einem Restaurant im Herzen der Stadt. Yonatan Razel hat eine klassische Musikausbildung und das merkt man seinen Stücken auch an. Er ist ein Musiker, wie man ihn selten live hört.

Als Yonatan Razel zu „Vehi sheamda“ ansetzt, bekomme ich eine Gänsehaut. Dieses Lied ist eines der schönsten hebräischen Lieder überhaupt. Yonatan Razel wurde mit seiner Interpretation dieses Liedes aus der Haggada einem breiten Publikum bekannt.

Zwischen zwei Liedern erzählt Yonatan Razel von einer lustigen Geschichte, die ihm am Ben Gurion Flughafen während der Passkontrolle widerfahren ist. Die Polizistin, die seinen Reisepass in den Händen hielt, sagte ihm, dass ihr sein Name von irgendwoher bekannt vorkäme. Razel antwortete, dass er Musiker sei.
„Kenne ich Ihre Lieder?“ fragte sie zurück.
-„Vielleicht. Eines meiner Lieder wird oft im Radio gespielt.“
„Na dann singen Sie es mir doch mal vor!“ forderte die Polizistin.
Yonatan Razel schaut mit einem Augenzwinkern ins Publikum und stellt fest: „Sie hatte ja noch meinen Pass… Also sang ich.“

Viele seiner Lieder haben sehr tiefe Texte. Sie sind nachdenklich und poetisch. Er interpretiert alte Stücke neu und komponiert nebenzu auch seine eigenen. Yonatan Razel spielt Klavier, Gitarre, ist Dirigent und studiert nebenbei an der Jeschiwa, einer Hochschule, an der sich die Studenten dem Studium des Talmud widmen.

Am Anfang des folgenden Videos erzählt Yonatan Razel von einem Treffen zwischen Bob Dylan und John Lennon. Bod Dylan fragte John Lennon, wie viele Jahre er noch diese unsinnigen Texte singen würde. „Die ganze Zeit ‘She loves me, she doesn’t. I miss you, It’s you, You’re the only one.“ Sing doch mal was Vernünftiges.“ Und danach brachten die Beatles Lieder wie ‘Sargent pepper’ und ‘Revolver’ heraus. Der Text des Stücks, das Yonatan Razel anschließend singt, wurde von Rachel Shapira geschrieben. Sie hat die Texte vieler großer Hits in Israel verfasst und ‘Od Yom’ hört sich mehr nach einem Gedicht als nach einem gewöhnlichen Liedtext an.

Am Schluss gibt es noch eine große Überraschung. Plötzlich steht Daniel Zamir, ein begnadeter Saxophonspieler, auf der Bühne. Das Publikum ist von den Stühlen aufgesprungen und applaudiert unaufhörlich. Da tritt eine weitere Person ins Bühnenlicht: Eviatar Banai, einer der bekanntesten Sänger Israels. Er hat Yonatan Razels neues Album produziert. Jetzt tobt das Publikum gänzlich und es dauert einige Minuten, bis sich der Lärm wieder legt. Die drei performen gemeinsam noch einmal „Vehi sheamda“. Leider hat meine Speicherkarte nicht mehr gereicht, um das gesamte Stück zu filmen.

All videos by Saskia