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Traurig-frohes Chanukka: Zum Tod von Arik Einstein

Eigentlich sollte Chanukka dieses Jahr wirklich großartig werden: Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke, dann war da kein Krieg, obwohl alle einen Angriff Syriens auf Israel befürchteten und wir diesen Sommer wochenlang in Anspannung verbrachten. Auch die Iran-Agenda hatte sich dieses Jahr beruhigt, auch wenn ganz klar gesagt werden muss, dass die “Einigung” hinsichtlich der iranischen Atomanlagen eher eine Farce ist und Israel nicht gerade beruhigt und erfreut darüber sein kann.
Dennoch, im Vergleich zu letztem Jahr habe ich dieses Jahr ein deutlich entspannteres Gefühl und als ich heute Morgen auch noch die gute Nachricht las, dass Hamed Abdel-Samad in Sicherheit ist, wollte ich Chanukka heute Abend mit diesem Gutelaune-Song beginnen:

Das hätte perfekt zu meiner Stimmung gepasst.
Doch dann erfuhr ich vom Tod Arik Einsteins, einem der größten israelischen Sänger wenn nicht DEM größten, einem Menschen, der Persönlichkeit und Größe besaß und die Israelis ein Leben lang mit seiner Musik und seinen poetischen Texten begleitet hat.
In der Times of Israel schreibt Avi Issacharoff zu seinem Tod: ” Ein Sänger für alle Lieben meines Lebens”. Generationenübergreifend hören Menschen hier seine Lieder und sind davon betroffen und gerührt.
Es fiel mir heute Morgen schwer, seinen Tod zu begreifen. Arik Einstein war ein zurückhaltender Mensch, der in den letzten Jahren sogar das Publikum scheute.
Ausgerechnet am Morgen des Tages, an dem Chanukka beginnt, starb er unerwartet und plötzlich im Alter von 74 Jahren. Doch vielleicht ist es eine Fügung des Schicksals, dass heute Abend in Israel und auf der Welt eine Kerze angezündet wird, auf dass Arik Einsteins Licht in der Welt weiterleuchtet…

Chanukkia - getty images


Koscheres Essen

Heute stolperte ich über einen Artikel, der sich der Frage widmete, ob Briefmarken „koscher“ sind. Für jemanden, der sich mit diesem Thema überhaupt nicht befasst, mag diese Frage völlig abwegig erscheinen, schließlich sind Briefmarken ja nicht zum Verzehr gedacht.
Mich brachte das jedoch auf die Idee, näher auf das Thema einzugehen, zumal ich von Freunden in Deutschland schon öfters danach gefragt wurde, was koscheres Leben bedeutet, welche Hintergründe es hat und wie das im Alltag aussieht.

Keine Sorge, ich werde mich diesem Thema nicht wie ein Wissenschaftler nähern und eine trockene Abhandlung darüber schreiben. Stattdessen beginne ich mit dem ersten (kulinarischen) Kontakt, den mein israelischer Mann mit meiner deutschen Familie hatte. Wir hatten einen Urlaub bei meinen Eltern in Bayern geplant und meine Mutter fragte mich schon vor unserer Ankunft ganz aufgeregt, was sie denn ihrem zukünftigen Schwiegersohn kochen solle.
„Mach dir keine Sorgen darüber, er isst nicht koscher.“
– „Ja darf ich ihm denn Wurst zum Frühstück anbieten, während wir Käse essen?“
Man muss dazu sagen, dass meine Eltern, genauso wie ich, Vegetarier sind.
„Klar. Ihm ist das völlig egal. Er hält sich nicht an die Regeln koscheren Essens.“
– „Aber wo soll ich denn die Wurst für ihn kaufen?“
Meine Mutter entspannte sich erst, als mein Mann glücklich nach dem Schinken griff und ihn schon beinahe stapelweise auf seinem Frühstücksbrot drappierte.

Mein Mann und sein Vater sind mit ihren Essgewohnheiten in der riesigen israelischen Familie die Ausnahme, alle anderen Familienmitglieder halten sich an die Regeln des Kaschrut und kämen niemals auf die Idee, Schweinefleisch zu essen oder Käse und Fleisch zu mischen.

 

Wann ist Essen koscher?

Koscheres Essen bedeutet aber viel mehr, als nur Käse und Fleisch nicht gleichzeitig zu verzehren. Es gibt etliche Regeln, die mitunter ziemlich verwirrend sein können. Je stärker religiös Juden sind, desto komplexer werden diese Regeln.

Das Wort „koscher“ kommt von dem Wort „kaschura“, was „korrekt“ bedeutet oder auch „den Regeln entsprechend“. In Hebräisch besteht das Wort „koscher“ aus nur drei Buchstaben – כשר- und wird „kascher“ ausgesprochen. Die Aussprache mit dem „o in der Mitte führt lustigerweise in Israel zu einer völlig anderen Bedeutung, nämlich Fitness – aber das nur ganz am Rande.

Bevor ich nach Israel kam, dachte ich immer, „koscher“ bedeutet, dass Milch und Fleisch nicht vermischt werden dürfen und dass die Tiere auf eine bestimmte Weise geschlachtet werden müssen, dem Schächten, damit das Fleisch nicht vom Blut verunreinigt wird.
Als ich dann nach Israel kam, stellte ich fest, dass auf all unseren Küchenprodukten etliche Gütezeichen und Siegel waren, die zertifizierten, dass es sich um koschere Waren handelte. Ich fragte meinen Mann verwirrt: „Wie kann Spülmittel nicht koscher sein? Wozu braucht man einen Stempel darauf, der bestätigt, dass dieses Spülmittel koscher ist?“

„Koscher“ erstreckt sich auf verschiedene Ebenen. Zum einen ist da die Ebene der Lebensmittel selbst. Es müssen die folgenden, vereinfacht dargestellten Voraussetzungen erfüllt sein, damit Tiere verzehrt werden dürfen:

• Geflügel muss domestiziert worden sein. Wildvögel wie beispielsweise Adler oder Eulen sind nicht koscher.
• Fleisch muss von Wiederkäuern stammen, die gleichzeitig Paarhufer sind. Darunter fallen Ziegen, Kühe, Schafe, nicht jedoch Pferde, Kamele, Schweine oder Hasen (was mich als Vegetarier besonders freut, weil ich Häschen so niedlich finde). Theoretisch dürfen Juden also Giraffen essen, diese sind nämlich Wiederkäuer und Paarhufer. Allerdings habe ich bislang noch keine Giraffe auf den hiesigen Speisekarten gefunden…
• Fische müssen Schuppen und Flossen haben. Haie fallen beispielsweise nicht darunter, weil sie zwar Flossen haben, jedoch keine Schuppen.
• Sonstiges Meeresgetier ist grundsätzlich nicht koscher, Garnelen, Hummer, Langusten und Muscheln oder Tintenfische dürfen nicht gegessen werden.
• Reptilien gelten insgesamt als nicht koscher
• Insekten sind mit Ausnahme einer Heuschreckenart (warum auch immer) unkoscher.

Die Produkte der Tiere sind entsprechend koscher oder eben unkoscher. Die Milch vom Pferd ist also unkoscher, während beispielsweise Schafskäse koscher ist. Es gibt eine Ausnahme von dieser Regel: Honig. Obwohl Bienen als Insekten unkoscher sind, ist ihr Honig koscher.

Pflanzenprodukte wie Getreide, Gemüse und Obst sind generell koscher.

Eine weitere Ebene der Kaschrut bezieht sich auf die Zubereitung. Wird ein grundsätzlich koscheres Tier nicht „richtig“ geschlachtet, so wird es dadurch unkoscher. Ebenso wird Essen unkoscher, wenn es mit unkoscheren Bestandteilen vermischt wird.
Milch und Fleisch dürfen niemals zusammen verarbeitet und gegessen werden. Diese beiden Lebensmittel müssen strikt voneinander getrennt bleiben und liegen auch im Kühlschrank in getrennten Fächern.
Es gibt noch weitere Verarbeitungsregeln für Essen, zum Beispiel dass vor dem Kochen alles gründlich gereinigt werden muss (Salatblätter und auch Reiskörner werden also sorgältig inspiziert). In orthodoxen Kreisen gilt Essen auch dann als unkoscher, wenn es nicht von einem Juden zubereitet worden ist.

 

Koscher für Pessach

An Pessach gelten zusätzlich zu den bereits genannten noch weitere Regeln, die unbedingt beachtet werden müssen. Ich bin auf diese Vorschriften bereits in einem Artikel über Pessach näher eingegangen.

 

Wie sieht koscheres Leben im Alltag aus?

Ich habe in Israel die verschiedensten Menschen mit den unterschiedlichsten Essgewohnheiten kennengelernt. Meinen Mann habe ich bereits erwähnt, er hält sich nicht an die Regeln und ein positiver Nebeneffekt ist für mich, dass ich mir nicht allzu viele Gedanken zu Hause beim Kochen machen brauche.
Das extreme Gegenteil davon ist mein Arbeitskollege Shimon. Er kommt aus einer streng orthodoxen Familie und die Einhaltung der Regeln des Kaschrut ist für ihn so elementar und wichtig, dass er niemals eine Ausnahme davon machen würde.
An meinem Geburtstag brachte ich einen Kuchen mit ins Büro. Shimon rührte ihn absolut nicht an und als ich ihn fragte, erklärte er mir, warum er meinen Kuchen nicht essen darf. Meine Küche ist nicht koscher.
Es ist nämlich so, dass streng gläubige Juden nicht nur die oben genannten Regeln einhalten müssen, sondern ihre komplette Küche nach „milchigen“ und „fleischigen“ Lebensmittelkategorien aufgeteilt sein muss. Dies bedeutet in der Praxis, dass es zwei Sets Geschirr gibt, zwei Sets Besteck, zwei Sets Küchenmesser, und so weiter. Alles ist in zweifacher Ausführung vorhanden, denn der Teller, auf dem ein Stück Fleisch lag, darf niemals für Nudeln mit Käsesoße benutzt werden. Damit man nicht mit den Pfannen und den Geschirrsets durcheinander kommt, haben die Utensilien unterschiedliche Farben. Oft ist das Set für milchige Speisen blau-, während das Set für Fleischiges rot gekennzeichnet ist.

Im Ergebnis ist also meine komplette Küche unkoscher, selbst wenn ich keine Mahlzeiten zubereite, bei denen Milch und Fleisch miteinander vermischt oder gemeinsam serviert werden.

Wenn ich Freunde zum Essen einlade, erkundige ich mich vorher genau nach ihren Essgewohnheiten. Etliche meiner Freundinnen halten sich strikt an die Regeln und essen keine Fleisch- und Milchprodukte zusammen. Das bedeutet auch, dass ich nicht nach einem Abendessen als Nachspeise normales Eis oder Cremetorte servieren kann. Je nach der persönlichen Handhabe wird nach dem Verzehr von Fleisch noch eine Zeit von einer bis sechs Stunden eingehalten, bis wieder etwas Milchiges gegessen werden darf. Meine Nachspeisen sind daher ausschließlich „parwe“, also „neutral“.

In Israel gibt es im Supermarkt eine riesige Auswahl an Schokoladen und Eiscremes, die keine Milch enthalten. Sie werden aus Soja und vegetabilen Ölen hergestellt, die im Geschmack und in ihrer Konsistenz den entsprechenden Milchprodukten sehr ähneln.
Diese „parwene“ Gerichte dürfen mit sowie nach Fleisch ebenso serviert werden wie mit oder nach Milchprodukten. „Parwe“ sind natürlich Nudeln, Reis, Obst, Kaffee und auch Eier.

Ich kann in meiner Küche nicht für Freunde wie Shimon kochen. Egal, wie sorgfältig ich vorgehe und wie sehr ich mich bemühe, die Lebensmittel voneinander zu trennen, meine Küche bleibt dennoch für orthodoxe Juden ein unkoscherer Ort.
Wenn mein Mann und ich zu einer Party einladen, dann kaufen wir Einmalbesteck und Pappgeschirr. Das ist zwar leider nicht besonders umweltfreundlich, aber der einzige Weg, um es allen Gästen zu ermöglichen, bei uns zu Hause zu essen. Shimon greift dann zu den Kuchen, die ich extra für ihn aus einer zertifizierten Bäckerei gekauft habe und die nicht mit unserem Porzellan in Berührung kamen…

 

Zertifikate für koschere Produkte

Das Zertifikat ist ein wichtiger Bestandteil der koscheren Esskultur. Wie wissen Juden, welche Lebensmittel entsprechend der Regeln des Kaschrut hergestellt wurden? Weltweit zertifizieren Rabbiner Produkte, nachdem sie deren Herkunft und Herstellung überprüft haben.
In Israel hat das zur Folge, dass es gesamte Supermarktketten gibt, die koscher oder unkoscher sind. Geht man in einen koscheren Supermarkt, wird man kein unkoscheres Produkt dort finden, weil die Supermarktketten es ablehnen, unkoschere Produkte überhaupt in ihr Sortiment aufzunehmen. Sie wollen es ihren Kunden so leicht wie nur möglich machen und ihnen den suchenden Blick nach dem Zertifikat auf der Verpackung ersparen.
Das hat zur Folge, dass in Israel eben auch Spülmittel oder Putzlappen als koscher zertifiziert werden, weil sie sonst nicht in das Sortiment eines koscheren Supermarktes aufgenommen würden.

kashrut certificate

Leider hat dieses System natürlich auch seine Macken. Die Zertifikate kosten eine Menge Geld. Der Hersteller von Lebensmitteln muss jährlich (vielleicht auch in kürzeren Abständen, das weiß ich nicht genau) eine beträchtliche Summe dafür bezahlen, dass seine Lebensmittel kontrolliert und erneut als „koscher“ zertifiziert werden.
Meine Schwiegereltern besaßen jahrelang eine kleine Bäckerei. In Israel werden in Bäckereien ausschließlich milchige und neutrale Produkte verarbeitet. So etwas wie „Käse-Schinken-Stange“ gibt es hier selbstverständlich nicht. Das Zertifikat vom Kaschrut kostet eine Menge Geld und so beschlossen meine Schwiegereltern, das Zertifikat nicht mehr zu bezahlen. Sie schrieben stattdessen ein Schild auf dem stand, dass alle Backwaren koscher sind. Trotzdem brach ihnen die Kundschaft innerhalb weniger Tage fast komplett weg. Die Menschen akzeptierten die Erklärung nicht, die mein Schwiegervater ihnen gab. Ohne Zertifikat kein Vertrauen in das Produkt.
Also zahlten meine Schwiegereltern wieder dafür und die Kundschaft kehrte zurück.

Eine ähnliche Geschichte passierte mir und meinem Mann bei den Vorbereitungen für unsere Hochzeitsfeier. Wir mieteten einen Saal mit Catering. Alkoholische Getränke waren im Preis nicht inbegriffen. Wir hatten die Wahl, entweder selbst alkoholische Getränke zu kaufen oder einen Barservice zu mieten. Wir entschieden uns für die günstigere Variante und beschlossen, den Alkohol selbst zu kaufen. Unser erster Gedanke war natürlich, ihn aus einem Deutschlandurlaub mitzubringen, da der Alkohol in Israel erheblich teurer ist. Der Betreiber des Saals lehnte diese Option jedoch sofort ab und erklärte uns, er könne nur Getränke ausschenken, die als „koscher“ zertifziert wurden. Damit waren wir gezwungen, die Getränke in einem teuren Fachgeschäft in Israel zu kaufen.

 

Hintergründe

Obwohl es mir manchmal ein bisschen seltsam vorkommt, vor allem wenn Shimon mal wieder ein Stück Schokolade ablehnt, nur weil auf dem Staniolpapier kein Zertifikat drauf ist, haben die Kaschrutregeln doch eine erhebliche Bedeutung.
Auf die Frage, warum Juden koscher essen, gibt es zunächst eine Standardantwort, die ich persönlich absolut unbefriedigend finde: Weil im 5. Buch Mose steht „Du sollst das Böcklein nicht kochen in der Milch seiner Mutter.“
Es gibt natürlich darüberhinaus verschiedene religiöse Erklärungsansätze, die ich jedoch mangels theologischer Tiefenkenntnisse nicht ausführlich vermitteln kann. Manche Theologen sagen, Gott habe dem jüdischen Volk die Regeln des Kaschrut auferlegt als Zeichen seiner Autorität. Die Regeln seien daher anzunehmen und nicht zu hinterfragen.
Chassidische Theologen wiederrum vertreten die Meinung, dass es eine Verbindung zwischen dem menschlichen Leben auf der Erde und dem Universum gibt und der weltliche Lebensraum in einer interaktiven Verbindung mit dem Göttlichen stehe. Durch Taten können Juden „Funken“ von Heiligkeit auf der Erde freisetzen. Zumal das Essen von Tieren ebenso eine Tat darstelle, die mit der Göttlichkeit interagieren kann, müsse darauf geachtet werden, welche Tiere rituell rein sind und welche nicht.

Neben den philosophischen Theorien gibt es das Argument der Hygiene. Auf den ersten Blick erscheint es sehr logisch. Im mediterranen Klima könnte beispielsweise der Verzehr von schlecht gelagerten Garnelen zu gesundheitlichen Problemen führen. Es ist auch denkbar, dass Schweinefleisch „unrein“ ist, weil es von einem Tier stammt, dass alles frisst, was man ihm vor die Nase setzt und dazu gehört sogar das Fleisch anderer Tiere. Könnte das nicht ungesund sein? Die Lagerung von Schweinefleisch stellte in der Vergangenheit in heißen Ländern ein Problem dar, weil es schneller verdarb. Auch die Vorschrift des Schächtens klingt sinnvoll, gerissene Tiere dürfen beispielsweise nicht zu Essen verarbeitet werden. Allerdings kann die Hygiene nicht alle Regeln bis ins Detail erklären, etliche Tiere müssten demnach unbedenklich sein und trotzdem fallen sie unter die Kategorie der unkoscheren Tiere.

Weltweit leben Juden nach Vorschriften der Kaschrut. Es ist ein Merkmal, dass sie von Menschen anderer Religionen stark unterscheidet. Bei Muslimen und Christen gibt es zwar auch teilweise ähnliche Regeln, aber sie unterscheiden sind bei genauerem Hinsehen dennoch von den Geboten des koscheren Lebens. Eine enge Freundin antwortete mir auf die Frage, warum sie koscher esse, mit einer für mich sehr überzeugenden Erklärung. Sie sagte mir, dass die Einhaltung der Kaschrutregeln die Zugehörigkeit zum Judentum zeigten. Obwohl das Judentum sich nach außen hin sichtbar nicht nur durch seine Essensregeln von anderen Religionen abgrenzt, sondern auch durch die Einhaltung des Shabbat und durch Gebete, ist eine koschere Lebensweise dennoch das wahrscheinlich deutlichste Zeichen der Zugehörigkeit.

 

Wissenswertes

In Israel gibt es McDonalds, aber selbst diese Fastfoodkette ist an fast allen Orten hier koscher. Man bekommt also keine Cheeseburger…

Israelische Restaurants öffnen ihre Küchentür für jedermann, der sich von der „Reinheit“ der Küche selbst überzeugen möchte. Man kann darum bitten, einen Blick in die Küche werfen zu dürfen, um die Verarbeitungsprozesse zu sehen und sich zu vergewissern, dass das servierte Essen tatsächlich koscher ist. Normalerweise ist dies nicht notwendig, wenn das Restaurant ein Zertifikat besitzt, aber streng orthodoxe Juden machen dies bisweilen.

Wenn Juden, denen die Einhaltung der Kaschrutregeln sehr wichtig ist, auf Reisen gehen, erkundigen sie sich entweder vorneweg bereits ausführlich darüber, wo sie koscher Essen gehen können, oder sie bringen Lebensmittel aus Israel mit.

Um auf die Briefmarke vom Anfang zurückzukommen – sie hat natürlich das „koscher“ Zertifikat bekommen, weil die Gummierung auf der Rückseite heute ohne tierische Inhaltsstoffe in Israel produziert wird…


Pessach in Israel

Als Vegetarierin habe ich es in Israel eigentlich leicht, ich muss nicht auf Omelett mit Schinken verzichten, oder auf Schweinebraten, denn das habe ich auch in Deutschland nie angerührt. Meine russische Freundin hingegen leidet hier unter den Besuchen beim Metzger sehr. Sie träumt von Schweinsbratwürsten und verzehrt sich nach einem Stück saftigen Schinken. Darum bittet sie uns auch jedes Mal, wenn mein Mann und ich nach Deutschland reisen, ihr ein Stück Schinken oder eine Stange bayerische Hausmachersalami aus dem Urlaub mitzubringen…

An Pessach gelten noch strengere Kaschrut-Regeln als im restlichen Jahr. Während Pessach darf nämlich überhaupt nichts gegessen oder getrunken werden, was gären oder aufgehen könnte, somit also kein gesäuertes Brot, keine Nudeln und sonstige Teigwaren und auch kein Bier. Diese Lebensmittel sind “chametz” und damit unkoscher für Pessach. Das einzige Brot, das es an Pessach gibt, ist flach wie eine Flunder und ähnelt in Aussehen und Geschmack eher einem Knäckebrot. In den Supermärkten werden während der Pessachzeit in Israel etliche Regalreihen mit Papier- oder Stoffbahnen verhängt, damit die für Pessach unkoscheren Lebensmittel aus dem Blickfeld des Käufers gelangen. Und das sieht dann so aus:

Supermarkt an Pessach

Kosher für Pessach

Das ist das Ergebnis unseres Einkaufs gestern abend im Supermarkt:

Einkauf an Pessach

Wir wollten eigentlich ein bisschen mehr kaufen, aber die Auswahl war leider so begrenzt, dass es bei Grüntee, Thunfisch, Putzmittel, Matzen, Käse und Schokoaufstrich blieb…

Doch warum essen Juden an Pessach keine Teigwaren? Das hängt mit der Geschichte zusammen, die dem Pessachfest zugrunde liegt. Pessach erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, wo sie als Sklaven lebten. Gott befahl dem Pharao, sie gehen zu lassen, was der Pharao jedoch verweigerte. Daraufhin suchten zehn Plagen das Land heim, wovon einzig die Israeliten verschont blieben. Die zehnte Plage, der Tod sämtlicher erstgeborenen Söhne, war besonders schwerwiegend für das ägyptische Volk und so drängten die verängstigten Ägypter die Israeliten, das Land zu verlassen. Damit blieb keine Zeit für die Juden, gesäuertes Brot zu backen und es wurden stattdessen Matzen zubereitet.


Die Augsburger Synagoge

In Augsburg steht mitten in der Innenstadt, unweit der Fußgängerzone, eine Synagoge. Als Kind hörte ich dort den Geiger Igor Oistrakh spielen, sah Klezmer Bands auftreten und Kammerorchester. Diese Synagoge ist die schönste, die ich kenne. Mit Abstand.

Synagoge Augsburg

Ich möchte nicht über die Geschichte der Synagoge schreiben, zumal die „Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben“ eine sehr übersichtliche und einladende Website hat, auf der  die Geschichte der Augsburger Synagoge dokumentiert wird.
Für viele Touristen gehört ein Besuch von Kirchen zu einer Städtereise dazu. Man braucht gar nicht religiös zu sein, um einen Dom zu betreten. Es reicht, dass er sich vor einem in all seiner Pracht erhebt und schon ist man fasziniert. Bei Synagogen ist das etwas anderes. Ihre Türen und Tore stehen in Europa nicht so offen, wie die der Kirchen. In Rom beispielsweise wacht vor der Synagoge ein schwer bewaffneter Soldat, was nicht gerade einladend aussieht. In Berlin sah ich vor 10 Jahren sogar einen Panzer vor einer Synagoge stehen (nun weiß ich aber nicht, ob das damals aus konkretem Anlass war und ob die Schutzmaßnahmen heute noch immer so hoch sind).
Bei der Augsburger Synagoge geht man durch ein Tor in den Innenhof. Das Tor steht normalerweise nicht offen, der Besucher muss also kurz warten, bis ihm geöffnet wird.

Von der Straße aus betrachtet ist die Synagoge so unscheinbar, dass man leicht an ihr vorbei geht. Man sieht die Kuppel kaum von außen, weil der Blick darauf durch die angrenzenden Gebäude teilweise verdeckt wird. In der Halderstraße, in der sich die Synagoge befindet, stehen einige wirklich unansehnliche Bausünden. Touristen gehen deshalb wahrscheinlich einfach an dem Schatz vorbei, der auf ihrem Weg in die Altstadt liegt…

Synagoge Augsburg

Die Augsburger Synagoge finde ich deswegen so einzigartig, weil sie eine wunderschöne Kuppel hat. Sie ist einheitlich mit dunklen Mosaiksteinen in schwarz oder nachtblau (vielleicht auch dunkelgrün, ich kann das aus der Erinnerung nicht so genau sagen) besetzt, durchzogen von einem goldenen Muster, das im Licht schimmert und strahlt. Viele in meiner Familie
schwärmen von den Synagogen in Rom und in Budapest, weil sie so groß und so prunkvoll sind. Ich persönlich finde die Augsburger Synagoge aber tausendmal schöner und eindrucksvoller. Sie ist natürlich deutlich kleiner als die riesige Synagoge in Budapest, aber sie ist in ihrer dunklen Schönheit so atemberaubend wie ein Sternenhimmel in der Nacht.

Kuppel Synagoge Augsburg


Eine kleine Geschichte zu Chanukka

Es ist das Fest der Lichter. Überall auf der Welt wird in jüdischen Gemeinden und Familien heute die erste Kerze angezündet und jeden Tag wird ein weiteres Licht hinzukommen. Acht Tage dauert Chanukka.
Doch was genau wird eigentlich gefeiert?

Einst stand in Yerushalayim ein jüdischer Tempel, der salomonische Tempel. Er wurde 586 vor unserer Zeit zerstört durch einen babylonischen Herrscher mit dem unaussprechbaren Namen Nebukadnezar II. Erst Jahrzehnte später wurde der Tempel wiederaufgebaut.
Nach der Entweihung dieses neuen Tempels durch die Griechen, die einen Zeusaltar darin errichtet hatten, wurde der Tempel im Jahr 164 v.u.Z. neu geweiht und der jüdische Tempeldienst fortgesetzt. In dem Tempel befand sich die Menora, ein Leuchter, dessen Kerzenlichter nicht erlöschen durften. Man erzählt, dass nur noch ein winziger Rest Öl vorhanden war, doch die Lichter brannten dennoch acht ganze Tage lang.
An Chanukka wird darum jeden Tag eine Kerze angezündet. Der neunte Arm der Chanukkia trägt das Feuer für die acht Kerzen, er wird Shamash genannt.

Das ist also der Hintergrund dieses Festes.
Vor ein paar Jahren saß ich an einem Dezemberabend auf dem Münchner Flughafen. Es war Chanukka und ich befand mich auf dem Weg zurück nach Israel. Vor den großen Glassscheiben der Wartehalle rieselte der Schnee und es war fürchterlich kalt draußen. Ich fliege nicht gerne. Die Stimmung am Flughafen bedrückt mich jedesmal. Entweder ich fliege von Israel nach Deutschland, dann nerven mich die ewigen Sicherheitskontrollen, die Fragen und die langen Warteschlangen. Oder ich fliege von Deutschland nach Israel, dann begleitet mich das Gefühl, dass ich gerne noch ein wenig länger im Urlaub dort geblieben wäre. So saß ich also ein wenig betrübt da und wartete auf das Boarding, als ein paar Männer eine Chanukkia hervorholten und Kerzen anzündeten. Sie sangen dabei Lieder und bald sang die halbe Wartehalle…

Chanukka ist ein besonders schönes Fest, weil seine magische Geschichte und das Leuchten der Kerzen diesen verregneten Monat Dezember verzaubern.

Chanukka sameach!