Abends in Tel Aviv

Die Oper auf der Shaul Hamelech Straße platzt abends selbst unter der Woche aus allen Nähten. Schon der Eingangsbereich ist so voll, dass man im Zickzack gehen muss, um an den Besuchern vorbei zur Bar zu gelangen. Das Gebäude ist groß und hell und empfängt die Besucher mit einer schönen Atmosphäre.
Das Programm ist so vielfältig und interessant, dass es mir schwer fällt, mich für eine Vorstellung zu entscheiden. Meine Wahl fällt auf das Ballettensemble “Les Ballets Jazz de Montréal“, das drei Stücke zeigt, die unterschiedlicher und spannender nicht sein könnten. Das Ensemble tourt gerade durch mehrere Länder und ich hätte gerne meinen Eltern Karten besorgt, aber leider gibt es in Deutschland keine Vorstellungen. Die Darbietung war unglaublich gut und ich fürchte das Video gibt dies nicht wirklich wieder:

Das erste Stück “Closer” ist klassisch und ruhig, während das zweite, “Night Box”, so energiegeladen ist, dass man als Zuschauer kaum ruhig auf dem Sitz bleiben konnte. Das letzte Stück, “Harry”, steckt voller Klezmer-Musik und ist zugleich eine Theaterdarbietung mit Dialogen.

Wer sich gerade in Tel Aviv aufhält, dem empfehle ich unbedingt einen Besuch dieser Vorstellung, die leider nur noch heute und morgen Abend gezeigt wird. Nähere Infos auf der Seite der Israeli Opera.

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Tagträumerei

Dieser Januar war vermutlich einer der trockensten, die Israel in den letzten Jahren erlebt hat. Wenn es geregnet hat, dann vielleicht für fünf Minuten. Sonnige Tage sind natürlich immer willkommen und führen bei mir zu dauerhaft guter Laune, aber ein kalter Schneewinterteemitplätzchentag wäre zwischendurch auch wunderschön. Also träume ich mir so einen Tag einfach herbei und freue mich über das schöne Video, das Anfang Dezember in Jerusalem entstanden ist:


Yehuda Amichai – eine Jazz Session

Vielleicht ist es dem einen oder anderen Leser dieses Blogs aufgefallen, dass ich nicht mehr regelmäßig schreibe… Mein Mann und ich erwarten ein Kind und nun ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Geburt. Wir sind sehr gespannt und meine Aufmerksamkeit liegt momentan eher bei Spieluhren, Stramplern und winzigen Mützchen. Vermutlich wird der Blog eine Weile lang darunter leiden.
Trotzdem bleibe ich natürlich offen für spannende Themen rund um Israel und hoffe, dass ich auch weiterhin Freiräume zum Schreiben und Fotografieren finden werde.

Vor einiger Zeit kontaktierte mich Sina, eine sehr liebenswürdige Musikerin, die sich für ein Gedicht von Yehuda Amichai begeisterte, das sie auf meinem Blog entdeckt hatte. Es inspirierte sie zu einem neuen Projekt und nachdem sie mich wiederrum damit begeisterte, bat ich sie, mir das Ergebnis unbedingt zu schicken. Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt erreichte mich vor Kurzem ihre Email mit einem Konzertmitschnitt, den ich mit Sinas Erlaubnis auf Youtube gestellt habe und unbedingt hier teilen möchte.
Der Text des Stücks basiert auf dem Gedicht “Ein Jahav”, das hier in hebräischer, englischer und deutscher Sprache zu finden ist.

Applaus für Sina Fehre!! Sie spielt Kontrabass, hat die Musik komponiert und singt in diesem Stück auf Hebräisch, was sie zu diesem Zweck extra eingeübt hat, da sie eigentlich kein Hebräisch spricht – das nötigt mir noch mehr Respekt ab!


Mit Skiern durch den Winter

Wer denkt, Israel sei ein dauerheißes trockenes Sommerland, der täuscht sich. Als ich gerade nach Israel gezogen war, besuchte ich einen Sprachkurs an der Universität in Tel Aviv. Ich war die einzige Deutsche in einer Gruppe amerikanischer Studenten, die für ein Semester nach Israel gekommen waren. Es war Januar, verregnet und kalt, und ich saß mit Wollpulli und Schal im Kurs und fror trotzdem noch irgendwie. Neben mir etliche Amerikanerinnen in Shorts und kurzärmligen Oberteilen, mit Sandalen aus denen blaue Zehen schauten. Schon beim Anblick lief es mir kalt den Rücken herunter. Da hatten wohl einige falsch gepackt, in der Annahme, in Israel sei es einfach immer heiß.
Auch am Strand von Tel Aviv sieht man im Winter immer wieder Touristen, die ihre Zehen vorsichtig ins Meer strecken und sich abmühen, weil das Wasser eigentlich zu kalt zum Baden ist.
Wer im Winter nach Israel reist, der muss sich auf kalte, zumindest herbstliche Temperaturen einstellen. Tageweise kann es regnen und nach dem Sonnenuntergang ist ein Schal sehr angenehm um den Hals. Man sieht in Israel mindestens genauso viele Frauen mit Ugg Boots, wie in nördlicheren Gefilden. Auch dicke Wollmützen prägen das Straßenbild in der kalten Jahreszeit.

Vor kurzem unternahmen mein Mann, meine Eltern und ich einen wunderschönen Ausflug auf den Hermon Berg, der mit Schnee bedeckt aus der Ferne betrachtet ein bisschen an den Kilimanjaro erinnert. Er liegt eine lange Autofahrt entfernt von Tel Aviv ganz im Norden des Landes und sein Gipfel ist mit 2,236 Metern über dem Meeresspiegel der höchstgelegene Punkt Israels. Wir fuhren morgens los und erreichten den Berg gegen Mittag. Es war sehr sonnig, doch als ich die Autotüre aufmachte, empfing mich ein derart eisiger Wind, dass ich die Türe sofort wieder zuschlug. Im Auto zog ich umständlich meinen dicken Wintermantel an und wagte einen erneuten Versuch, auszusteigen. Draußen hatte es minus 7 Grad. Ohne Mütze und Kapuze hielt ich es keine Minute aus. Wir marschierten erst einmal zu einem Bistro, wo wir uns alle einen heißen Tee kauften. Anschließend fuhren wir mit dem Sessellift auf die Bergspitze. Der Weg nach oben war noch eisiger und windiger und ich fror erbärmlich. Oben auf der Spitze gab es ein weiteres Bistro wo wir direkt die nächste Teerunde eröffneten. Dann genossen wir die unglaubliche Aussicht, mit Blick bis auf den See Genezareth. Als die Sonne hinter Wolken verschwand, machten wir uns wieder auf den Weg nach unten. Vom Sessellift aus sahen wir etliche Skifahrer und Snowboarder. Ich habe so gut es mit meinen vor Kälte erstarrten Händen ging fotografiert:

Hermon

Hermon

Hermon

Hermon

Hermon

All photos by Saskia


Israelischer Adventskalender – Tag 24

Frohe Weihnachten!!