Der Garten der Menschenrechte

Unter der Woche gehen wir abends zum Laufen in einen nahegelegenen Park. Um 21 Uhr, wenn es nur noch 27 Grad hat und die Hitze nicht mehr lähmt, lassen wir dort unsere Arbeitstage sportlich ausklingen. Ich empfinde den Park als einen großen Garten, mit Palmen, einem kleinen See und wunderschönen Blumenbeeten. Er ist bis spät nachts voller Menschen. Manchmal tummeln sich sogar so viele auf den Wegen der Parkanlage, dass wir Slalom laufen müssen, um nicht über all die Kinder zu stolpern, die auf Fahrrädern, Inlineskates und Dreirädern herumsausen. Auf den Wiesen verteilt feiern unzählige Familien Kindergeburtstage oder grillen mit Freunden nach Feierabend. Ehepaare sitzen auf den Bänken und unterhalten sich im Mondschein bei lautem Entengequake im Hintergrund. Im Vorbeilaufen höre ich Wortfetzen in Russisch, Arabisch, Hebräisch, Äthiopisch, Philippinisch und Amerikanisch. Es ist ein Ort, an dem die Menschen unterschiedlicher nicht sein könnten: Muslimische Frauen mit Kopftuch spazieren genauso an der Uferpromenade des Sees entlang, wie orthodoxe Juden. Äthiopier nutzen den Park für Hochzeitsfotos, Sportler kommen zum Trainieren.
 

Abends im Park in Ramat Gan

Abends im Park in Ramat Gan


 

Doch dieser Park ist keine Oase, in der etwas Ungewöhnliches passiert. Es ist ein ganz normaler Ort in Israel, an dem der ganz normale Alltag stattfindet: Die Menschen leben friedlich nebeneiner und miteinander, ganz egal welcher Religion sie angehören, aus welchem Land sie ursprünglich kommen und welche Sprache sie sprechen.
Der „Garten der Menschenrechte“ – das ist kein kleiner Park irgendwo in Ramat Gan. Es ist dieses Land im Nahen Osten, Israel.

Nur hier findet man eine lebhafte Demokratie und können Menschen ihre politische Gesinnung öffentlich zum Ausdruck bringen, ganz gleich in welche Richtung sie geht. Nur hier gibt es ein Rechtssystem, das die Menschen untereinander gleichstellt. Egal ob sie Mann oder Frau sind, homosexuell oder heterosexuell, ob sie an Gott glauben oder nicht, an welchen Gott sie glauben und woher sie stammen. Dennoch wird Israel oftmals als menschenfressendes Monster dargestellt, während in den Nachbarländern, von den Medien weitgehend ignoriert, die Hölle tobt. Hölle – das sind nicht nur Bürgerkriege und gewaltsame Umwälzungen in den Gesellschaften, sondern auch der Alltag vieler Frauen, die kein selbstbestimmtes Leben führen dürfen, Mädchen, die extrem jung an alte Männer verheiratet werden, Scharia, Sklaverei.

Nun gibt es wieder Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern und die Welt schaut mit großen Erwartungen auf dieses Zusammentreffen. Die Palästinenser stellten als Vorbedingung für Verhandlungen, Israel solle Terroristen freilassen. Ich gehe davon aus, dass die Welt es begrüßt hat, als Israel sich darauf einließ. Würde an Deutschland eine derartige Forderung gerichtet, man könnte den Aufschrei der Bevölkerung bis zum Mars hören. Natürlich würde die Bundesrepublik keinen einzigen Straftäter auf freien Fuß setzen und sich nicht erpressen lassen. Israel wird nun aber tatsächlich Schwerverbrecher freilassen. Als Antwort auf den Beginn der Verhandlungen flog aus Gaza bereits eine Rakete nach Israel. Klingt doch alles sehr vielversprechend und friedlich, nicht wahr?
Ich bin ein Befürworter der Zweistaatenlösung, aber ich halte sie für eine Utopie. Israel hat etliche Schritte in Richtung der Palästinenser getan, hat deren unverschämte Forderungen immer wieder erfüllt, um an den Verhandlungstisch zurückkehren zu können und hat niemals vergleichbar krasse Forderungen an die palästinensische Seite gestellt. Das Problem für den Frieden sind die Phantasien der Palästinenser, das gesamte Gebiet des heutigen Israels zu erobern. Ich frage mich dabei immer, wozu sie das Land überhaupt wollen. Dieser Paradiesgarten hier ist ja nur deshalb so schön, weil die israelische Bevölkerung in Frieden lebt und das Land kultiviert, Hightech hervorbringt, Kindergärten und Schulen geschaffen hat, weil alle Menschen vor dem Gesetz gleichgestellt sind und weil das Land von Grund auf demokratisch ist. In dem Moment, in dem die Palästinenser ihren eigenen Staat haben, wird dort Sodom und Gomorra ausbrechen, so wie in jedem anderen arabischen Staat, der nicht vom Ölreichtum profitiert. Würde Israel von der Landkarte verschwinden, dann gäbe es hier denselben Nahostkonflikt, eben nur zwischen arabischen Parteien. Wir sehen das ja in Syrien, Ägypten, Libyen… „Arabischer Frühling“ wurden die Umwälzungen dieser Gesellschaften anfangs genannt. Wer diese idiotische Bezeichnung dafür erfunden hat, möchte ich gerne wissen.
 

Am Strand von Tel Aviv - muslimische Frauen mit Hijab beim Baden

Am Strand von Tel Aviv – muslimische Frauen mit Hijab beim Baden


 
Sehr oft höre ich von Israelkritikern den Satz „Der UN-Menschenrechtsrat sagt, dass..“, was wohl als Untermauerung einer Argumentation gegen Israel dienen soll. Wenn selbst der Menschenrechtsrat sagt, dass Israels Operationen in Gaza falsch sind, ja dann können sie ja nur falsch sein! Irgendwie scheint es niemanden zu stören oder auch nur aufzufallen, dass im UN-Menschenrechtsrat Länder wie Saudi Arabien vertreten sind. Saudi Arabien! Dieses Land saß von 2009 bis 2012 im Menschenrechtsrat. Das ist ungefähr so, wie einen Pädophilen im Kindergarten arbeiten zu lassen. Wer sich die Liste der Mitgliedsländer beim UN-Menschenrechtsrat einmal anschaut, wird anschließend die Qualität der dort getroffenen Entscheidungen hoffentlich in Frage stellen.

In Europa freut man sich indes, dass die Palästinenser und die Israelis an einen Tisch zurückgefunden haben. Zum Glück hat Israel sich zum Auftakt bereit erklärt, Terroristen freizulassen, als Zeichen des guten Willens. Jetzt kann der Frieden also kommen.

 
Photos by Saskia


2 responses to “Der Garten der Menschenrechte

  • yehuda

    Gut kommentiert. Woimmer Leute sich negativ auf Israel fokusieren, dann findet man *totsicher* heraus, dass Ihre Kriterien für Israel anderweitig so nicht gelten. Man müsste sonst zugeben, wie “banal” letztlich “der” Nahostkonflikt im Vrgleich zu denen der Nachbarstaaten ist. Wen interessieren schon hundert Tote in Ägypten oder tausend in Syrien oder im Irak, wo man einen israelischen Soldaten zeigen kann, der den Passport eines Palästinenser sehen will ..?

    “”dass im UN-Menschenrechtsrat Länder wie Saudi Arabien vertreten sind. Saudi Arabien! Dieses Land saß von 2009 bis 2012 im Menschenrechtsrat. Das ist ungefähr so, wie einen Pädophilen im Kindergarten arbeiten zu lassen.”

    Schlimmer noch säße er im Kontrollgremium und würde die Einrichtung finanzieren, damit auch alles nach dem Geschmack und nach den Bedürfnissen der Pädophilen eingerichtet ist und Werkzeuge zur Hand sind, unfolgsame Kindern öffentlich in den Medien bloßzustellen.

    Zum Glück nur ein Vergleich. Die Realität ist schlimmer.😉

    • Saskia

      Leider wahr. In meinen Augen ist eines der medialen Probleme für Israel der persönliche Tellerand der Menschen, die nicht in Nahost leben. In Europa kennt unsere Generation Kriege nicht, oder das Gefühl, das einen befällt, wenn Sirenen heulen und kurz darauf Raketen irgendwo mit einem dumpfen Knall einschlagen.

      In Deutschland legt man einfach den Maßstab des eigenen Weltfriedens an und denkt sich, “Die Israelis müssten nur die Hand reichen und schon gäbe es in dieser Region Frieden.”
      Man kann sich dort nicht einmal im Entferntesten vorstellen, was es bedeutet, wenn man keine großen Zukunftspläne machen kann, weil man gar nicht weiß, ob in ein paar Jahren ein Krieg ausbrechen und Teile des Landes zerstören wird.

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