Category Archives: Alltagsabenteuer

Das allergrößte Glück der Welt

Seit einer gefühlten Ewigkeit habe ich hier nichts mehr geschrieben und keine Bilder mehr geteilt. Der Grund dafür liegt neben mir im Kinderbettchen und schläft. Wir sind Eltern geworden, im März kam unser Sohn zur Welt und seitdem habe ich nur noch Augen für ihn. Er ist unser allergrößtes Glück und ich vermisse ihn schon nach einer Sekunde, wenn ich nicht neben ihm bin oder ihn in den Armen halte. Darunter wird mein Blog vorerst weiterhin leiden…
Jetzt erst kann ich wirklich verstehen was es bedeutet, Mama zu sein. Und das möchte ich mit jedem Atemzug genießen.

Pfoten

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Jetzt aber mal Butter bei die Fische

Ich finde bei jedem Blick auf meine Blogstatistiken interessante Suchanfragen, die Besucher zu meiner Seite geführt haben. Neben Stichwörtern fische ich zum Teil ganze Sätze aus dem Ordner mit den Suchbegriffen. Das hat mich dazu inspiriert, einige dieser Fragen zu beantworten.

  • „Wie umstrickt man einen Baum?“
    Das hab ich mich auch schon oft gefragt. Und vor allem: wann ist die beste Uhrzeit? Ich persönlich glaube ja, diese Aktionen finden mitten in der Nacht statt, damit sich die Einwohner am nächsten Morgen über ein Kunstwerk wie es hier zu sehen ist ordentlich freuen.
  • „Wie geht es dir auf Hebräisch“
    Genauso gut wie auf Deutsch, danke der Nachfrage.
    Auf Hebräisch gibt es viele Möglichkeiten, um sich nach dem Wohlbefinden seiner Mitmenschen zu erkundigen. Man kann „Ma kore?“ fragen, was wörtlich übersetzt bedeutet „Was ist los? Was passiert?“, womit aber gemeint ist „Wie geht’s?“. Genauso kann man fragen „Ma ha-inyanim?“ (sprich „Main janim“) und „Ma nishma?“ All diese Ausdrücke werden unabhängig vom Geschlecht der angesprochenen Person benutzt.
    Anders ist es bei „Ma shlomcha?“ und „Ma shlomech?“. Die erste Frage ist nur an Männer, die zweite nur an Frauen zu richten. Eine kleine Einführung in die Hebräische Sprache gibt es hier.
  • „trinke eine cappucino im ein napoletanien café“
    Na wenn da mal jemand nicht Kaffee mit Schuss hatte…. Wer schreibt denn so eine Suchanfrage? Und wozu? Und warum führt sie zu meinem Blog?
  • „Wie kommt mein Mann aus dem Libanon nach Deutschland?“
    Auch das hat wenig mit meinem Blog zu tun…
    Falls es keine Einreisebeschränkungen gibt, kann Ihr Mann vermutlich problemlos mit dem Flugzeug oder auf dem Landweg nach Deutschland einreisen. Sie müssen aber sehr wahrscheinlich durch eine langwierige und bürokratische Visumsprozedur und eine Kaution hinterlegen. Aber wer hat behauptet, dass Liebe immer einfach ist?
  • „Verliebt in einen israelischen Mann“
    Ja, das bin ich auch. Super, dass die Suchmaschinen deswegen gleich bei jeder Anfrage zu diesem Thema auf meinen Blog verweisen.
  • Eine meiner Lieblingsfragen: „Darf man Schinken nach Israel mit der Post schicken?“
    Ich kenne ein paar Leute, die solche Postpakete hier in Empfang nehmen. Allerdings wird gemunkelt, dass die Herren vom Zollamt so hungrig nach frischem Schinken aus dem Ausland sind, dass sie ab und zu eine Ecke abbeißen.
    Vorsicht! Anders herum ist es sehr schwierig, Lebensmittel aus tierischen Produkten nach Deutschland zu schicken. Die Pakete werden mit ziemlicher Gründlichkeit inspiziert und können oftmals nicht in die Paketzustellung durchgewunken werden.
  • „Was fragt man bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen nach Israel?“
    Am besten Sie fragen gar nichts und antworten nur kurz auf die monotonen Fragen der Sicherheitsleute. Vor einigen Jahren hatte ich noch einen alten Reisepass mit dem Stempel eines arabischen Landes. Mein Flug nach Israel war kurzfristig gebucht und mir blieb nicht genügend Zeit, um einen neuen Reisepass zu beantragen. Also ging ich mit einem mulmigen Gefühl zum Fiumicino Flughafen bei Rom (damals lebte ich noch in Italien) und stellte mich nett lächelnd vor das Bodenpersonal von EL AL. Die Sicherheitskontrollen finden vor dem Einchecken statt. Ich machte mich auf eine lange Befragung gefasst und siehe da, nur zwei Stunden später konnte ich als letzte Einchecken und gleich auch zum Boarding weiterrennen. Für all diejenigen, die jetzt denken, „wäre sie halt früher zum Flughafen gekommen, wenn sie schon einen arabischen Stempel im Pass hat!“ denen sei gesagt, dass ich die Erste war, die in der Schlange zu den Sicherheitskontrollen stand und dass ich eine Stunde, bevor die Schalter geöffnet wurden, bereits vor Ort war.
    Der Aufwand, den Israel betreibt, um die Sicherheit während des Fluges und auch im Landesinneren zu gewährleisten, ist aus gutem Grund sehr hoch.
    Was wird gefragt? Alles. Ich wurde zum Beispiel mal auf ein Buch angesprochen, das ich unter den Arm geklemmt hatte. Es war ein Fotografieband, dessen Umschlag das Portrait eines Mannes in den 1950er Jahren irgendwo in den USA zeigte. Man wollte von mir wissen, wie dieser Mann hieß. Da ich seinen Namen natürlich nicht kannte, wurde der Bildband aufgeschlagen, darin herumgeblättert und verschiedene Fotografien lange betrachtet. Dann bat man mich, zu erklären, wer die Menschen auf den jeweiligen Bildern sind. Wer mit der Genrebezeichnung „Straßenfotografie“ etwas anfangen kann, der wird verstehen, dass die abgebildeten Menschen in solchen Bildbändern keine Berühmtheiten mit Wiedererkennungswert sind, sondern Personen wie Du und ich.
    Klemmen Sie sich also besser keinen Bildband unter den Arm oder wenn Sie unbedingt meinen, dann den von Monet, wo man nur die Unterschiede zwischen Seerosenteich in der Morgensonne und Seerosenteich im Abendrot erklären muss….
  • Die Suche nach „Pessach Käse“ führte ebenfalls zu meinem Blog.
    Was bitte schön ist Pessach Käse?! An Pessach darf jedenfalls Käse gegessen werden.
  • „Gibt es in Israel Milch zu kaufen?“
    Welche meinen Sie? Die mit 1,5% Fett, die mit 3%, 4% oder 7,5%? Oder lactosefrei? Sojamilch?? Verpackt in der Glasflasche, im Tetrapack oder in der Tüte?
  • „Schwarzbrot in Israel“
    Die Bäckereien hier bieten jede nur erdenkliche Brotsorte an, Pumpernickel und sonstige dunkle Brotsorten mit eingeschlossen.
    Als eine Freundin von mir ein Erasmusjahr in Frankreich verbrachte, litt sie unglaublich unter dem Nichtvorhandensein von dunklem Brot und Brezeln. Wäre sie doch nur nach Israel gegangen anstatt zu den Franzosen….
  • „Was denken Israelis über Deutschland?“
    Sehr viel Positives. Auch zu meiner Überraschung. Hier mehr dazu.
  • „Garnelen koscher“
    Garnelen gehören zu dem Getier, das nicht koscher ist. Aus dem Meeresraum dürfen nur Lebewesen mit Schuppen und Flossen gegessen werden. Also sind auch Tintenfische, Haie, Delphine, Wale, Krabben und Muscheln nach den Kaschrutregeln verboten.
  • Auch folgende Frage zum Thema „Koscheres Essen“ fand ich interessant:
    „Sind Eier und Milch zusammen unkoscher?“
    Nein, Eier sind ein „neutrales“ Lebensmittel, das sowohl mit fleischigen als auch milchigen Produkten gemischt werden darf. Nur wenn Sie zu den Eiern und der Milch noch Salami zugeben, wird es kritisch…
  • „Synagoge Augsburg“
    Sie zählt zu den schönsten, die ich kenne. Ich besuche sie regelmäßig, wenn mein Mann und ich in Deutschland sind.
  • „Autofahren in Israel“
    Ist nicht so schlimm wie in Südeuropa. Auch wenn einen der Straßenverkehr hier manchmal in den Wahnsinn treiben kann. Die Israelis haben ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis. Jeder schlimme Verkehrsunfall der sich in Israel ereignet, landet in den Medien und führt zu Aufregung und Empörung. Dadurch entsteht der subjektive Eindruck, dass die Sicherheit im Straßenverkehr hier gering ist, aber verglichen mit internationalen Statistiken steht Israel überraschenderweise besser als alle südeuropäischen Länder da und sogar besser auch als Finnland oder Japan, wenn man die tödlichen Unfälle pro 1000 Einwohner als Maßstab heranzieht.
  • Eine schockierende Frage:
    „Gab es überhaupt Treblinka?“
    Derartige Fragen berühren mich sehr. Wann immer Menschen die Shoah in Frage stellen, ihre Dimensionen verniedlichen oder nichts darüber wissen, fühle ich einen dumpfen Schlag in die Magengrube. Wie kann man ein derartiges Verbrechen vergessen oder negieren? Wie kann man es in Frage stellen?
    Ist das Schulsystem verantwortlich für solche Bildungslücken? Oder kommt diese Frage aus Kreisen, in denen das Deutsche Reich und seine Taten verherrlicht und relativiert werden?
    Wer immer diese Frage gestellt hat, der soll doch bitte den Bildband „Der gelbe Stern“ erwerben, herausgegeben von Gerhard Schoenberner und zum Beispiel gebraucht erhältlich auf der Seite des zentralen Verzeichnises antiquarischer Bücher, kurz ZVAB.
    Ich fand es als Kind im Bücherregal meines Vaters. Alpträume waren die Folge. Trotzdem war es einer der wichtigsten Funde, den ich gemacht habe. Bis heute ist dieses Buch ein Begleiter und auch meinen Kindern werde ich diese Bilder nicht ersparen.
  • „Wie sahen die Frauen 1950 in Ägypten aus?“
    Genauso wie die Frauen der 1950er Jahre in Europa. Leider hat sich das sehr geändert
  • „Sorek Höhle“
    Ein Ort unfassbarer Schönheit. Die Höhle bei Beit Shemesh gehört zu meinen absoluten Empfehlungen für Israelreisende. Sie ist auch mit Kleinkindern bestens begehbar und verzaubert garantiert jeden Besucher.
  • „Warum ist Knäckebrot an Pessach wichtig?“
    Meinten Sie vielleicht Matzot? Das sind wie Knäckebrot aussehende Scheiben, die anstelle von Brot an Pessach gegessen werden, da Brot in dieser Zeit als nicht koscher gilt.

Über Fragen rund ums Thema “Leben in Israel” freue ich mich jederzeit. Ich beantworte auch gerne Emails (bitte an travelganeden@gmail.com schreiben), sofern ich darin nicht gebeten werde, Stellung zum Konflikt zu nehmen (die Begründung findet sich hier).


Der israelische Strassenverkehr – oder: warum ich heute Abend ein Jagdgewehr brauche

Im Ausland haben die Israelis den Ruf, sehr verrückt Auto zu fahren. Nachdem ich den Straßenverkehr auf Sizilien gut kenne, möchte ich nicht unbedingt behaupten, dass der Verkehr in Israel mörderisch ist. Der Verkehr in Palermo ist ein ganz anderes Kaliber. Wer es in dieser Stadt schafft, das hohe Alter zu erreichen, in dem man einen Gehstock braucht, der kann sich vermutlich glücklich schätzen. Dennoch, die Israelis und ihr Fahrstil machen mich manchmal wahnsinnig!

Heute Abend auf dem Nachhauseweg von der Arbeit hätte mich um ein Haar ein Motorradfahrer umgebracht. Ich unterstelle ihm Eventualvorsatz, denn er fuhr mit 100km/h auf dem Gehsteig. Ganz richtig, auf dem Gehsteig. Ich war gerade dabei, einen Schritt aus einer Seitengasse auf eben diesen Gehweg zu setzen, als der Motorradfahrer an mir vorbeiraste. Mir blieb das Herz stehen und kurz darauf bekam ich beinahe einen Tobsuchtsanfall. Natürlich war er viel zu schnell, als dass ich sein Kennzeichen hätte erkennen können.
Während sich auf der Straße der Feierabendverkehr staute, fuhr der Motorradfahrer bis zur Kreuzung auf dem Gehweg und schnitt dann dem ersten Auto in der Schlange elegant den Weg ab, als er wieder auf die Straße wechselte.
Ich hätte kotzen können.

Vor einiger Zeit wurde ein Kollege meines Mannes schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Er war damals gerade Vater geworden. Die Ärzte machten seiner Frau nicht viel Hoffnung. Er war an dem Tag mit dem Moped auf dem Ayalon Highway unterwegs in die Arbeit gewesen. Morgens sind die Menschen vom Berufsverkehr besonders genervt und gestresst. Ein Autofahrer hatte eine falsche Ausfahrt vom Highway nach Tel Aviv genommen und fuhr die Ausfahrt eiskalt im Rückwärtsgang wieder herunter. Als ob das nicht schlimm genug wäre, schaute der Fahrer obendrein nicht einmal in den Rückspiegel, um zu sehen, wer hinter ihm war. Er überrollte mit hoher Geschwindigkeit den jungen Familienvater. Und das alles nur, um wieder zurück auf den Highway zu kommen und eine Ausfahrt später ins Stadtzentrum abzubiegen. Zum großen Glück überlebte das Opfer.

In Israel wird unglaublich viel gehupt. Bisweilen finden Touristen das recht lustig, weil man es vor allem in Deutschland nicht gewohnt ist, dass so viel und so lange auf die Hupe gedrückt wird. Wer hier wohnt, findet es weniger lustig, besonders wenn man diesen Lärmpegel am Wochenende bereits früh morgens bei geschlossenem Fenster hat. Man möchte diese Leute einfach erschlagen.

Shimon Peres sagte in einer Rede über die Israelis einmal, dass es unendlich nervtötend sei, wenn sie hupen und sich beim Autofahren aufführen wie die Geisteskranken. Doch dürfe man nicht vergessen, dass eben genau dieser Autofahrer, der einen anhupt und aggressiv fährt, genau derselbe Israeli ist, der für das Land Wehrdienst leistet und im Notfall alles tun würde, um einen zu retten und zu helfen. Es ist sehr viel Wahres an dieser Aussage. Die Haltung der Menschen beim Autofahren hat nichts mit deren Mentalität zu tun. Sie sind tatsächlich unglaublich hilfsbereit und eilen sofort zur Stelle, wenn ein Unfall passiert ist oder sonst Hilfe benötigt wird.
Ich erlebte diesen Sommer in Tel Aviv einen Verkehrsunfall bei dem ein sehr junger Mopedfahrer mit einem Auto zusammenpralle. Der Autofahrer stand unter Schock und war kaum ansprechbar. Sofort liefen unzählige Menschen zur Unfallstelle, nicht jedoch um zu gaffen, wie die Deutschen es leider wahnsinnig gerne tun, sondern um zu helfen. Mein Mann und ich rannten auch dorthin, mein Mann ist ausgebildeter Sanitäter und wollte helfen. Um den verletzten Mopedfahrer standen jedoch bereits mehr als 10 Männer, die alle sagten, dass sie Sanitäter sind und begannen, erste Hilfe zu leisten. Wir sahen, dass wir überflüssig waren und entfernten uns wieder.
In Deutschland habe ich zwar glücklicherweise nie einen Verkehrsunfall miterlebt, jedoch erinnere ich mich bis heute sehr lebhaft an eine skurrile Situation. Ein Mann war in Augsburg mit seinem Rollstuhl nach hinten gekippt, als er auf dem Kopfsteinpflaster über eine Unebenheit fahren wollte. Ich lief sofort zu ihm hin und wollte den Rollstuhl mit dem Mann wieder aufrichten, aber er war viel zu schwer und ich schaffte es einfach nicht alleine. Wir befanden uns mitten in der Fußgängerzone und um uns herum schauten alle Leute neugierig zu. Niemand bot Hilfe an, keiner kam dazu. Ich wurde so wütend, dass ich einen Mann anbrüllte, er solle mir gefälligst helfen, was er dann auch tat, nachdem er den ersten Schrecken verdaut hatte, dass ausgerechnet er nun aus der Meute der Schaulustigen hervortreten sollte.
Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass es in Israel niemals zu einer derartigen Situation gekommen wäre, weil jeder sich verantwortlich fühlt.
Das mag an dem Konflikt liegen, der dazu führt, dass Menschen sich stets gegenseitig in Notsituationen helfen.

Im Großen und Ganzen empfinde ich den Straßenverkehr hier nicht als Hölle, besonders wenn man als Vergleich französische und süditalienische oder griechische Städte heranzieht.
Nur heute Abend, da bin ich sehr wütend auf diesen Motorradfahrer, der um ein Haar mein Leben vielleicht zerstört hätte. Wenn ich ihn nochmal sehe, dann gnade ihm Gott.


Eine Ameisenarmee kämpft um Erdbeereis

In meiner Kindheit schaute ich gerne Peter Lustig’s „Löwenzahn“. Eine der Folgen befasste sich mit Ameisen. Ich war damals total begeistert von der Idee, die Peter Lustig kam, als er eine Ameisenstraße mitten in seinem Bauwagenhaus entdeckte: Er baute den Ameisen aus Elementen einer Spielzeugeisenbahn eine kleine Stadt und ließ sie einfach weiter durchs Wohnzimmer krabbeln.

Heute wurde ich an diese Folge erinnert. Es ist inzwischen Hochsommer in Israel und die Temperaturen sind dauerhaft schweißtreibend, ganz egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Dieses Wetter hat natürlich nicht nur Auswirkungen auf den Eiskonsum der Menschen hier, sondern auch auf die kleinen Untermieter, die man eigentlich lieber nicht in der Wohnung sehen will.
Als ich gerade neu nach Israel gezogen war und mein Mann kurz darauf für einen knappen Monat Reservedienst leisten musste, übernachtete ich in dieser Zeit bei einer der Tanten, weil ich nicht alleine sein wollte. Man muss wissen, dass die Tanten allesamt einen Putzfimmel haben und ihre Wohnungen bestimmt dreimal die Woche sauber machen. Ich saß am Esstisch in der Küche und auf einmal kroch unter der Anrichte eine große Schabe hervor. In Deutschland sind Küchenschaben ein Zeichen für mangelnde Hygiene, ich hatte noch nie eine im Haus gesehen. Ich schaute die Tante erschrocken an und fragte mich insgeheim, wie das wohl zusammen passt – der Putzfimmel einerseits und diese dicke Schabe andererseits.
Innerhalb kürzester Zeit fand ich jedoch heraus, dass Küchenschaben im Nahen Osten aufgrund des dauerhaft warmen Wetters einfach überall anzutreffen sind und es nichts damit zu tun hat, wie oft jemand zum Putzlappen greift. Ich habe diese Mistviecher bereits einige Male dabei ertappt, wie sie sich verbotenerweise meiner Küche nähern wollten und ich kann nur sagen, dass es kein Happy End für sie gab…

Gedankenverloren riss ich heute Nachmittag die Verpackung einer Erdbeereiscreme auf und legte sie auf die Arbeitsplatte in der Küche. Dann ging ich ins Wohnzimmer, um mein Eis zu genießen. Als ich zurück in die Küche kam, überraschte mich eine ganze Kolonie von Ameisen, die überall auf dem Küchenboden und auf der Arbeitsplatte herumwuselten und sich über die Folie der Eiscreme hermachten. Eigentlich schaue ich Insekten gerne zu, wenn ich sie in der Natur sehe. Mein Mann kann ein Lied davon singen, weil ich nämlich jedesmal stehenbleibe, sobald ein großer schillernder Käfer meinen Weg kreuzt. Diese Ameisenkolonie ruinierte jedoch völlig meine durch das Erdbeereis erlangte Harmonie. Mein Mann hörte das auch sofort und stand eine Sekunde später in der Küchentür. Gemeinsam nahmen wir den Kampf gegen die Ameisen auf, die sich in absoluter Überzahl befanden. Wie hat Peter Lustig es geschafft, so entspannt auf die Ameisen in seinem Bauwagen zu reagieren? Ich werde mich jetzt mal informieren, ob Küchenschaben vielleicht Ameisen fressen. Wenn ja, könnten wir doch noch Freunde werden. Um eine Schabenplage mache ich mir keine Sorgen. Ich weiß nämlich, dass Katzen wiederrum Küchenschaben mögen…


My heart will go on

In der Metzgerei, in der ich immer Fleisch für meinen Mann einkaufe, spielt im Hintergrund eine total unpassende Musik. Eigentlich war mir das schon viel früher einmal aufgefallen, aber ich habe nicht so wirklich darauf geachtet. Als ich am Donnerstag Hähnchenschenkel kaufte und der Metzger sie mit einem riesigen Fleischermesser zerteilte, schallte im Hintergrund „My heart will go on“ von Celine Dion.
Würde in dieser Metzgerei im Hintergrund klassische Musik laufen, man käme sich direkt vor wie in einem OP-Saal der Neurochirurgie. Heavy Metal würde zu den Männern in dieser Metzgerei schon viel besser passen, aber ich vermute ja, dass eine Marktstrategie hinter der musikalischen Untermalung steckt. Heavy Metal käme besonders bei der weiblichen Kundschaft weniger gut an, auch wenn sie für mein vegetarisches Empfinden der Situation irgendwie angemessen wäre.
Der Inhaber der Metzgerei wird sich also gedacht haben: „Die Playlist soll beruhigend auf unsere Kunden einwirken und den Fleischkauf mit Romantik verknüpfen.“
Deshalb höre ich jedesmal Whitney Houston’s „I will always love you“ oder Richard Marx’ „Wherever you go“, ganz egal zu welcher Tageszeit ich diese Metzgerei betrete.