Inglorious Basterds

Die Tatsache, dass der monumentale Film „Inglorious Basterds“ auf einer wahren Heldengeschichte beruht, dürfte nur den wenigsten bekannt sein.
Doch es gab sie wirklich, eine kleine Gruppe von Männern, die vor dem Nationalsozialismus in die USA geflohen waren und dort Rache schworen für das, war ihren Familien in der Heimat angetan worden war.

Frederick Mayer, 1921 in Freiburg in Breisgau geboren, emigrierte 1938 mit seiner Familie in die USA. Obwohl der Vater während des Ersten Weltkrieges im deutschen Heer gedient hatte und fest daran glaubte, dass dies der jüdischen Familie Schutz selbst unter der Naziflagge bieten würde, konnte seine Frau ihn noch rechtzeitig davon überzeugen, auszuwandern.
Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor im Dezember 1941 schloss sich Fred Mayer der US Army an. Er wurde ausgebildet zum Scharfschützen, im Nahkampf, in den Methoden des Guerilla Krieges und Operationen zur Infiltration auf Feindesgebiet. Seine deutschen Sprachkenntnisse gereichten ihm zum Vorteil und bald wurde er Mitglied des OSS, Office for Strategic Services, dem damaligen Nachrichtendienst der Vereinigten Staaten von Amerika. Gemeinsam mit anderen jüdischen Flüchtlingen aus Europa war er in einer Einheit, die gewillt war, alles daran zu setzen, um das Naziregime zu besiegen.
Hans Wijnberg war einer von ihnen. Er wurde 1922 in Amsterdam geboren und kam mit seinem Zwillingsbruder 1939 in die USA. Die übrige Familie schaffte die Ausreise nicht mehr. Bevor der Krieg ausbrach, schimpften die Familienmitglieder mit dem Vater „Das ist doch verrückt, zwei Sechzehnjährige ins Land der Cowboys und Indianer zu schicken!“, doch der Vater ließ sich nicht abbringen. Der Abschied sollte für immer sein, denn Hans’ jüngster Bruder und die Eltern verloren ihr Leben. Sie wollten in die Schweiz fliehen, wurden jedoch an der Grenze verraten. Der Vater kam in ein KZ in Polen, die Mutter und der kleine Bruder wurden in Auschwitz vergast.

Von Bari aus führte das OSS die Operation „Greenup“ durch. Drei Männer waren die Hauptakteure: Fred Mayer, Hans Wijnberg und ein österreichischer Deserteur, der ehemalige Wehrmachtsoffizier Franz Weber. Im Dokumentarfilm „The real inglorious bastards“ erzählen Fred Mayer und Hans Wijnberg ihre Geschichte. Die Operation hatte zwei Ziele: Zum einen sollten die Männer den Eisenbahnverkehr über den Brennerpass beobachten, da dieser die Hauptversorgungsader für die deutschen Truppen in Italien war. Der Pass war bereits mehrfach erfolglos bombardiert worden. Zum anderen galt es, herauszufinden, was es mit der Alpenbastion auf sich hatte, einer Nazibastion mitten im Gebirge. Die Alliierten fürchteten, dass fanatische Nazis sich dort verschanzen könnten.
Zum Gelingen der Mission mussten sich Fredy und Hans bei den Nazis in Tirol einschleusen. Sie suchten vor Ort nach einer Kontaktperson, einem Insider, der ihnen dabei helfen würde. In einem Gefangenenlager stießen sie auf Leutnant Franz Weber. Aus Gewissensgründen war dieser desertiert und übergelaufen. Sie vertrauten ihm. Franz war kein Wegseher, er hatte erkannt, was die Nazis machten und lehnte dies komplett ab.

Drei wahre Helden

Drei wahre Helden

Die jungen Männer sollten nachts in der Nähe von Innsbruck mit einem Fallschirm abspringen, jedoch scheiterte dieser Plan daran, dass überall Militär patrouillierte. Da erinnerte sich Fred Mayer an einen kleinen See zwischen zwei Bergen, der im Winter zugefroren war und so flog der Pilot sie unter äußerst widrigen Bedingungen zu dieser Stelle, wo sie in die schwarze Leere hinuntersprangen. Leider fanden sie einen Teil der abgeworfenen Ausrüstung nicht wieder, darunter ihre Skier. So mussten sie den Berg im Tiefschnee herunterwandern. In einem einsamen Bergdorf erhielten sie einen Schlitten und begaben sich auf eine turbulente Talfahrt.
Franz kannte die Gegend und wusste sichere Verstecke. Seine Verlobte Anni spielte dabei eine Schlüsselrolle. Nachdem Franz desertiert war, musste er um jeden Preis unerkannt bleiben und durfte nirgends auffallen. Anni wandte sich an ihre Mutter, der einzigen Vertrauensperson, die ihnen bei der Durchführung ihrer Operation helfen könnte. Die Mutter versteckte Hans Wijnberg bei einem befreundeten Bauern. Von dort funkte Hans die erste Botschaft, dass alles soweit gut gelaufen sei.
Annis Mutter nahm eine unglaublich große Bürde auf sich, als sie den Männern half. Zur damaligen Zeit gaben sich Nazis als Soldaten der Alliierten aus, um in den Dörfern herauszufinden, welche Menschen Hilfe leisteten bei der Kollaboration mit den wahren Alliierten. Das Risiko, aufzufliegen, war enorm hoch. Auch Franz’ Schwestern halfen dem Team bei ihrer Operation. Luisa, eine der drei Schwestern, verhalf Fred zu einer neuen Identität als Nazi Offizier. Luisa arbeitete in einem Lazarett als Krankenschwester und stahl einem verstorbenen Deutschen dessen Uniform. Dadurch konnte Fred öffentlich in Erscheinung treten. Sein Cover flog lange Zeit nicht auf und so konnte er unzählige Informationen an Hans weiterleiten. Franz’ Schwester Eva nahm Notizen von Fred an Hans entgegen und leitete diese sicher weiter.

Fred fand an einem Bahnhof heraus, dass zwei Tage später 26 Züge mit Waffen nach Italien weiterfahren sollten. Er übermittelte diese Information an Bari und die Züge wurden allesamt bombardiert und zerstört.

Kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 fiel Fred der Gestapo in die Hände. Während Franz und Hans die Flucht im letzten Augenblick gelang, wurde. Fred ins Innsbrucker Gestapogefängnis gebracht und dort gefoltert. Dennoch gab er die Identitäten seiner Komplizen nicht preis. Fred wollte Selbstmord begehen und auf eine Zyankalikapsel beißen, aber sie fiel ihm aus dem Mund und so war er der schlimmen Tortur ausgeliefert.
Schließlich trat ein Nazifunktionär in das Geschehen, der den Gefangenen aus dem Gestapogefängnis herausholte und zu einem Treffen mit Franz Hofer mitnahm. Franz Hofer war der NSDAP-Gauleiter von Tirol-Vorarlberg. Hofer, der zum Ende des Krieges das Sagen und die Kontrolle verlor, hatte gehofft, Fred für seine Zwecke nutzen zu können. Fred nutzte die Gelegenheit und bot Hofer einen Handel an: er schlug ihm die Kapitulation vor. Innsbruck solle zur offenen, unverteidigten Stadt erklärt werden. Fred hatte natürlich gar nicht die Autorität, Hofer Immunität anzubieten, aber er tat es dennoch und der Bluff funktionierte. Hofer übergab Innsbruck an die Amerikaner. Dadurch wurde Innsbruck vor der Zerstörung bewahrt.

Fred mayer heute

Fred mayer heute

Fred Mayer lebt heute in West Virginia, USA. Er und Hans waren Zeit ihres Lebens Freunde. Hans Wijnberg starb nach Abschluss der Dreharbeiten zu dem Dokumentarfilm „The real inglorious Bastards“. Franz Weber verstarb bereits einige Jahre zuvor.


2 responses to “Inglorious Basterds

  • Rika

    Das ist interessant!
    Gerade gestern Abend habe ich bei Phoenix oder einem ähnlichen Sender die Geschichte dieses Fred Mayers gesehen, leider allerdings nicht von Anfang an… So eindrücklich die Schilderung der Verhöre im Gestapo-Gefängnis.
    Ja, es gab sie, die Helden und zum Glück für uns Heutige gibt es immer noch viele unbekannte Helden, die durch ihren Mut und ihre Entschlossenheit dazu beitragen, Schlimmeres zu verhindern!
    Danke für diesen Beitrag!

    • Saskia

      Vielleicht war das ja derselbe Beitrag, den auch ich gesehen habe? Allerdings habe ich einen Beitrag in der ZDF Mediathek zum Thema angeschaut.
      Eine sehr spannende Geschichte, die deutlich bekannter werden sollte. Ich war sehr verblüfft über den Mut dieser jungen Männer!
      Vielleicht braucht man sehr viel Wut, um den Mut zu solchen Aktionen aufbringen zu können. Was ich besonders herausragend finde, ist die Tatsache, dass Fred Mayer seine Freunde selbst unter Folter nicht verraten hat.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: