Monthly Archives: September 2013

Inglorious Basterds

Die Tatsache, dass der monumentale Film „Inglorious Basterds“ auf einer wahren Heldengeschichte beruht, dürfte nur den wenigsten bekannt sein.
Doch es gab sie wirklich, eine kleine Gruppe von Männern, die vor dem Nationalsozialismus in die USA geflohen waren und dort Rache schworen für das, war ihren Familien in der Heimat angetan worden war.

Frederick Mayer, 1921 in Freiburg in Breisgau geboren, emigrierte 1938 mit seiner Familie in die USA. Obwohl der Vater während des Ersten Weltkrieges im deutschen Heer gedient hatte und fest daran glaubte, dass dies der jüdischen Familie Schutz selbst unter der Naziflagge bieten würde, konnte seine Frau ihn noch rechtzeitig davon überzeugen, auszuwandern.
Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor im Dezember 1941 schloss sich Fred Mayer der US Army an. Er wurde ausgebildet zum Scharfschützen, im Nahkampf, in den Methoden des Guerilla Krieges und Operationen zur Infiltration auf Feindesgebiet. Seine deutschen Sprachkenntnisse gereichten ihm zum Vorteil und bald wurde er Mitglied des OSS, Office for Strategic Services, dem damaligen Nachrichtendienst der Vereinigten Staaten von Amerika. Gemeinsam mit anderen jüdischen Flüchtlingen aus Europa war er in einer Einheit, die gewillt war, alles daran zu setzen, um das Naziregime zu besiegen.
Hans Wijnberg war einer von ihnen. Er wurde 1922 in Amsterdam geboren und kam mit seinem Zwillingsbruder 1939 in die USA. Die übrige Familie schaffte die Ausreise nicht mehr. Bevor der Krieg ausbrach, schimpften die Familienmitglieder mit dem Vater „Das ist doch verrückt, zwei Sechzehnjährige ins Land der Cowboys und Indianer zu schicken!“, doch der Vater ließ sich nicht abbringen. Der Abschied sollte für immer sein, denn Hans’ jüngster Bruder und die Eltern verloren ihr Leben. Sie wollten in die Schweiz fliehen, wurden jedoch an der Grenze verraten. Der Vater kam in ein KZ in Polen, die Mutter und der kleine Bruder wurden in Auschwitz vergast.

Von Bari aus führte das OSS die Operation „Greenup“ durch. Drei Männer waren die Hauptakteure: Fred Mayer, Hans Wijnberg und ein österreichischer Deserteur, der ehemalige Wehrmachtsoffizier Franz Weber. Im Dokumentarfilm „The real inglorious bastards“ erzählen Fred Mayer und Hans Wijnberg ihre Geschichte. Die Operation hatte zwei Ziele: Zum einen sollten die Männer den Eisenbahnverkehr über den Brennerpass beobachten, da dieser die Hauptversorgungsader für die deutschen Truppen in Italien war. Der Pass war bereits mehrfach erfolglos bombardiert worden. Zum anderen galt es, herauszufinden, was es mit der Alpenbastion auf sich hatte, einer Nazibastion mitten im Gebirge. Die Alliierten fürchteten, dass fanatische Nazis sich dort verschanzen könnten.
Zum Gelingen der Mission mussten sich Fredy und Hans bei den Nazis in Tirol einschleusen. Sie suchten vor Ort nach einer Kontaktperson, einem Insider, der ihnen dabei helfen würde. In einem Gefangenenlager stießen sie auf Leutnant Franz Weber. Aus Gewissensgründen war dieser desertiert und übergelaufen. Sie vertrauten ihm. Franz war kein Wegseher, er hatte erkannt, was die Nazis machten und lehnte dies komplett ab.

Drei wahre Helden

Drei wahre Helden

Die jungen Männer sollten nachts in der Nähe von Innsbruck mit einem Fallschirm abspringen, jedoch scheiterte dieser Plan daran, dass überall Militär patrouillierte. Da erinnerte sich Fred Mayer an einen kleinen See zwischen zwei Bergen, der im Winter zugefroren war und so flog der Pilot sie unter äußerst widrigen Bedingungen zu dieser Stelle, wo sie in die schwarze Leere hinuntersprangen. Leider fanden sie einen Teil der abgeworfenen Ausrüstung nicht wieder, darunter ihre Skier. So mussten sie den Berg im Tiefschnee herunterwandern. In einem einsamen Bergdorf erhielten sie einen Schlitten und begaben sich auf eine turbulente Talfahrt.
Franz kannte die Gegend und wusste sichere Verstecke. Seine Verlobte Anni spielte dabei eine Schlüsselrolle. Nachdem Franz desertiert war, musste er um jeden Preis unerkannt bleiben und durfte nirgends auffallen. Anni wandte sich an ihre Mutter, der einzigen Vertrauensperson, die ihnen bei der Durchführung ihrer Operation helfen könnte. Die Mutter versteckte Hans Wijnberg bei einem befreundeten Bauern. Von dort funkte Hans die erste Botschaft, dass alles soweit gut gelaufen sei.
Annis Mutter nahm eine unglaublich große Bürde auf sich, als sie den Männern half. Zur damaligen Zeit gaben sich Nazis als Soldaten der Alliierten aus, um in den Dörfern herauszufinden, welche Menschen Hilfe leisteten bei der Kollaboration mit den wahren Alliierten. Das Risiko, aufzufliegen, war enorm hoch. Auch Franz’ Schwestern halfen dem Team bei ihrer Operation. Luisa, eine der drei Schwestern, verhalf Fred zu einer neuen Identität als Nazi Offizier. Luisa arbeitete in einem Lazarett als Krankenschwester und stahl einem verstorbenen Deutschen dessen Uniform. Dadurch konnte Fred öffentlich in Erscheinung treten. Sein Cover flog lange Zeit nicht auf und so konnte er unzählige Informationen an Hans weiterleiten. Franz’ Schwester Eva nahm Notizen von Fred an Hans entgegen und leitete diese sicher weiter.

Fred fand an einem Bahnhof heraus, dass zwei Tage später 26 Züge mit Waffen nach Italien weiterfahren sollten. Er übermittelte diese Information an Bari und die Züge wurden allesamt bombardiert und zerstört.

Kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 fiel Fred der Gestapo in die Hände. Während Franz und Hans die Flucht im letzten Augenblick gelang, wurde. Fred ins Innsbrucker Gestapogefängnis gebracht und dort gefoltert. Dennoch gab er die Identitäten seiner Komplizen nicht preis. Fred wollte Selbstmord begehen und auf eine Zyankalikapsel beißen, aber sie fiel ihm aus dem Mund und so war er der schlimmen Tortur ausgeliefert.
Schließlich trat ein Nazifunktionär in das Geschehen, der den Gefangenen aus dem Gestapogefängnis herausholte und zu einem Treffen mit Franz Hofer mitnahm. Franz Hofer war der NSDAP-Gauleiter von Tirol-Vorarlberg. Hofer, der zum Ende des Krieges das Sagen und die Kontrolle verlor, hatte gehofft, Fred für seine Zwecke nutzen zu können. Fred nutzte die Gelegenheit und bot Hofer einen Handel an: er schlug ihm die Kapitulation vor. Innsbruck solle zur offenen, unverteidigten Stadt erklärt werden. Fred hatte natürlich gar nicht die Autorität, Hofer Immunität anzubieten, aber er tat es dennoch und der Bluff funktionierte. Hofer übergab Innsbruck an die Amerikaner. Dadurch wurde Innsbruck vor der Zerstörung bewahrt.

Fred mayer heute

Fred mayer heute

Fred Mayer lebt heute in West Virginia, USA. Er und Hans waren Zeit ihres Lebens Freunde. Hans Wijnberg starb nach Abschluss der Dreharbeiten zu dem Dokumentarfilm „The real inglorious Bastards“. Franz Weber verstarb bereits einige Jahre zuvor.

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Wie konnte das passieren?

Auf der Seite von National Geographic fand ich neulich ein Foto, das eine Straße in Beirut zeigt. Es ist aus den 50er Jahren und vermittelt eher die Atmosphäre einer europäischen Stadt. Das machte mich sehr neugierig und so begab ich mich auf die Suche nach weiteren Bildern aus Nahost, die in dieser Zeit entstanden sind.
 

Eine Straße in Beirut, 1958. National Geographic

Eine Straße in Beirut, 1958. National Geographic


 
Was ich fand, war ein Kaleidoskop an Eindrücken, die heute undenkbar sind: Frauen in kurzen Röcken in Kabul (heute wandeln die Frauen dort wie Gespenster herum, man weiß oft nicht einmal, wo oben und unten sein soll), dasselbe Straßenbild in Ägypten, im Libanon und im Iran.
 
Kabul Universität, 1980er

Kabul Universität, 1980er


 
Kabul Universität -  Biologieklasse,1950er

Kabul Universität – Biologieklasse,1950er


 
Es könnte auch Paris sein, aber diese Szene wurde in Kabul in den 1970ern aufgenommen!

Es könnte auch Paris sein, aber diese Szene wurde in Kabul in den 1970ern aufgenommen!


 
Ägypten in den 1950ern oder 60ern - Zoobesuch

Ägypten in den 1950ern oder 60ern – Zoobesuch


 
Junge Ägypter in Montazah, 1950er

Junge Ägypter in Montazah, 1950er


 
Auch für Syrien habe ich Bilder aus der damaligen Zeit gesucht. Es war nicht ganz einfach, zu diesem Thema Fotografien zu finden, da selbst die harmlosesten Suchbegriffe wie „Damascus 1950s“ die Grauen des aktuellen Bürgerkrieges hervorbringen: vergaste Kinder, Blut und von Maschinengewehren durchsiebte Gebäude.
 
Damaskus 1952

Damaskus 1952


 
Damaskus 1947

Damaskus 1947


 
Israel ist das einzige Land im kompletten Nahen Osten, in dem es völlig selbstverständlich ist, dass Menschen das anziehen, was ihnen passt. Es gibt zwar auch hier religiöse Gemeinschaften, die einen legeren Kleidungsstil ablehnen, aber da wir hier in einem demokratischen Land leben, kann jede Frau wählen, ob sie nun im kurzen Top und abgeschnittenen Minishorts durch die Straßen läuft oder lieber etwas weniger freizügig. Alles wird respektiert, geachtet und toleriert. Kein Mann käme hier je auf die Idee, einer Frau an den Po zu fassen. Moment mal, behaupten die Muftis im Islam nicht, dass die strenge Verhüllung der Frauen deren Schutz dient? Warum werden dann eigentlich Frauen derzeit in Ägypten ständig auf offener Straße angegrapscht? Am Kleidungsstil kann es jedenfalls nicht liegen, sonst hätten wir dieses Problem in Tel Aviv auch…

Wenn man die islamischen Gesellschaften genauer anschaut, fehlen ihnen heute etliche Elemente, die ich eigentlich als Grundvoraussetzung erachte, um sich persönlich entfalten zu können:
Toleranz, sexuelle Selbstbestimmung, Pluralismus, Achtung von Menschenrechten, insbesondere der Rechte Schwächerer, keine Ausgrenzung von Gesellschaftsgruppen aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit oder ihres Geschlechts. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und die Analyse von historischen Fehlern, um daraus zu lernen… Die Liste kann endlos fortgesetzt werden.

In einem der Internetforen fand ich einen Kommentator, der sich ärgerte, dass wir heute fälschlicherweise davon ausgingen, Kabul sei früher ein toleranterer Ort gewesen, nur aufgrund der Tatsache dass man auf Fotos Frauen in Miniröcken sieht. Er argumentierte, dass der Kleidungsstil der Frauen nicht gleichzusetzen sei mit der politischen Richtung eines Landes. Ich möchte dem ganz klar widersprechen. Wenn ich als Frau in einem Land lebe, in dem ich nicht anziehen darf, was ich will, weil mir Vorschriften gemacht werden was züchtig ist und was nicht, dann lebe ich definitiv nicht in einer demokratischen Gesellschaft, sondern entweder im Faschismus, in einer kommunistischen Diktatur oder im radikalen Islam. Die Entwicklung des Kleidungsstils der Frauen ist in meinen Augen ganz klar ein Spiegel der Gesellschaft und sehr wohl ein Indikator dafür, wie tolerant und frei die Menschen in einem Land miteinander umgehen. Wenn man sich Fotos deutscher Frauen in den frühen 1940ern ansieht, spiegeln diese schließlich auch ganz klar den Nationalsozialismus wieder.

Ich persönlich hege ja die Theorie, dass die heutigen islamistischen Länder in Nahost erst dann ein Ort des Friedens und der Toleranz sein werden, wenn sich die Frauen von den Zwängen befreit und ihre sexuelle Selbstbestimmung erfolgreich eingefordert haben werden. Solange die Frauen unterdrückt sind und sich leider auch unterdrücken lassen, solange sehe ich keine ernsthafte Chance auf einen hassfreien Nahen Osten. Diese Theorie mag zwar ziemlich haltlos klingen, aber ich bin der Überzeugung, dass die islamistischen Länder deshalb so brutal sind, weil die Männer machen was sie wollen und alle Schwächeren unterdrücken. Das führt dazu, dass auch einige Frauen zu brutalen Unterdrückerinnen werden, sobald sie „Oberwasser“ bekommen. Eine Gleichstellung der Geschlechter ist vermutlich der einzige Weg zu einer ausbalancierten Gesellschaftsordnung. Mag sein, dass ich mich sehr irre, aber ich hoffe trotzdem darauf, dass ich irgendwann keine derartigen Bilder mehr sehen muss:
 

Saudi Arabien, heute

Saudi Arabien, heute


 
Dieses Bild jagt mir kalte Schauer den Rücken herunter. Es sieht aus wie ein fieser Witz, aber es ist die brutale Realität im heutigen Afghanistan. Frauen haben den Status von Dreck.

Dieses Bild jagt mir kalte Schauer den Rücken herunter. Es sieht aus wie ein fieser Witz, aber es ist die brutale Realität im heutigen Afghanistan. Frauen haben den Status von Dreck.


 
 


Im Reich der Schatten

Orpheus war von allen Sängern der beste. Seine Musik berührte Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen. Wenn er auf seiner Lyra spielte, waren selbst die Steine zutiefst bewegt. Er hatte sein großes Glück in der Liebe zu Eurydike gefunden, einer wunderschönen Flussnymphe.
Eines Tages wurde seine Gattin jedoch am Flussufer von einer giftigen Natter gebissen und starb.
In seiner unendlichen Liebe und verzweifelten Sehnsucht nach seiner Frau wagte Orpheus, in das Reich der Toten hinabzusteigen, um den Herrscher über die Unterwelt zu bitten, ihm seine Frau wiederzugeben. Kein Lebender hatte es je zuvor gewagt, diesen Ort zu betreten.

Sorek Cave

Die Schatten der Toten wandelten neben ihm auf den Pfaden in der Dunkelheit. Als er an den Styx kam, den Fluss, der die Unterwelt durchfließt, kam ein Fährmann und brachte ihn auf die andere Seite des nachtschwarzen Stroms.
Dann stand Orpheus mit seiner Lyra vor Hades und Persephone, dem mächtigen Gott und dessen Gattin, um seine Bitte vorzutragen. Er sang von der tiefen Liebe zu seiner Frau Eurydike und dem unermesslichen Schmerz, den ihr Verlust für ihn bedeutete.
Die Schatten versammelten sich um den Sänger und weinten. Auch Hades und die Totenkönigin Persephone waren so tief bewegt von der großen Liebe, dass sie Orpheus gewährten, seine Gemahlin zurück zu den Lebenden zu führen. Jedoch stellten sie eine Bedingung: Orpheus solle sich kein einziges Mal auf dem Weg ans Licht zu Eurydike umdrehen.

Sorek Cave

Orpheus machte sich auf den Rückweg. Bald ergriffen ihn Zweifel, ob Eurydike wirklich hinter ihm ging. Er wagte nicht, sich umzudrehen, doch seine Ängste wurden immer stärker. Schließlich blickte er zurück und sah Eurydike in die Augen. Doch in dem Moment, als er nach ihrer Hand greifen wollte, verschwand ihr Schatten in der Dunkelheit.

Sorek Cave

Er rannte ihr hinterher, zurück in die Tiefen der Unterwelt. Als er erneut vor dem Styx stand, weigerte sich der Fährmann jedoch, ihn nochmals an das andere Ufer zu bringen.
Orpheus musste ohne Eurydike in die Welt der Lebenden zurückkehren. Lange Zeit blieb er vor den Toren der Unterwelt, und versuchte die Götter durch sein Klagen und Flehen nochmals umzustimmen, doch er erhielt keine Antwort mehr.

Sorek Cave

Sorek Cave

Sorek Cave

Die Fotos sind in der Sorek Stalaktit Höhle bei Beit Shemesh entstanden. Die Magie mancher Orte flüstert der Phantasie Geschichten zu, die Raum und Zeit überwinden und plötzlich Realität zu werden scheinen…

All photos by Saskia