Eine Ameisenarmee kämpft um Erdbeereis

In meiner Kindheit schaute ich gerne Peter Lustig’s „Löwenzahn“. Eine der Folgen befasste sich mit Ameisen. Ich war damals total begeistert von der Idee, die Peter Lustig kam, als er eine Ameisenstraße mitten in seinem Bauwagenhaus entdeckte: Er baute den Ameisen aus Elementen einer Spielzeugeisenbahn eine kleine Stadt und ließ sie einfach weiter durchs Wohnzimmer krabbeln.

Heute wurde ich an diese Folge erinnert. Es ist inzwischen Hochsommer in Israel und die Temperaturen sind dauerhaft schweißtreibend, ganz egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Dieses Wetter hat natürlich nicht nur Auswirkungen auf den Eiskonsum der Menschen hier, sondern auch auf die kleinen Untermieter, die man eigentlich lieber nicht in der Wohnung sehen will.
Als ich gerade neu nach Israel gezogen war und mein Mann kurz darauf für einen knappen Monat Reservedienst leisten musste, übernachtete ich in dieser Zeit bei einer der Tanten, weil ich nicht alleine sein wollte. Man muss wissen, dass die Tanten allesamt einen Putzfimmel haben und ihre Wohnungen bestimmt dreimal die Woche sauber machen. Ich saß am Esstisch in der Küche und auf einmal kroch unter der Anrichte eine große Schabe hervor. In Deutschland sind Küchenschaben ein Zeichen für mangelnde Hygiene, ich hatte noch nie eine im Haus gesehen. Ich schaute die Tante erschrocken an und fragte mich insgeheim, wie das wohl zusammen passt – der Putzfimmel einerseits und diese dicke Schabe andererseits.
Innerhalb kürzester Zeit fand ich jedoch heraus, dass Küchenschaben im Nahen Osten aufgrund des dauerhaft warmen Wetters einfach überall anzutreffen sind und es nichts damit zu tun hat, wie oft jemand zum Putzlappen greift. Ich habe diese Mistviecher bereits einige Male dabei ertappt, wie sie sich verbotenerweise meiner Küche nähern wollten und ich kann nur sagen, dass es kein Happy End für sie gab…

Gedankenverloren riss ich heute Nachmittag die Verpackung einer Erdbeereiscreme auf und legte sie auf die Arbeitsplatte in der Küche. Dann ging ich ins Wohnzimmer, um mein Eis zu genießen. Als ich zurück in die Küche kam, überraschte mich eine ganze Kolonie von Ameisen, die überall auf dem Küchenboden und auf der Arbeitsplatte herumwuselten und sich über die Folie der Eiscreme hermachten. Eigentlich schaue ich Insekten gerne zu, wenn ich sie in der Natur sehe. Mein Mann kann ein Lied davon singen, weil ich nämlich jedesmal stehenbleibe, sobald ein großer schillernder Käfer meinen Weg kreuzt. Diese Ameisenkolonie ruinierte jedoch völlig meine durch das Erdbeereis erlangte Harmonie. Mein Mann hörte das auch sofort und stand eine Sekunde später in der Küchentür. Gemeinsam nahmen wir den Kampf gegen die Ameisen auf, die sich in absoluter Überzahl befanden. Wie hat Peter Lustig es geschafft, so entspannt auf die Ameisen in seinem Bauwagen zu reagieren? Ich werde mich jetzt mal informieren, ob Küchenschaben vielleicht Ameisen fressen. Wenn ja, könnten wir doch noch Freunde werden. Um eine Schabenplage mache ich mir keine Sorgen. Ich weiß nämlich, dass Katzen wiederrum Küchenschaben mögen…


7 responses to “Eine Ameisenarmee kämpft um Erdbeereis

  • stephsoul

    😀 thank you for this cute story🙂 I’m going to morocco, indonesia and the philippines soon. and d’you know what I’m thinking about? israel! how on earth can this country have such a huge magnetic pull on me??? it’s just not normal…

    • Saskia

      Wow! I’m SO looking forward to hearing about all your adventures!🙂
      Israel – that’s the place where my heart is, therefore I totally understand you😉

      • stephsoul

        my heart should be in morocco, and a part of it is, but… it’s such a dirty, stinky country (sorry). and I’m not interested at all to learn arabic! on the other side, with only a handful of “friends” in israel, I’m studying hebrew since like one year. I’m a freak!

  • leckerbox

    Deine Geschichte erinnert mich gerade an einen Spanienurlaub mit meinen Eltern vor 15 Jahren…da musste man auch immer alles direkt weg Spülen, sonst waren die Viecher da! Und eine Schabe habe ich einmal auf Fuerte im Bad gehabt, pfui die Dinger hasse ich. Aber Peter Lustig fand auch ich immer toll!🙂 Hab einen schönen Tag….hier sind es 14Grad und es regnet😦
    Liebe Grüße
    Simone

    • Saskia

      Liebe Simone, ich glaube, die meisten Leute denken, dass es in sonnigen warmen Ländern total idyllisch sein muss: weißer Sandstrand, Palmen, Spaziergänge in Flipflops und kurzer Kleidung… Aber zum Ausgleich für diese paradiesischen Zustände haben wir dann eben jede Menge Kakerlaken und bisweilen absolut undefinierbares Viehzeug in der Wohnung….😉
      Ich wünsch Dir auch einen schönen Tag, hoffentlich kommt bald bei euch die Sonne wieder durch🙂
      Liebe Grüße
      Saskia

  • vered

    Ameisen beobachte ich schon seit fast drei Monaten intensiv aber bei Küchenschaben (Dschukim, ja?) versagt meine Naturliebe. Das erste solche Viech wurde mit purem Economica übergossen. Es hat nicht lange gelitten, ich auch nicht, und seither hat sich keines mehr in unsere Küche gewagt..
    Wie hältst du es übrigens mit den Spinnen? Ich meine nicht jene grauslichen, die Lila aus dem seelischen Gleichgewicht bringen, vielmehr jene, die der Wohnung etwas Spitzweg´sche Romantik verleihen und sie von Fliegen rein halten. Ihnen kann ich nichts zu Leide tun, obwohl ihre www (wohnungsweite weben) sehr zu meinem Ruf als hoffnungslose Schlampe beigetragen haben.

    • Saskia

      In unserer Wohnung dürfen grundsätzlich keine ungebetenen Untermieter wohnen… Wir haben zum Glück kaum Spinnen in der Wohnung, den Hauptanteil im Sommer machen Ameisen und diese dicken kleinen Käfer (deren Name so klingt als wären sie iranische Diktatoren) aus.

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