Category Archives: Politisches

Antisemitismus Teil 2

Heute Morgen stolperte ich über folgenden Artikel:

http://boess.welt.de/2013/10/30/herrenmenschenwracks-und-schwimmhallen/

Der Autor Gideon Böss schreibt darin über die Ambivalenz der Rolle Deutschlands bei der Bekämpfung von Antisemitismus. Der Artikel nennt einige sehr interessante Beispiele dafür, dass Deutschland bei weitem nicht die Rolle einnimmt, die es einnehmen sollte und aufgrund seiner Vergangenheit auch müsste, um dem wachsenden Antisemitismus wirklich etwas entgegenzusetzen.

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Antisemitismus

Ein sehr sehenswerter Beitrag ist diese Woche in der Mediathek der ARD zu finden.
Die Dokumentation ist auch aus dem Ausland abrufbar, zudem findet sie sich inzwischen ebenfalls auf Youtube.

Ein Team der ARD hat sich die Mühe gemacht, den Deutschen auf den Zahn zu fühlen und Fragen zum Thema Juden in Deutschland und Antisemitismus zu stellen. Mir sträuben sich die Haare…

Fazit: Nicht verpassen!


Inglorious Basterds

Die Tatsache, dass der monumentale Film „Inglorious Basterds“ auf einer wahren Heldengeschichte beruht, dürfte nur den wenigsten bekannt sein.
Doch es gab sie wirklich, eine kleine Gruppe von Männern, die vor dem Nationalsozialismus in die USA geflohen waren und dort Rache schworen für das, war ihren Familien in der Heimat angetan worden war.

Frederick Mayer, 1921 in Freiburg in Breisgau geboren, emigrierte 1938 mit seiner Familie in die USA. Obwohl der Vater während des Ersten Weltkrieges im deutschen Heer gedient hatte und fest daran glaubte, dass dies der jüdischen Familie Schutz selbst unter der Naziflagge bieten würde, konnte seine Frau ihn noch rechtzeitig davon überzeugen, auszuwandern.
Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor im Dezember 1941 schloss sich Fred Mayer der US Army an. Er wurde ausgebildet zum Scharfschützen, im Nahkampf, in den Methoden des Guerilla Krieges und Operationen zur Infiltration auf Feindesgebiet. Seine deutschen Sprachkenntnisse gereichten ihm zum Vorteil und bald wurde er Mitglied des OSS, Office for Strategic Services, dem damaligen Nachrichtendienst der Vereinigten Staaten von Amerika. Gemeinsam mit anderen jüdischen Flüchtlingen aus Europa war er in einer Einheit, die gewillt war, alles daran zu setzen, um das Naziregime zu besiegen.
Hans Wijnberg war einer von ihnen. Er wurde 1922 in Amsterdam geboren und kam mit seinem Zwillingsbruder 1939 in die USA. Die übrige Familie schaffte die Ausreise nicht mehr. Bevor der Krieg ausbrach, schimpften die Familienmitglieder mit dem Vater „Das ist doch verrückt, zwei Sechzehnjährige ins Land der Cowboys und Indianer zu schicken!“, doch der Vater ließ sich nicht abbringen. Der Abschied sollte für immer sein, denn Hans’ jüngster Bruder und die Eltern verloren ihr Leben. Sie wollten in die Schweiz fliehen, wurden jedoch an der Grenze verraten. Der Vater kam in ein KZ in Polen, die Mutter und der kleine Bruder wurden in Auschwitz vergast.

Von Bari aus führte das OSS die Operation „Greenup“ durch. Drei Männer waren die Hauptakteure: Fred Mayer, Hans Wijnberg und ein österreichischer Deserteur, der ehemalige Wehrmachtsoffizier Franz Weber. Im Dokumentarfilm „The real inglorious bastards“ erzählen Fred Mayer und Hans Wijnberg ihre Geschichte. Die Operation hatte zwei Ziele: Zum einen sollten die Männer den Eisenbahnverkehr über den Brennerpass beobachten, da dieser die Hauptversorgungsader für die deutschen Truppen in Italien war. Der Pass war bereits mehrfach erfolglos bombardiert worden. Zum anderen galt es, herauszufinden, was es mit der Alpenbastion auf sich hatte, einer Nazibastion mitten im Gebirge. Die Alliierten fürchteten, dass fanatische Nazis sich dort verschanzen könnten.
Zum Gelingen der Mission mussten sich Fredy und Hans bei den Nazis in Tirol einschleusen. Sie suchten vor Ort nach einer Kontaktperson, einem Insider, der ihnen dabei helfen würde. In einem Gefangenenlager stießen sie auf Leutnant Franz Weber. Aus Gewissensgründen war dieser desertiert und übergelaufen. Sie vertrauten ihm. Franz war kein Wegseher, er hatte erkannt, was die Nazis machten und lehnte dies komplett ab.

Drei wahre Helden

Drei wahre Helden

Die jungen Männer sollten nachts in der Nähe von Innsbruck mit einem Fallschirm abspringen, jedoch scheiterte dieser Plan daran, dass überall Militär patrouillierte. Da erinnerte sich Fred Mayer an einen kleinen See zwischen zwei Bergen, der im Winter zugefroren war und so flog der Pilot sie unter äußerst widrigen Bedingungen zu dieser Stelle, wo sie in die schwarze Leere hinuntersprangen. Leider fanden sie einen Teil der abgeworfenen Ausrüstung nicht wieder, darunter ihre Skier. So mussten sie den Berg im Tiefschnee herunterwandern. In einem einsamen Bergdorf erhielten sie einen Schlitten und begaben sich auf eine turbulente Talfahrt.
Franz kannte die Gegend und wusste sichere Verstecke. Seine Verlobte Anni spielte dabei eine Schlüsselrolle. Nachdem Franz desertiert war, musste er um jeden Preis unerkannt bleiben und durfte nirgends auffallen. Anni wandte sich an ihre Mutter, der einzigen Vertrauensperson, die ihnen bei der Durchführung ihrer Operation helfen könnte. Die Mutter versteckte Hans Wijnberg bei einem befreundeten Bauern. Von dort funkte Hans die erste Botschaft, dass alles soweit gut gelaufen sei.
Annis Mutter nahm eine unglaublich große Bürde auf sich, als sie den Männern half. Zur damaligen Zeit gaben sich Nazis als Soldaten der Alliierten aus, um in den Dörfern herauszufinden, welche Menschen Hilfe leisteten bei der Kollaboration mit den wahren Alliierten. Das Risiko, aufzufliegen, war enorm hoch. Auch Franz’ Schwestern halfen dem Team bei ihrer Operation. Luisa, eine der drei Schwestern, verhalf Fred zu einer neuen Identität als Nazi Offizier. Luisa arbeitete in einem Lazarett als Krankenschwester und stahl einem verstorbenen Deutschen dessen Uniform. Dadurch konnte Fred öffentlich in Erscheinung treten. Sein Cover flog lange Zeit nicht auf und so konnte er unzählige Informationen an Hans weiterleiten. Franz’ Schwester Eva nahm Notizen von Fred an Hans entgegen und leitete diese sicher weiter.

Fred fand an einem Bahnhof heraus, dass zwei Tage später 26 Züge mit Waffen nach Italien weiterfahren sollten. Er übermittelte diese Information an Bari und die Züge wurden allesamt bombardiert und zerstört.

Kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 fiel Fred der Gestapo in die Hände. Während Franz und Hans die Flucht im letzten Augenblick gelang, wurde. Fred ins Innsbrucker Gestapogefängnis gebracht und dort gefoltert. Dennoch gab er die Identitäten seiner Komplizen nicht preis. Fred wollte Selbstmord begehen und auf eine Zyankalikapsel beißen, aber sie fiel ihm aus dem Mund und so war er der schlimmen Tortur ausgeliefert.
Schließlich trat ein Nazifunktionär in das Geschehen, der den Gefangenen aus dem Gestapogefängnis herausholte und zu einem Treffen mit Franz Hofer mitnahm. Franz Hofer war der NSDAP-Gauleiter von Tirol-Vorarlberg. Hofer, der zum Ende des Krieges das Sagen und die Kontrolle verlor, hatte gehofft, Fred für seine Zwecke nutzen zu können. Fred nutzte die Gelegenheit und bot Hofer einen Handel an: er schlug ihm die Kapitulation vor. Innsbruck solle zur offenen, unverteidigten Stadt erklärt werden. Fred hatte natürlich gar nicht die Autorität, Hofer Immunität anzubieten, aber er tat es dennoch und der Bluff funktionierte. Hofer übergab Innsbruck an die Amerikaner. Dadurch wurde Innsbruck vor der Zerstörung bewahrt.

Fred mayer heute

Fred mayer heute

Fred Mayer lebt heute in West Virginia, USA. Er und Hans waren Zeit ihres Lebens Freunde. Hans Wijnberg starb nach Abschluss der Dreharbeiten zu dem Dokumentarfilm „The real inglorious Bastards“. Franz Weber verstarb bereits einige Jahre zuvor.


Sozialer Wohnungsbau auf Arabisch

Sie wollten schon immer im Grünen leben? Vielleicht mit einem schönen Garten ums Eigenheim herum? Mit viel Platz für die Kinder zum Spielen und einer Sonnenterrasse?

Im Libanon erfüllt sich dieser Traum jetzt für etliche Menschen. Dort verpachtet und verkauft die Hisbollah nämlich aus tiefem Mitgefühl und Nächstenliebe Häuser zu Niedrigstpreisen an arme schiitische Familien. Unter einer Bedingung: in mindestens einem Raum oder im Keller müssen die Familien Raketen platzieren, welche auf Israel zu feuern sind, wenn die Hisbollah es anordnet.

Sobald diese Raketen auf israelische Dörfer und Städte geschossen werden, wird Israel den Abschussort lokalisieren… Wir können dann alle live dabei sein, wenn es in den Nachrichten wieder heißt: „Israel beschießt mittellose Zivilisten“

Sollten Sie unter diesen Voraussetzungen immer noch Interesse haben an dem schönen Haus mit Ausblick in die sanfte Hügellandschaft, dann melden Sie sich noch heute bei der Hisbollah.

Hört sich an wie ein schlechter Scherz, aber es ist die bittere Wahrheit, von der die Welt nichts erfährt, weil internationale Medien darüber nicht berichten.

Quelle: Ynet


Israel wählt!

Am 22.1. finden in Israel die Parlamentswahlen statt. Dazu wurde der Dienstag zum arbeitsfreien Tag erklärt, damit jeder an der Wahl teilnehmen kann. Es muss also niemand in der Mittagspause schnell mit der Stulle in der Hand zur Wahlkabine rennen. Anders als in Deutschland, wo der Wahltag nur ein Sonn- oder Feiertag sein darf, kann in Israel die Wahl nicht an einem Samstag, also dem israelischen Ruhetag, abgehalten werden. Der Grund dafür sind die Religiösen, die am Shabbat keinerlei Tätigkeit verrichten dürfen. Die Extremen unter ihnen knipsen am Samstag nicht mal das Licht an oder aus.

Die Wahlbeteiligung liegt heute in Israel etwa bei 65%. Problematisch ist, dass es Regionen gibt, in denen nur 20-30% der Bevölkerung zum Wählen gehen, während es in anderen Regionen 80-90% sind. Das bedeutet, dass manche Regionen durch die hohe Wahlbeteiligung stärkeren Einfluss auf das Geschehen nehmen, als andere. Leider sind die Regionen mit der hohen Wahlbeteiligung zumeist nicht die Wähler von liberalen Parteien.
Es gibt daher viele Aufrufe, zum Wählen zu gehen, nicht nur aus politischen Kreisen, sondern vor allem auch aus der Mitte der Bevölkerung.

Um die Parteienlandschaft Israels besser verstehen zu können, muss man eine Kleinigkeit beachten: Alles ist hier ein paar Grad konservativer als in Deutschland. Das bedeutet, dass die Parteien, die in Israel links verortet werden, eher der deutschen Mitte entsprechen. Die Parteien, die in Israels Mitte liegen, entsprechen einer konservativen deutschen Partei und die Parteien, die in Israel als konservativ-rechts verortet werden, sind in Deutschland extrem rechte Parteien. Extrem rechts bedeutet in diesem Zusammenhang, dass diese Parteien schlichtweg extrem in ihren konservativen Positionen sind. Was also fehlt, ist eine starke Linke. Es gibt zwar immer mehr kleine Parteien die linksliberal sind, aber sie schaffen es nicht, genügend Stimmen oder gar Mandate zu erringen.
Ultrarechts sieht in Israel so aus, dass die Parteien beispielsweise keinerlei Programmpunkte für Nichtjuden haben, obwohl 20% der israelischen Bevölkerung einer anderen Religion als dem Judentum angehören. Wie gravierend dies ist, wird deutlich an folgendem Beispiel:
In Israel gibt es bis heute keine Zivilehe, sondern nur religiöse Eheschließungen und damit keine Anerkennung von Gleichheit in der Liebe. Natürlich trifft das auch Kinder, die in Israel geboren und aufgewachsen sind. Die israelische Staatsbürgerschaft, das Leisten des Wehrdienstes und das Zahlen von Steuern reichen nicht aus, um hier heiraten zu dürfen…

Nun aber zurück zum Thema „Wahlen in Israel“. Ein interessanter Aufruf zur Wahlbeteiligung wurde am 15. Januar auf Youtube veröffentlicht:
Die Person, die das Video hochgeladen hat, nennt sich „Nishbar Li“, was auf Hebräisch bedeutet „Ich habe genug“. Das Video zeigt einen wütenden jungen Mann der anklagt, dass uns in Israel bald alles um die Ohren fliegt.

Er schimpft, dass sich die Regierung mehr um die Siedlungen kümmert als um andere Orte. Dass die Orthodoxen, die nicht arbeiten gehen und von morgens bis abends die Thora lesen, Unterstützung vom Staat bekommen. „Glaubst du, ich bekomme ein Gehalt vom Staat, weil ich Philosophie studiere?“ fragt er den Zuhörer zornig. Er spricht über die Tycoons, die sich so verhalten, als würde das gesamte Land ihnen gehören. Die Missstände in der Gesellschaft, die vom Raketenalarm traumatisierten Kinder… Am Ende der Aufruf: „Geht Wählen!“

Das Video ist sehr stark politisch links ausgerichtet und aufgrund der professionellen Darstellung wird gemunkelt, dass mehr dahinter steckt als eine Privatperson, die sich einfach mal Luft verschaffen wollte. Der Kernpunkt ist allerdings der Wahlaufruf, der nicht in Verbindung mit einer bestimmten Partei steht. Das ist eine relativ neue Entwicklung in Israel. Zwar gab es auch schon bei den letzten Wahlen zur Knesset 2009 Appelle an die Wähler, ihre Stimme abzugeben, aber diesmal sind die Aufrufe deutlich lauter.

Ein lustiges Video mit derselben Botschaft – „Geht zum Wählen“ – wurde kurz darauf am 17. Januar auf Youtube gestellt. Darin sieht man die israelischen Stars aus der Musik-, Film- und Modelszene, wie sie die Werbeindustrie auf den Arm nehmen. Den Beginn macht Bar Refaeli, das israelische Topmodel, das den Zuschauer in selbstironischer Weise fragt: „Ihr kennt doch bestimmt diese Werbefilme, in denen ein Topmodel mit perfekten Beinen… also mit wirklich perfekten Beinen…euch etwas andrehen will.“ Es geht um die Tricks, mit denen Werbung den Betrachter beeinflusst, sodass dieser oftmals gar nicht mehr das eigentliche Produkt hinterfragt. Die Stars bringen zum Ausdruck, dass jeder Wähler seine persönliche Stimme abgeben muss, bevor andere es für ihn tun.

Die Kampagne, die hinter dem Video steht, hat sich zum Ziel gesetzt, gegen die geringe Wahlbeteiligung anzukämpfen. 2009 lag die Wahlbeteiligung in Tel Aviv gerade mal bei etwa 58% und in Haifa nur bei etwa 57%.
Man darf gespannt sein, ob der verstärkte Aufruf zur Wahl diesmal mehr Leute dazu bewegen wird, zu den Urnen gehen…