Auszeit

En Kerem ist ein kleiner Ort nahe Jerusalem. Die kleine Ortschaft ist sehr alt und wunderschön in den Berghängen gelegen. Olivenhaine schmücken die Landschaft und eine angenehme Stille liegt über allem. Vermutlich landet man nicht zufällig dort, man muss schon das Ziel haben, dorthin zu gelangen, damit man die kleine Oase der Ruhe auch erreicht. Wer gerne Essen geht, findet hier hervorragende Restaurants. Die Touristen, die nach En Kerem kommen, interessieren sich allerdings meist weniger für die gute Küche als für eine besondere Kirche, die an der Stelle steht, wo sich einst das Geburtshaus Johannes des Täufers befand.
Ich besuchte den Ort im Hochsommer. Es war eigentlich viel zu heiß um herumzuspazieren, daher begann ich mit dem Restaurant und verschob meine Wanderung auf den späten Nachmittag.
Ich wählte ein orientalisches Restaurant, das typisch nahöstliche Küche serviert: Tahina, Humus, Mezze, alles was das Herz begehrt…
Alternativ hätte ich auch zu einem sehr einladenden Italiener gehen können oder zu einem Griechen, aber ich persönlich ziehe ja die orientalische Küche vor.
 
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Nach dem Essen machte ich einen Spaziergang durch die Olivenhaine. Es war traumhaft schön, Grillen zirpten im Hintergrund und die Sonne schien zwischen den Bäumen hindurch auf die uralten Steine.
 
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Jahrhunderte alter Olivenbaum in En Kerem

Jahrhunderte alter Olivenbaum in En Kerem

 
Dann pilgerte ich zur Besuchskirche, jener besonderen Kirche, die an die Wurzeln Johannes des Täufers erinnert. Die Kirche wird von Franziskanern geführt. Ich erinnere mich an ein lustiges Ereignis im Inneren der Kirche. Ein Israeli stand mit Hut vor dem Altar und blickte auf ein riesiges Gemälde, als ein Mönch an ihm vorbeischlich und ihn ermahnte, unbedingt den Hut abzunehmen. Als der Mönch weg war, lachte mich der Mann an und meinte “Tja, in der Synagoge sagen sie einem, man muss unbedingt den Kopf bedecken und jetzt mach ich das hier auch und werde aufgefordert, umgehend meinen Hut abzunehmen… Ist doch komisch oder?”
Ich musste unweigerlich an einen Satz von Gandhi denken: “Gott hat keine Religion”.
 

Besuchskirche

Besuchskirche


 
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Im Inneren der Besuchskirche

Im Inneren der Besuchskirche


 
Wandgemälde hinter dem Altar

Wandgemälde hinter dem Altar


 
Die Anlage um die Kirche herum ist sehr malerisch. Überall blühen Blumen und ein Säulengang empfängt die Besucher mit einem schönen Licht-Schatten-Spiel.
 
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Als ich am Abend den Ort wieder verließ, hatte ich das Gefühl, ein kleines Idyll gefunden zu haben, so nah an Jerusalem, dass man leicht einen Abstecher von dort aus nach En Kerem machen kann. Die perfekte Auszeit vom Alltag.
 
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All photos by Saskia


10 responses to “Auszeit

  • heplev

    Ich war 2004 mit einer Reisegruppe dort. Leider fast nur in der Kirche. Aber es hat mir äußert gut gefallen.
    Was die Kopfbedeckung angeht: Ist schon lustig. Am Verwirrendsten war es aber am Zionsberg: Davidgrab, Hut/Kopfbedeckung drauf. Nächstes Teil: Oh Kirche, Deckel runter! So ging es hin und her, wir haben vorsichtshalber immer wieder gefragt, was denn nu richtig ist.

    • Saskia

      Oh das kann ich mir nur allzu lebhaft vorstellen. Als Frau hat man es etwas leichter. Allerdings sah ich in den meisten Kirchen in Israel hauptsächlich streng religiöse Frauen, die ihre Haare vor dem Betreten der Kirche bedeckten und dann am Alter auf den Knien saßen.
      In der Auferstehungskirche in Jerusalem haben die Menschen scharenweisen den Fußboden geküsst.
      In Deutschland habe ich derartige Szenen nie gesehen. Hier in Israel ist die Atmosphäre da wirklich ganz anders…

      • heplev

        Das mit der Grabeskirche/Auferstehungskirche ist schon ein ziemliches Dingen. Ich gehe da nicht gerne hin.
        Die den Boden Küssenden dürften allerdings hauptsächlich Mitglieder orthodoxer Kirchen sein. Vor allem russsisch-orthodoxe Christen haben es allgemein stärker damit; sie küssen ihre Ikonen ständig und innig.
        Aber wenn du noch nach Oasen suchst. Kennst du das Gartengrab? Da bin ich immer gerne hingegangen, wenn ich Ruhe suchte und sonst keine fand. Und das, obwohl drumherum der Bär tobt (gleich 2 arabische Busbahnhöfe). Erstaunlich.

      • Saskia

        Das Gartengrab habe ich noch nicht besucht. Ich muss gestehen, dass ich generell Gegenden meide, wo sich auch viele Araber aufhalten. Mein letztes grauenvolles Erlebnis war in der Jerusalemer Altstadt. Ich hatte mich ein bisschen in die kleinen Seitengassen verirrt und plötzlich waren nur noch Muslime um mich herum. Die Bekleidungsläden hatten in den Auslagen Burkas und den weiblichen Schaufensterpuppen waren die Köpfe mit Plastiktüten überklebt, damit man ihre Gesichter nicht sehen konnte. Sogar Schaufensterpuppen werden bei denen wohl als attraktiv empfunden und müssen daher verhüllt werden. Wer klaustrophobische Enge sucht, ist dort genau richtig. Meine Güte war ich froh, als ich wieder in der Zivilisation ankam!

  • Alonso

    Ich war erst am Dienstag in En Kerem. Von Tel Aviv kommend, nach der Abfahrt Latrun, fahre ich von der 1 auf die 38 Richtung Bet Shemesh ab. Bei Eshta’ol gehts dann auf die 395 Richtung Jerusalem. Diese Straße fährt durch eine der schönsten Gegenden Israels und kurz vor Jerusalem auch durch En Kerem. Mit diesem Weg dauert es natürlich etwas länger bis Jerusalem, aber die Aussicht, die Landschaft, ist es alle Mal wert.
    Die Kirche dort habe ich nie gesehen, aber zu allem anderen in Deinem Artikel hast Du meine vollste Zustimmung.

    • Saskia

      In Latrun war ich an jenem Tag auch. Ich besuche gerne ab und an mal Kirchen hier. Mir fehlt ehrlich gestanden das Glockengeläut, besonders an den Wochenenden. Es soll ja Leute geben, die am liebsten vors Verwaltungsgericht ziehen würden, um dem Glockenläuten ein Ende zu bereiten, aber die Klagen werden regelmäßig abgewiesen und die Leute ärgern sich weiter.
      Ich fand den Klang vom Glockenspielimmer sehr schön…

      Naja, jedenfalls mache ich an manchen Tagen solche Abstecher, um diese ganz besondere Stille zu finden, wie man sie eigentlich nur in leeren Kirchen vorfinden kann. Die Touristen vermasseln es aber hier regelmäßig!!!

  • Gerhard Metzner

    Danke für deinen blog Saskia!

    >

  • Arusha

    sehr schöne Fotos, ich war selber schon sehr oft in Israel und liebe es dort zu sein, En Kerem habe ich noch nicht kennengelernt…schöner Blog!

  • Rika

    Ein Grund mehr, mal wieder nach Israel zu fliegen… Danke für die wunderbaren Bilder!

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