Monthly Archives: October 2013

Antisemitismus Teil 2

Heute Morgen stolperte ich über folgenden Artikel:

http://boess.welt.de/2013/10/30/herrenmenschenwracks-und-schwimmhallen/

Der Autor Gideon Böss schreibt darin über die Ambivalenz der Rolle Deutschlands bei der Bekämpfung von Antisemitismus. Der Artikel nennt einige sehr interessante Beispiele dafür, dass Deutschland bei weitem nicht die Rolle einnimmt, die es einnehmen sollte und aufgrund seiner Vergangenheit auch müsste, um dem wachsenden Antisemitismus wirklich etwas entgegenzusetzen.

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Antisemitismus

Ein sehr sehenswerter Beitrag ist diese Woche in der Mediathek der ARD zu finden.
Die Dokumentation ist auch aus dem Ausland abrufbar, zudem findet sie sich inzwischen ebenfalls auf Youtube.

Ein Team der ARD hat sich die Mühe gemacht, den Deutschen auf den Zahn zu fühlen und Fragen zum Thema Juden in Deutschland und Antisemitismus zu stellen. Mir sträuben sich die Haare…

Fazit: Nicht verpassen!


Dr. Klibansky und seine Schüler

Am 20. Juli 1942 stand am Deutzer Bahnhof in Köln Herr Dr. Klibansky mit seiner Familie und einer Gruppe von Schülern. Sie fuhren Richtung Osten.

Einige Jahre zuvor hatte Erich Klibansky, der Direktor des jüdischen Gymnasiums „Jawne“ in Köln, Schüler von demselben Bahnhof in Richtung England geschickt. Es war nach dem Pogrom am 9. November 1938, der Nacht, in der alle fünf Synagogen der Stadt niederbrannten. Der Direktor arbeitete mit Hochdruck an dem Vorhaben, seine Schüler vor dem Nationalsozialismus zu schützen und sie ins Ausland zu schleusen. In die Freiheit. Etwa 130 Schüler gelangten bis Ende der 1930er Jahre dank seiner Hilfe nach London. Der Abschied von den Eltern sollte für die Ewigkeit sein, doch das wussten die Kinder damals noch nicht. Nur wenige trafen später überlebende Familienmitglieder wieder.
Dr. Klibansky fuhr mit jedem Zug mit. Jedes Mal. Er ließ seine eigene Familie zurück, während er seine Schüler nach England begleitete und sich um sie kümmerte. Das Telegramm, mit dem der erste Rettungstransport angekündigt wurde, lautete: „Kinder abreisen Dienstag 17 Uhr 13. Abschied in der Schule.“. Einen Abschied am Bahnhof gab es nicht, vielleicht weil das zu auffällig gewesen wäre.

Dr. Erich Klibansky

Dr. Erich Klibansky

„Kinder abreisen Dienstag 17 Uhr 13“ ist auch der Titel einer aktuellen Kölner Ausstellung zu dem Thema. Sie erzählt die Geschichte von Dr. Erich Klibansky und den geretteten Schülern, unter ihnen Henrietta Franks, die heute 90 Jahre alt ist und zu Beginn der Ausstellung von ihrer Vergangenheit erzählte. Damals war sie 15 Jahre alt. Der Zug brachte sie und ihre Geschwister nach Hoek van Holland, einem heutigen Stadtteil von Rotterdam. Damals war es ein kleines Küstenstädtchen, von wo aus Henrietta mit dem Boot nach Harwich gelangte. Als sie London erreichte, dachte sie zunächst noch, dass es nur vorübergehend sein würde und sie bald zurück nach Köln kommen könne. Sie und ihre Geschwister lebten getrennt voneinander in unterschiedlichen englischen Familien und so wurde ihr Heimweh unermesslich. Sie wusste ja nicht, was in Deutschland zur selben Zeit geschah.
Schließlich wurde England zu ihrer neuen Heimat. Bis heute lebt sie dort.

Henrietta Franks

Henrietta Franks

Mit Ausbruch des Krieges wurden die Grenzen geschlossen. Weitere Rettungstransporte konnten nicht mehr stattfinden.
Erich Klibansky und seine Familie fuhren 1942 in entgegengesetzte Richtung ihrem Tod entgegen. Sie wurden in einem Waldstück in der Nähe von Minsk erschossen.

Die Ausstellung ist seit dem 17. Oktober und noch bis zum 24. November 2013 geöffnet. Sie befindet sich im LVR-Landeshaus, Nordfoyer, Kennedy-Ufer 2, Köln-Deutz.


Auszeit

En Kerem ist ein kleiner Ort nahe Jerusalem. Die kleine Ortschaft ist sehr alt und wunderschön in den Berghängen gelegen. Olivenhaine schmücken die Landschaft und eine angenehme Stille liegt über allem. Vermutlich landet man nicht zufällig dort, man muss schon das Ziel haben, dorthin zu gelangen, damit man die kleine Oase der Ruhe auch erreicht. Wer gerne Essen geht, findet hier hervorragende Restaurants. Die Touristen, die nach En Kerem kommen, interessieren sich allerdings meist weniger für die gute Küche als für eine besondere Kirche, die an der Stelle steht, wo sich einst das Geburtshaus Johannes des Täufers befand.
Ich besuchte den Ort im Hochsommer. Es war eigentlich viel zu heiß um herumzuspazieren, daher begann ich mit dem Restaurant und verschob meine Wanderung auf den späten Nachmittag.
Ich wählte ein orientalisches Restaurant, das typisch nahöstliche Küche serviert: Tahina, Humus, Mezze, alles was das Herz begehrt…
Alternativ hätte ich auch zu einem sehr einladenden Italiener gehen können oder zu einem Griechen, aber ich persönlich ziehe ja die orientalische Küche vor.
 
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Nach dem Essen machte ich einen Spaziergang durch die Olivenhaine. Es war traumhaft schön, Grillen zirpten im Hintergrund und die Sonne schien zwischen den Bäumen hindurch auf die uralten Steine.
 
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Jahrhunderte alter Olivenbaum in En Kerem

Jahrhunderte alter Olivenbaum in En Kerem

 
Dann pilgerte ich zur Besuchskirche, jener besonderen Kirche, die an die Wurzeln Johannes des Täufers erinnert. Die Kirche wird von Franziskanern geführt. Ich erinnere mich an ein lustiges Ereignis im Inneren der Kirche. Ein Israeli stand mit Hut vor dem Altar und blickte auf ein riesiges Gemälde, als ein Mönch an ihm vorbeischlich und ihn ermahnte, unbedingt den Hut abzunehmen. Als der Mönch weg war, lachte mich der Mann an und meinte “Tja, in der Synagoge sagen sie einem, man muss unbedingt den Kopf bedecken und jetzt mach ich das hier auch und werde aufgefordert, umgehend meinen Hut abzunehmen… Ist doch komisch oder?”
Ich musste unweigerlich an einen Satz von Gandhi denken: “Gott hat keine Religion”.
 

Besuchskirche

Besuchskirche


 
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Im Inneren der Besuchskirche

Im Inneren der Besuchskirche


 
Wandgemälde hinter dem Altar

Wandgemälde hinter dem Altar


 
Die Anlage um die Kirche herum ist sehr malerisch. Überall blühen Blumen und ein Säulengang empfängt die Besucher mit einem schönen Licht-Schatten-Spiel.
 
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Als ich am Abend den Ort wieder verließ, hatte ich das Gefühl, ein kleines Idyll gefunden zu haben, so nah an Jerusalem, dass man leicht einen Abstecher von dort aus nach En Kerem machen kann. Die perfekte Auszeit vom Alltag.
 
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All photos by Saskia