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Eine Stadt versinkt im Dreck

In Gaza City ist die Kläranlage ausgefallen und da dieser Zustand schon einige Zeit andauert, laufen die Klärbecken über und staut sich die Kloake nun in den Straßen.
In den Nachrichten hört es sich folgendermaßen an:

Bewohner Gazas waten im Abwasser

Der erste Satz des Artikels fängt bereits tendenziös an: „Auch ein Jahr nach dem verheerenden israelischen Angriff auf Gaza…“
Ein Angriff war das nicht, denn zuvor flogen monatelang (!) Raketen aus Gaza auf israelische Orte. Kindergärten und Schulen konnten nicht ihrem normalen Betrieb nachgehen, da die Gefahr für die Kinder zu groß war und die Bevölkerung im Süden Israels verbrachte Nächte und Wochen in Luftschutzbunkern. ABER DANN hat Israel Gaza angegriffen. Schon klar.

Nun sind in Gaza die Straßen voller, pardon, Scheiße, weil… Ja warum eigentlich?
Weil nur unzureichend Strom und kein Diesel mehr geliefert werden.
Und wer ist schuld? In den Nachrichten heißt es, „die Regierung“ und der Leser versteht darunter automatisch „die israelische Regierung“. Wie sonst sollte es auch sein, gibt es doch eine Kontrolle der Wareneinfuhr durch Israel.
Es ist also augenscheinlich und laut internationaler Medienberichte so, dass Israel den Import von Strom und Diesel unterbindet, während die Menschen in Gaza krank werden, weil in ihren Straßen meterhoch Abwässer wabern.
Für die allermeisten Leser reichen zwei Absätze der Zeitungslektüre, um sich ein „konkretes“ Bild von der Lage zu machen und zu verstehen, wer hier der Belzebub ist. Israel liefert keinen Strom und das ist eine humanitäre Katastrophe.
Wer sich bis zum Schluss der einschlägigen Zeitungsartikel durchschlägt, wird – nicht immer, aber manchmal – im allerletzten Nebensatz erfahren, dass die Hamas kein Diesel und keinen Strom importieren will. Dahinter stecken niedrigste politische Beweggründe, die zu erklären sich die Journaille jedoch scheut.
In Gaza regiert, besser: herrscht, die Hamas. Im Westjordanland ist es die Fatah. Bis vor einigen Monaten bestanden Tunnelsysteme zu Ägypten, über die illegal Waren nach Gaza geschmuggelt werden konnten. Die ägyptischen Muslimbrüder und die Hamas waren Verbündete. Doch nach dem Putsch in Ägypten verlor die Hamas ihre Unterstützung durch die Muslimbruderschaft und der Schmuggel versiegte. Jetzt müsste die Hamas auf legalem Wege aus Israel Güter importieren, um ihre Bevölkerung zu versorgen. Auf Benzin erhebt die Palästinensische Autonomiebehörde jedoch Steuern. Da Gaza der Autonomiebehörde unterliegt, müsste die Hamas also Steuern entrichten Die Feindschaft zwischen Hamas und Fatah steht dem ganz groß im Weg. Und so lässt die Hamas lieber die Bevölkerung im Dreck versinken und an Krankheiten sterben, anstatt diese Steuern zu zahlen.

Wer auf die Idee kommt, dass die Hamas vielleicht kein Geld hat, um diese Steuern zu zahlen, dem sei gesagt, dass in Gaza derzeit etwa 600 Millionäre leben. Allen voran scheffelt sich die Hamas selbst die Taschen voll:
Für jedes Auto, das nach Gaza geschmuggelt wurde, erhob die Hamas eine Gebühr von 2000 USD und zudem 25% Steuern, 15 USD für jede Tonne Zement, 8 Cents für eine Packung Zigaretten und 50 Cents für jeden Liter Benzin.

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Wie konnte das passieren?

Auf der Seite von National Geographic fand ich neulich ein Foto, das eine Straße in Beirut zeigt. Es ist aus den 50er Jahren und vermittelt eher die Atmosphäre einer europäischen Stadt. Das machte mich sehr neugierig und so begab ich mich auf die Suche nach weiteren Bildern aus Nahost, die in dieser Zeit entstanden sind.
 

Eine Straße in Beirut, 1958. National Geographic

Eine Straße in Beirut, 1958. National Geographic


 
Was ich fand, war ein Kaleidoskop an Eindrücken, die heute undenkbar sind: Frauen in kurzen Röcken in Kabul (heute wandeln die Frauen dort wie Gespenster herum, man weiß oft nicht einmal, wo oben und unten sein soll), dasselbe Straßenbild in Ägypten, im Libanon und im Iran.
 
Kabul Universität, 1980er

Kabul Universität, 1980er


 
Kabul Universität -  Biologieklasse,1950er

Kabul Universität – Biologieklasse,1950er


 
Es könnte auch Paris sein, aber diese Szene wurde in Kabul in den 1970ern aufgenommen!

Es könnte auch Paris sein, aber diese Szene wurde in Kabul in den 1970ern aufgenommen!


 
Ägypten in den 1950ern oder 60ern - Zoobesuch

Ägypten in den 1950ern oder 60ern – Zoobesuch


 
Junge Ägypter in Montazah, 1950er

Junge Ägypter in Montazah, 1950er


 
Auch für Syrien habe ich Bilder aus der damaligen Zeit gesucht. Es war nicht ganz einfach, zu diesem Thema Fotografien zu finden, da selbst die harmlosesten Suchbegriffe wie „Damascus 1950s“ die Grauen des aktuellen Bürgerkrieges hervorbringen: vergaste Kinder, Blut und von Maschinengewehren durchsiebte Gebäude.
 
Damaskus 1952

Damaskus 1952


 
Damaskus 1947

Damaskus 1947


 
Israel ist das einzige Land im kompletten Nahen Osten, in dem es völlig selbstverständlich ist, dass Menschen das anziehen, was ihnen passt. Es gibt zwar auch hier religiöse Gemeinschaften, die einen legeren Kleidungsstil ablehnen, aber da wir hier in einem demokratischen Land leben, kann jede Frau wählen, ob sie nun im kurzen Top und abgeschnittenen Minishorts durch die Straßen läuft oder lieber etwas weniger freizügig. Alles wird respektiert, geachtet und toleriert. Kein Mann käme hier je auf die Idee, einer Frau an den Po zu fassen. Moment mal, behaupten die Muftis im Islam nicht, dass die strenge Verhüllung der Frauen deren Schutz dient? Warum werden dann eigentlich Frauen derzeit in Ägypten ständig auf offener Straße angegrapscht? Am Kleidungsstil kann es jedenfalls nicht liegen, sonst hätten wir dieses Problem in Tel Aviv auch…

Wenn man die islamischen Gesellschaften genauer anschaut, fehlen ihnen heute etliche Elemente, die ich eigentlich als Grundvoraussetzung erachte, um sich persönlich entfalten zu können:
Toleranz, sexuelle Selbstbestimmung, Pluralismus, Achtung von Menschenrechten, insbesondere der Rechte Schwächerer, keine Ausgrenzung von Gesellschaftsgruppen aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit oder ihres Geschlechts. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und die Analyse von historischen Fehlern, um daraus zu lernen… Die Liste kann endlos fortgesetzt werden.

In einem der Internetforen fand ich einen Kommentator, der sich ärgerte, dass wir heute fälschlicherweise davon ausgingen, Kabul sei früher ein toleranterer Ort gewesen, nur aufgrund der Tatsache dass man auf Fotos Frauen in Miniröcken sieht. Er argumentierte, dass der Kleidungsstil der Frauen nicht gleichzusetzen sei mit der politischen Richtung eines Landes. Ich möchte dem ganz klar widersprechen. Wenn ich als Frau in einem Land lebe, in dem ich nicht anziehen darf, was ich will, weil mir Vorschriften gemacht werden was züchtig ist und was nicht, dann lebe ich definitiv nicht in einer demokratischen Gesellschaft, sondern entweder im Faschismus, in einer kommunistischen Diktatur oder im radikalen Islam. Die Entwicklung des Kleidungsstils der Frauen ist in meinen Augen ganz klar ein Spiegel der Gesellschaft und sehr wohl ein Indikator dafür, wie tolerant und frei die Menschen in einem Land miteinander umgehen. Wenn man sich Fotos deutscher Frauen in den frühen 1940ern ansieht, spiegeln diese schließlich auch ganz klar den Nationalsozialismus wieder.

Ich persönlich hege ja die Theorie, dass die heutigen islamistischen Länder in Nahost erst dann ein Ort des Friedens und der Toleranz sein werden, wenn sich die Frauen von den Zwängen befreit und ihre sexuelle Selbstbestimmung erfolgreich eingefordert haben werden. Solange die Frauen unterdrückt sind und sich leider auch unterdrücken lassen, solange sehe ich keine ernsthafte Chance auf einen hassfreien Nahen Osten. Diese Theorie mag zwar ziemlich haltlos klingen, aber ich bin der Überzeugung, dass die islamistischen Länder deshalb so brutal sind, weil die Männer machen was sie wollen und alle Schwächeren unterdrücken. Das führt dazu, dass auch einige Frauen zu brutalen Unterdrückerinnen werden, sobald sie „Oberwasser“ bekommen. Eine Gleichstellung der Geschlechter ist vermutlich der einzige Weg zu einer ausbalancierten Gesellschaftsordnung. Mag sein, dass ich mich sehr irre, aber ich hoffe trotzdem darauf, dass ich irgendwann keine derartigen Bilder mehr sehen muss:
 

Saudi Arabien, heute

Saudi Arabien, heute


 
Dieses Bild jagt mir kalte Schauer den Rücken herunter. Es sieht aus wie ein fieser Witz, aber es ist die brutale Realität im heutigen Afghanistan. Frauen haben den Status von Dreck.

Dieses Bild jagt mir kalte Schauer den Rücken herunter. Es sieht aus wie ein fieser Witz, aber es ist die brutale Realität im heutigen Afghanistan. Frauen haben den Status von Dreck.


 
 


Ovech statt Seeblick

Wir saßen heute Nachmittag in einem Restaurant mit Ausblick über den See Genezareth. Die Idylle war eigentlich perfekt.

Eigentlich.
Denn innerhalb kürzester Zeit brachte ein starker Wind gewaltige Mengen Staub aus Ägypten und Libyen nach Israel und hüllte das gesamte Land in einen Dunstschleier, der Israel so verdunkelte, dass man nur wenige Meter weit sehen konnte. Wir stellten uns also hinter der Blumenhecke den blauen See vor, den wir nicht mehr sehen konnten, und genossen trotzdem das gute Essen.
Ich war von dem Wetterumschwung so überrascht, dass ich leider nicht mal mehr daran gedacht habe, dieses Schauspiel zu fotografieren. Stattdessen griff ich nach meiner Sweatjacke und zog mir die Kapuze über den Kopf. In Israel heißt dieses Phänomen „Ovech“ und heute war es besonders „kaved“, also stark – nämlich der schlimmste Sandsturm seit vier Jahren.
Aber naja, es hätte ja auch schlimmer kommen können: ich könnte zum Beispiel in Deutschland bei 2 Grad Celsius im Haus sitzen und den Schneeflocken zuschauen, wie sie vom Himmel tanzen….

 

Die Stadt Netanja, eingehüllt in Staub

Die Stadt Netanja, eingehüllt in Staub

 

Das Szenario in Tel Aviv

Das Szenario in Tel Aviv

 

Auch in Jerusalem wurden Touristen offensichtlich von dem Sandsturm überrascht

Auch in Jerusalem wurden Touristen offensichtlich von dem Sandsturm überrascht

 

 

Die Bilder sind aus den heutigen Nachrichten