Category Archives: Konflikt

Abschied

Dieses Jahr im Frühling glaubte ich noch, dass Israel auch in der Zukunft unser Zuhause sein würde. Doch der Sommer veränderte alles.
Es war der Tag, an dem die Sirenen wieder zu heulen begonnen hatten, knapp zwei Jahre nach Amud Anan. Man muss wissen, dass der Klang der Sirenen sich einem tief ins Gedächtnis hineingräbt. Man geht auf der Straße spazieren und plötzlich hört man entfernt ein Motorrad beschleunigen. Für den Bruchteil einer Sekunde vernimmt man dabei ein Geräusch, das der Tonlage einer Sirene ähnelt, ein Aufheulen.
Man spürt sofort, wie das Herz schneller schlägt und dreht sich um, der panische Blick auf der Suche nach einem schützenden Unterstand. Dann begreift der Kopf, dass es nur ein Motorrad war und man nicht rennen muss. Man denkt sich, dass man sich lächerlich verhalten hat. Wer erschrickt denn bitte vor einem Motorrad?
Posttraumatische Belastungsstörung nennen Psychologen dieses Phänomen.
Mitte Juli 2014 besuchten eine gute Freundin und ich mit unseren Babys das Tel Aviv Museum of Art. Es war der Tag, an dem sie nicht alleine mit ihrem Sohn zu Hause sein wollte. Der Tag, an dessen Ende ein neuer Krieg beginnen würde. Ich fragte sie am Morgen, ob sie Ablenkung bräuchte. Wir verbrachten einen schönen Tag im Museum und vergaßen für einige Stunden die Anspannung. Am Abend jenes Tages traf ich dann, wie nicht anders erwartet, meine Nachbarn im Luftschutzkeller unseres Wohnhauses.
Eltern haben eine schwierige Aufgabe während eines Krieges: Sie müssen Lachen. Lachen wenn die Sirenen heulen, Lachen wenn die verängstigten Kinder im Bunker nach den Blicken ihrer Eltern suchen. Lachen wenn die Familie im Freien spazierengeht, obwohl ihr Herz voller Angst ist, mit den Kindern plötzlich rennen zu müssen.
Ich fackelte nicht lange herum und rief EL AL an. Dann packte ich einen Koffer und wenige Stunden später saß ich mit meinem Sohn im Arm im Flugzeug. Ich war bereit jeden Preis zu bezahlen, um so schnell wie möglich ausreisen zu können.
In Deutschland dauerte es geschlagene zwei Wochen, bis ich nicht mehr auf den nächsten Raketenalarm wartete. Der Flug hatte zwar eine räumliche Distanz zwischen mir und dem Krieg geschaffen, aber in meinem Kopf gab es diesen Abstand nicht. Mein Adrenalinpegel blieb so hoch wie er zuvor in Israel gewesen war.
Eine Woche später kam mein Mann zu uns. Wie liefen im Sonnenschein durch das kleine Dorf in dem meine Eltern wohnen und schwiegen. Dann sagte mein Mann plötzlich, dass wir in Erwägung ziehen sollten, dorthin zu ziehen. Wo grüne Felder bis an den Horizont reichen und Habichte über den Wiesen ihre Kreise ziehen. Wo unser Kind niemals Sirenen hören würde und im Kindergarten nicht lernen müsste, wie man sich im Krieg verhält.

Ich sitze an unserem Esstisch in der Küche, vor dem Fenster steht ein Apfelbaum und draußen liegt Nebel über den roten Ziegeldächern. Das Läuten der Kirchenglocken reisst mich aus meinen Gedanken. Wir leben jetzt in Deutschland.

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Eine Stadt versinkt im Dreck

In Gaza City ist die Kläranlage ausgefallen und da dieser Zustand schon einige Zeit andauert, laufen die Klärbecken über und staut sich die Kloake nun in den Straßen.
In den Nachrichten hört es sich folgendermaßen an:

Bewohner Gazas waten im Abwasser

Der erste Satz des Artikels fängt bereits tendenziös an: „Auch ein Jahr nach dem verheerenden israelischen Angriff auf Gaza…“
Ein Angriff war das nicht, denn zuvor flogen monatelang (!) Raketen aus Gaza auf israelische Orte. Kindergärten und Schulen konnten nicht ihrem normalen Betrieb nachgehen, da die Gefahr für die Kinder zu groß war und die Bevölkerung im Süden Israels verbrachte Nächte und Wochen in Luftschutzbunkern. ABER DANN hat Israel Gaza angegriffen. Schon klar.

Nun sind in Gaza die Straßen voller, pardon, Scheiße, weil… Ja warum eigentlich?
Weil nur unzureichend Strom und kein Diesel mehr geliefert werden.
Und wer ist schuld? In den Nachrichten heißt es, „die Regierung“ und der Leser versteht darunter automatisch „die israelische Regierung“. Wie sonst sollte es auch sein, gibt es doch eine Kontrolle der Wareneinfuhr durch Israel.
Es ist also augenscheinlich und laut internationaler Medienberichte so, dass Israel den Import von Strom und Diesel unterbindet, während die Menschen in Gaza krank werden, weil in ihren Straßen meterhoch Abwässer wabern.
Für die allermeisten Leser reichen zwei Absätze der Zeitungslektüre, um sich ein „konkretes“ Bild von der Lage zu machen und zu verstehen, wer hier der Belzebub ist. Israel liefert keinen Strom und das ist eine humanitäre Katastrophe.
Wer sich bis zum Schluss der einschlägigen Zeitungsartikel durchschlägt, wird – nicht immer, aber manchmal – im allerletzten Nebensatz erfahren, dass die Hamas kein Diesel und keinen Strom importieren will. Dahinter stecken niedrigste politische Beweggründe, die zu erklären sich die Journaille jedoch scheut.
In Gaza regiert, besser: herrscht, die Hamas. Im Westjordanland ist es die Fatah. Bis vor einigen Monaten bestanden Tunnelsysteme zu Ägypten, über die illegal Waren nach Gaza geschmuggelt werden konnten. Die ägyptischen Muslimbrüder und die Hamas waren Verbündete. Doch nach dem Putsch in Ägypten verlor die Hamas ihre Unterstützung durch die Muslimbruderschaft und der Schmuggel versiegte. Jetzt müsste die Hamas auf legalem Wege aus Israel Güter importieren, um ihre Bevölkerung zu versorgen. Auf Benzin erhebt die Palästinensische Autonomiebehörde jedoch Steuern. Da Gaza der Autonomiebehörde unterliegt, müsste die Hamas also Steuern entrichten Die Feindschaft zwischen Hamas und Fatah steht dem ganz groß im Weg. Und so lässt die Hamas lieber die Bevölkerung im Dreck versinken und an Krankheiten sterben, anstatt diese Steuern zu zahlen.

Wer auf die Idee kommt, dass die Hamas vielleicht kein Geld hat, um diese Steuern zu zahlen, dem sei gesagt, dass in Gaza derzeit etwa 600 Millionäre leben. Allen voran scheffelt sich die Hamas selbst die Taschen voll:
Für jedes Auto, das nach Gaza geschmuggelt wurde, erhob die Hamas eine Gebühr von 2000 USD und zudem 25% Steuern, 15 USD für jede Tonne Zement, 8 Cents für eine Packung Zigaretten und 50 Cents für jeden Liter Benzin.


Nichts für schwache Nerven

Wie oft habe ich schon diesen Vergleich gehört: “Gaza ist ein Konzentrationslager unter freiem Himmel”.
Hier zur Erinnerung ein Bild aus Auschwitz.

auschwitz

Eigentlich würde ich gerne jedem, der Gaza mit einem Konzentrationslager vergleicht, eine Reise in die Vergangenheit spendieren. Es gibt so viele Filme, Dokumentationen und Zeitzeugenberichte über dieses dunkle Kapitel und dennoch glaube ich, dass wir die damalige Realität nicht begreifen können. Es ist ungefähr so, wie über den Tod zu reden ohne je Todesangst gehabt zu haben. Oder schlimmer noch, die Ermordung der eigenen Familie miterlebt zu haben. Man kann diese Emotionen nicht kennen, wenn man sie nicht selbst erlebt hat und man muss unendlich dankbar und froh sein, wenn man derartige Gefühle niemals erlebt.

Zurück zu Gaza. Es wird so viel darüber gesprochen und geschrieben, dass jeder auf der Welt diesen Ort zu kennen scheint. Es ist der Ort, an dem die Menschen verhungern müssen, an dem es nur Flüchtlingslager und zerschossene Häuser gibt, das Land eines unterdrückten Volkes ohne Spaß am Leben. Ein Konzentrationslager.
Wie manipulativ die Medien mit diesem Thema umgehen, kann man vermutlich nur herausfinden, wenn man Gaza besucht und sich selbst ein Bild der Lage macht. Ich habe schon einen Teil der Reiseplanung für Sie erledigt und auf Booking.com ein Hotel in Gaza gefunden. Es kostet im Dezember 135 Euro pro Nacht, das ist doch akzeptabel oder? Hier ein Bild vom Pool des Hotels, damit die Entscheidung leichter fällt:

Hotel "Budapest Chalet" in Gaza

Hotel “Budapest Chalet” in Gaza

Und das erwartet Sie in Gaza:

Man kann die Wut dieser Menschen verstehen. Es gibt nicht einmal genügend Pizza-Services. Schlimmer noch: es gibt kein McDonald’s!
Um sich vom Hunger abzulenken, kann man den Gold Bazaar in Gaza City besuchen.

Gold Bazaar Gaza City

Gold Bazaar Gaza City

Oder einen Vergnügungspark. Man hat derzeit 5 verschiedene Freizeitparks zur Auswahl in Gaza.

Vergnügungspark in Gaza

Vergnügungspark in Gaza

In der Shopping Mall finden sich neben Bekleidungs- , Kinderspielzeug- und Schuhläden auch Süßigkeiten in großer Auswahl und natürlich ein Supermarkt, dessen Sortiment dem eines israelischen gleicht. Ich weiß nie, welches Haarshampoo ich kaufen soll und ich kann nur allzu gut nachempfinden, wie sich die palästinensischen Frauen in Gaza fühlen müssen, wenn sie so wie ich vor den Regalreihen mit den vielen Produkten stehen und beinahe verzweifeln.

Natürlich ist nicht alles in Gaza wunderschön. Es gibt Armut und Unterdrückung, so wie in jedem totalitären System. Wie wäre es, dafür zur Abwechslung mal die Hamas verantwortlich zu machen? Die Hamas entscheidet über die Verteilung der öffentlichen Gelder, sie entscheidet über Leben und Tod von Menschen auf der Straße, sie entscheidet über die Politik in Gaza und sie ist korrupt bis auf die Knochen. Aber irgendwie kommt das in den internationalen Medien nicht deutlich genug rüber.


Der Garten der Menschenrechte

Unter der Woche gehen wir abends zum Laufen in einen nahegelegenen Park. Um 21 Uhr, wenn es nur noch 27 Grad hat und die Hitze nicht mehr lähmt, lassen wir dort unsere Arbeitstage sportlich ausklingen. Ich empfinde den Park als einen großen Garten, mit Palmen, einem kleinen See und wunderschönen Blumenbeeten. Er ist bis spät nachts voller Menschen. Manchmal tummeln sich sogar so viele auf den Wegen der Parkanlage, dass wir Slalom laufen müssen, um nicht über all die Kinder zu stolpern, die auf Fahrrädern, Inlineskates und Dreirädern herumsausen. Auf den Wiesen verteilt feiern unzählige Familien Kindergeburtstage oder grillen mit Freunden nach Feierabend. Ehepaare sitzen auf den Bänken und unterhalten sich im Mondschein bei lautem Entengequake im Hintergrund. Im Vorbeilaufen höre ich Wortfetzen in Russisch, Arabisch, Hebräisch, Äthiopisch, Philippinisch und Amerikanisch. Es ist ein Ort, an dem die Menschen unterschiedlicher nicht sein könnten: Muslimische Frauen mit Kopftuch spazieren genauso an der Uferpromenade des Sees entlang, wie orthodoxe Juden. Äthiopier nutzen den Park für Hochzeitsfotos, Sportler kommen zum Trainieren.
 

Abends im Park in Ramat Gan

Abends im Park in Ramat Gan


 

Doch dieser Park ist keine Oase, in der etwas Ungewöhnliches passiert. Es ist ein ganz normaler Ort in Israel, an dem der ganz normale Alltag stattfindet: Die Menschen leben friedlich nebeneiner und miteinander, ganz egal welcher Religion sie angehören, aus welchem Land sie ursprünglich kommen und welche Sprache sie sprechen.
Der „Garten der Menschenrechte“ – das ist kein kleiner Park irgendwo in Ramat Gan. Es ist dieses Land im Nahen Osten, Israel.

Nur hier findet man eine lebhafte Demokratie und können Menschen ihre politische Gesinnung öffentlich zum Ausdruck bringen, ganz gleich in welche Richtung sie geht. Nur hier gibt es ein Rechtssystem, das die Menschen untereinander gleichstellt. Egal ob sie Mann oder Frau sind, homosexuell oder heterosexuell, ob sie an Gott glauben oder nicht, an welchen Gott sie glauben und woher sie stammen. Dennoch wird Israel oftmals als menschenfressendes Monster dargestellt, während in den Nachbarländern, von den Medien weitgehend ignoriert, die Hölle tobt. Hölle – das sind nicht nur Bürgerkriege und gewaltsame Umwälzungen in den Gesellschaften, sondern auch der Alltag vieler Frauen, die kein selbstbestimmtes Leben führen dürfen, Mädchen, die extrem jung an alte Männer verheiratet werden, Scharia, Sklaverei.

Nun gibt es wieder Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern und die Welt schaut mit großen Erwartungen auf dieses Zusammentreffen. Die Palästinenser stellten als Vorbedingung für Verhandlungen, Israel solle Terroristen freilassen. Ich gehe davon aus, dass die Welt es begrüßt hat, als Israel sich darauf einließ. Würde an Deutschland eine derartige Forderung gerichtet, man könnte den Aufschrei der Bevölkerung bis zum Mars hören. Natürlich würde die Bundesrepublik keinen einzigen Straftäter auf freien Fuß setzen und sich nicht erpressen lassen. Israel wird nun aber tatsächlich Schwerverbrecher freilassen. Als Antwort auf den Beginn der Verhandlungen flog aus Gaza bereits eine Rakete nach Israel. Klingt doch alles sehr vielversprechend und friedlich, nicht wahr?
Ich bin ein Befürworter der Zweistaatenlösung, aber ich halte sie für eine Utopie. Israel hat etliche Schritte in Richtung der Palästinenser getan, hat deren unverschämte Forderungen immer wieder erfüllt, um an den Verhandlungstisch zurückkehren zu können und hat niemals vergleichbar krasse Forderungen an die palästinensische Seite gestellt. Das Problem für den Frieden sind die Phantasien der Palästinenser, das gesamte Gebiet des heutigen Israels zu erobern. Ich frage mich dabei immer, wozu sie das Land überhaupt wollen. Dieser Paradiesgarten hier ist ja nur deshalb so schön, weil die israelische Bevölkerung in Frieden lebt und das Land kultiviert, Hightech hervorbringt, Kindergärten und Schulen geschaffen hat, weil alle Menschen vor dem Gesetz gleichgestellt sind und weil das Land von Grund auf demokratisch ist. In dem Moment, in dem die Palästinenser ihren eigenen Staat haben, wird dort Sodom und Gomorra ausbrechen, so wie in jedem anderen arabischen Staat, der nicht vom Ölreichtum profitiert. Würde Israel von der Landkarte verschwinden, dann gäbe es hier denselben Nahostkonflikt, eben nur zwischen arabischen Parteien. Wir sehen das ja in Syrien, Ägypten, Libyen… „Arabischer Frühling“ wurden die Umwälzungen dieser Gesellschaften anfangs genannt. Wer diese idiotische Bezeichnung dafür erfunden hat, möchte ich gerne wissen.
 

Am Strand von Tel Aviv - muslimische Frauen mit Hijab beim Baden

Am Strand von Tel Aviv – muslimische Frauen mit Hijab beim Baden


 
Sehr oft höre ich von Israelkritikern den Satz „Der UN-Menschenrechtsrat sagt, dass..“, was wohl als Untermauerung einer Argumentation gegen Israel dienen soll. Wenn selbst der Menschenrechtsrat sagt, dass Israels Operationen in Gaza falsch sind, ja dann können sie ja nur falsch sein! Irgendwie scheint es niemanden zu stören oder auch nur aufzufallen, dass im UN-Menschenrechtsrat Länder wie Saudi Arabien vertreten sind. Saudi Arabien! Dieses Land saß von 2009 bis 2012 im Menschenrechtsrat. Das ist ungefähr so, wie einen Pädophilen im Kindergarten arbeiten zu lassen. Wer sich die Liste der Mitgliedsländer beim UN-Menschenrechtsrat einmal anschaut, wird anschließend die Qualität der dort getroffenen Entscheidungen hoffentlich in Frage stellen.

In Europa freut man sich indes, dass die Palästinenser und die Israelis an einen Tisch zurückgefunden haben. Zum Glück hat Israel sich zum Auftakt bereit erklärt, Terroristen freizulassen, als Zeichen des guten Willens. Jetzt kann der Frieden also kommen.

 
Photos by Saskia


Sozialer Wohnungsbau auf Arabisch

Sie wollten schon immer im Grünen leben? Vielleicht mit einem schönen Garten ums Eigenheim herum? Mit viel Platz für die Kinder zum Spielen und einer Sonnenterrasse?

Im Libanon erfüllt sich dieser Traum jetzt für etliche Menschen. Dort verpachtet und verkauft die Hisbollah nämlich aus tiefem Mitgefühl und Nächstenliebe Häuser zu Niedrigstpreisen an arme schiitische Familien. Unter einer Bedingung: in mindestens einem Raum oder im Keller müssen die Familien Raketen platzieren, welche auf Israel zu feuern sind, wenn die Hisbollah es anordnet.

Sobald diese Raketen auf israelische Dörfer und Städte geschossen werden, wird Israel den Abschussort lokalisieren… Wir können dann alle live dabei sein, wenn es in den Nachrichten wieder heißt: „Israel beschießt mittellose Zivilisten“

Sollten Sie unter diesen Voraussetzungen immer noch Interesse haben an dem schönen Haus mit Ausblick in die sanfte Hügellandschaft, dann melden Sie sich noch heute bei der Hisbollah.

Hört sich an wie ein schlechter Scherz, aber es ist die bittere Wahrheit, von der die Welt nichts erfährt, weil internationale Medien darüber nicht berichten.

Quelle: Ynet