Monthly Archives: June 2013

Israelfieber im tiefsten Bayern

Früher sehnte ich mich nach Urlauben an weißen Sandstränden mit türkisblauem Meer. In Israel habe ich das jeden Tag und seitdem sehne ich mich nach den grünen saftigen Wiesen und Wäldern Bayerns. Zum Glück liebt mein Mann die bayerische Natur genauso sehr wie ich, und so verbringen wir jedes Jahr mindestens einen Urlaub dort.
Eigentlich wollte ich meine Fotos von unserem wunderbaren Urlaub anschließend hier zeigen, aber etwas unerwartet Schönes ist meinem Vorhaben in die Quere gekommen.
Am besten ich beginne mit der Geschichte dort, wo sie auch ihren Anfang genommen hat. In einem kleinen Dorf in Bayern. Es war unser letzter Urlaubstag. Wir nahmen unsere Räder und fuhren durch die Felder und Wälder. Als wir durch besagtes kleines Dorf fuhren, hielt ich an und fotografierte diesen Bauernhof:

Bauernhof

Ein Junge joggte an uns vorbei und kehrte plötzlich um. Er kam auf mich zu und fragte, ob er uns helfen könne. Ich merkte sofort, dass er es wohl sehr komisch fand, wie ich diesen Bauernhof fotografierte. Also erzählte ich ihm, dass ich früher in der Gegend gewohnt habe und heute mit meinem Mann im Ausland lebe. Dass mich das Heimweh packt, jedesmal, wenn ich solche Bauernhöfe sehe und dass ich deshalb den Fotoapparat auf unsere Radtour mitgenommen habe.
Ich erfuhr, dass dieser Bauernhof den Eltern des Jungen gehört. Neugierig fragte er mich, in welchem Land ich heute lebe.
„In Israel“, antwortete ich ihm. „Ich bin wegen meinen Mann dorthin gezogen“.
– „Letztes Jahr hatten wir hier eine israelische Jugendgruppe bei uns! Dieses Jahr kommt wieder eine und ich werde nächsten Sommer sogar nach Israel fliegen und dort dann einige Zeit sein!“ rief er begeistert. Ich war sprachlos. Irgendwie rechnet man ja mit allerlei Reaktionen, wenn man offenbart, dass man in Israel lebt. Etliche Menschen reagieren darauf positiv und offen, aber leider wurde ich auch schon angefeindet von Leuten, die eine schräge Vorstellung von dem Land und den Menschen haben. Ich sage trotzdem immer stolz, dass ich in Israel lebe, denn ehrlich gesagt ist es mir ganz egal, welche Meinung Leute über dieses Land haben. Im Zweifel habe ich ja auch eine Meinung über Leute mit Vorurteilen….
Trotzdem war ich sehr überrascht von diesem Ereignis. Zur Erinnerung: wir befanden uns in einem der hintersten Winkel Bayerns, wo sicher nicht jeden Tag ein Jogger begeistert erzählt, dass er an einem deutsch-israelischen Jugendaustausch teilnimmt, während man sein Haus fotografiert und freimütig sagt, dass man in Israel lebt…

Am selben Abend machten wir eine Grillfeier im Garten meiner Eltern. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei ihnen für den besten Kuchen der Welt bedanken und dafür, dass sie uns so arglos ihren voll befüllten Kühlschrank überlassen haben…
Wenn ihr bald wieder zu uns zu Besuch kommt, werde ich mich mit einem richtig tollen Kuchen revanchieren!
Ich erzählte meinen Freunden beim Grillen von der witzigen Begegnung am Nachmittag im Nachbardorf. Daraufhin entgegnete mir einer meiner Freunde lässig: „Ach, das war bestimmt einer der Jugendlichen vom deutsch-israelischen Austausch, den der Günter jedes Jahr organisiert! Ich werd’ Dich mal mit Günter bekannt machen!“
Gesagt, getan. So ist der Kontakt zu Günter entstanden, der mir inzwischen sehr viel über sein Projekt erzählt hat.

Ein israelisches Dorffest in Bayern

Günter war Gemeinderat und Jugendbeauftragter einer Gemeinde mit 1100 Einwohnern. „Da die Menschen hier nicht viel erleben, wollte ich die Welt zu uns holen. Ich machte Feste zum Thema Amerika mit Indianern oder zum Thema Afrika mit lieben Freunden aus dem Kongo und Angola. Dann hatte ich die Jugendlichen gefragt was sie gerne hier haben wollten und da wir auch Glatzköpfe im Dorf hatten, wollten unsere intelligenten jungen Menschen “Israel”.“
Also kontaktierte er die Jüdische Gemeinde in München und stellte dort seine Idee vor, ein Israelfest im Dorf zu veranstalten. Die Überraschung über den Vorschlag war groß, doch das Fest fand tatsächlich statt, mit einer Klezmer Band, Tanz, mit israelischem Theater und vielen weiteren Veranstaltungen.

Der Anfang war nicht ganz einfach. Günter erzählt mir von einem Erlebnis, das er nie vergessen wird: „Bei den Vorbereitungen sagte meine Mutter zu mir, sie mache sich Sorgen um mich, da die Leute reden, ich wäre ein „Judenfreund“. Zuerst wurde mir ganz mulmig, dann wurde ich innerlich ziemlich sauer und sagte zu meiner Mutter, dass ich in einer Welt, die so denkt, nicht leben möchte und ich das jetzt machen werde, egal was passiert.“

Es gibt auf dem Land nach wie vor Neonazis, aber dank Menschen wie Günter sinkt ihre Zahl in der Region, aus der ich stamme, deutlich. „Sie haben durch unsere Aktionen Israel anders kennen gelernt. Es gibt zwar schon genügend Potenzial für ausländerfeindliches Denken, aber es gibt auch viele Möglichkeiten, die Menschen etwas schlauer zu machen. Eine wichtige ist die Begegnung zwischen Menschen, das verändert ihre Sichtweise.“
Die bayerischen Jugendlichen, die auf israelische Jugendliche getroffen sind, kamen anschließend zu Günter und baten darum, unbedingt wieder ein Treffen zu organisieren. Günter wünscht sich, in der Zukunft einen Film über die Jugendlichen verschiedener Herkunft zu drehen, über die rechtsradikalen Problemkinder, über die Zukunft der Jugendlichen und wie die Begegnungen mit den Israelis sie verändern.

Das erste Dorffest unter dem Motto „Israel“ fand im September 2005 statt. Anfangs wurde es zwar zögerlich aufgenommen: „Es waren noch nicht so viel Leute dabei, weil’s zum einen sehr “exotisch” war und zum anderen sehr heikel. Denn was ich nicht wusste war, dass die Menschen teilweise den Krieg und die Geschichte mit dem Holocaust nie richtig aufgearbeitet haben, vor allem nicht in so kleinen Dörfern. Und jeder trägt das im Unterbewusstsein mit sich herum. Die Jugendlichen waren zwar sehr neugierig, aber die Eltern hatten Ängste.“ Trotzdem wurde das Fest ein voller Erfolg. Günter knüpfte mit der Zeit etliche Kontakte, zur 60. Jahresfeier Israels lud die Jüdische Gemeinde ihn auf eine offizielle Feier ein. „Zum 60. Jahrestag von Israel war ich in den Bayrischen Hof eingeladen, mit 200 Gästen (unter ihnen Michel Friedmann und der deutsche sowie der amerikanische Botschafter). Mitten unter ihnen war ich mit meiner lieben Frau Annemarie. Es war wie im Film, tolles Programm, sehr interessante Menschen und eine koscheres Viergänge Menü – so etwas erlebt man nicht oft im Leben.“

Vom Dorffest zum Jugendaustausch

Günter wurde 2008 Trainer einer Mädchenfußballmannschaft. Um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, hatte er die Idee einer Jugendbegegnung. Er kontaktierte die Eltern der Mädchen und da die Resonanz sehr positiv war, begann er mit den Vorbereitungen. Er traf Menschen, die ihn aktiv dabei unterstützen und bald stand fest, dass eine Gruppe Jugendlicher aus Israel in das bayerische Dorf kommen würde. Die Planung und Organisation brachte viel Arbeit und Zeitaufwand mit sich, aber Günter bekam tatkräftige Unterstützung von vielen begeisterten Helfern. „Das Beste war natürlich, dass wir pubertäre Mädchen hatten und von Karmiel konnten nur Jungs kommen – ein Basketballteam. Das den Eltern zu erklären…“
Als die Jungs am Bahnhof eintrafen, begrüßte die Kolpingkappelle sie mit bayerischer Musik. „Es war der Wahnsinn, wie toll alles lief und wie schnell sich die jungen Menschen verstanden.“
Auf dem Programm stand neben Spaß auch ein Besuch im KZ Dachau. Zunächst wollte keines der Mädchen die Gedenkstätte besuchen und Günter musste viel Überzeugungsarbeit leisten. Letztlich gingen die Jugendlichen alle gemeinsam dorthin und es fand auch eine Gedenkzeremonie statt. „Den Mädchen ist ein Stein vom Herzen gefallen, ich hab’s richtig poltern gehört. Es war gut, dass wir das gemeinsam mit den israelischen Jungs erleben durften.“

Bevor die bayerischen Jugendlichen nach Israel kamen, besuchte Günter zum ersten Mal das Land im Rahmen einer Reise des BJR (bayerischer Jugendring). Begeistert erzählt er von Jerusalem und den Begegnungen mit den Menschen vor Ort.
„Jerusalem ist toll! Ich war im Orient, auf dem Dach des Österreichischen Hospiz und trank Melange. Wir besuchten auch ein Kibbuz, in dem junge Israelis auf die Soldatenzeit vorbereitet wurden. Dort traf ich einen sehr jungen netten Mann und sagte zu ihm, dass es für uns Deutsche nicht selbstverständlich ist, in den Krieg zu ziehen, und dass ich nicht weiß, ob ich das freiwillig machen würde. Er antwortete mir, dass es für Israelis selbstverständlich sei, ihr Land zu verteidigen, da es im Gegensatz zu Deutschland nur von Feinden umgeben ist. Da wurde mir klar wie gut es uns eigentlich seit über 60 Jahren in Deutschland geht, und wie wichtig für Juden das Land Israel ist, um eine Heimat zu haben.“

Die Reise nach Israel

Für die Jugendlichen war es nicht nur die erste Reise nach Israel, einige waren in ihrem Leben überhaupt noch nie mit dem Flugzeug verreist. Im Vorfeld äußersten sich einige Eltern sehr besorgt um ihre Kinder und hätten ihnen beinahe die Teilnahme nicht erlaubt. Günter brachte dafür vollstes Verständnis auf, organisierte eine Infoveranstaltung, sprach mit den Eltern und überzeugte sie letzten Endes. „Es waren zwei Väter und eine Mutter, die ziemlich Angst um ihre Töchter hatten. Es ist ja auch etwas sehr Wertvolles, so liebe Menschen. Mir wurde das sehr bewusst, dass die Eltern ihr Wichtigstes in ein Land gingen ließen, von dem wir in Deutschland glauben, dass es dort ständig Krieg gibt.“

Dann ging es los. 16 Jugendliche und 5 Erwachsene, darunter natürlich Günter und seine Frau, begaben sich auf den Weg zum Münchner Flughafen. In Israel erwartete sie bereits ein Freund, der die Gruppe empfing und nach Karmiel begleitete.
Die ersten Tage verbrachten sie in Karmiel und der Umgebung. Anschließend besuchten sie die Stadt Haifa, den See Genezareth, machten einen sportlichen Abstecher zum Jordan für ein Rafting auf dem Fluss und nahmen Teil beim Karmiel Tanzfestival. „Es war eine tolle Zeit, wir lernten das Land und die Menschen wirklich kennen und lieben!“ schwärmt Günter von der Reise.

Die Jugendlichen kehrten von der Reise um viele Eindrücke bereichert zurück nach Deutschland. Viele unter ihnen waren so beeindruckt, dass sie seitdem in einem Organisationsteam an zukünftigen Jugendaustauschprogrammen mit Israel arbeiten und neugierige Menschen aus ihrer Umgebung „anstecken“.

In der Welt zu Hause

Ich habe Günter als einen Menschen kennengelernt, der das Funkeln in den Augen seiner Mitmenschen sucht und der sich riesig freut, wenn er es findet. Seine Freundschaft ist eine echte Bereicherung und es gibt bereits Ideen, wie man den Kontakt ausbauen könnte. „Wenn du Lust auf Bayern hast, dann finden wir für euch immer einen Platz. Und vielleicht kann man das ja umgekehrt auch so machen, wenn Leute mal in Israel sein möchten, findet ihr einfach einen Platz. Dann wäre “zu Hause “schon viel größer…“
Und dann fügt er hinzu: „Ich hab mir viele Gedanken gemacht, wo meine Heimat ist, und ich denke, sie liegt überall dort, wo ich frei sein kann und doch viele Menschen als Freunde habe.“

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Eine Ameisenarmee kämpft um Erdbeereis

In meiner Kindheit schaute ich gerne Peter Lustig’s „Löwenzahn“. Eine der Folgen befasste sich mit Ameisen. Ich war damals total begeistert von der Idee, die Peter Lustig kam, als er eine Ameisenstraße mitten in seinem Bauwagenhaus entdeckte: Er baute den Ameisen aus Elementen einer Spielzeugeisenbahn eine kleine Stadt und ließ sie einfach weiter durchs Wohnzimmer krabbeln.

Heute wurde ich an diese Folge erinnert. Es ist inzwischen Hochsommer in Israel und die Temperaturen sind dauerhaft schweißtreibend, ganz egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Dieses Wetter hat natürlich nicht nur Auswirkungen auf den Eiskonsum der Menschen hier, sondern auch auf die kleinen Untermieter, die man eigentlich lieber nicht in der Wohnung sehen will.
Als ich gerade neu nach Israel gezogen war und mein Mann kurz darauf für einen knappen Monat Reservedienst leisten musste, übernachtete ich in dieser Zeit bei einer der Tanten, weil ich nicht alleine sein wollte. Man muss wissen, dass die Tanten allesamt einen Putzfimmel haben und ihre Wohnungen bestimmt dreimal die Woche sauber machen. Ich saß am Esstisch in der Küche und auf einmal kroch unter der Anrichte eine große Schabe hervor. In Deutschland sind Küchenschaben ein Zeichen für mangelnde Hygiene, ich hatte noch nie eine im Haus gesehen. Ich schaute die Tante erschrocken an und fragte mich insgeheim, wie das wohl zusammen passt – der Putzfimmel einerseits und diese dicke Schabe andererseits.
Innerhalb kürzester Zeit fand ich jedoch heraus, dass Küchenschaben im Nahen Osten aufgrund des dauerhaft warmen Wetters einfach überall anzutreffen sind und es nichts damit zu tun hat, wie oft jemand zum Putzlappen greift. Ich habe diese Mistviecher bereits einige Male dabei ertappt, wie sie sich verbotenerweise meiner Küche nähern wollten und ich kann nur sagen, dass es kein Happy End für sie gab…

Gedankenverloren riss ich heute Nachmittag die Verpackung einer Erdbeereiscreme auf und legte sie auf die Arbeitsplatte in der Küche. Dann ging ich ins Wohnzimmer, um mein Eis zu genießen. Als ich zurück in die Küche kam, überraschte mich eine ganze Kolonie von Ameisen, die überall auf dem Küchenboden und auf der Arbeitsplatte herumwuselten und sich über die Folie der Eiscreme hermachten. Eigentlich schaue ich Insekten gerne zu, wenn ich sie in der Natur sehe. Mein Mann kann ein Lied davon singen, weil ich nämlich jedesmal stehenbleibe, sobald ein großer schillernder Käfer meinen Weg kreuzt. Diese Ameisenkolonie ruinierte jedoch völlig meine durch das Erdbeereis erlangte Harmonie. Mein Mann hörte das auch sofort und stand eine Sekunde später in der Küchentür. Gemeinsam nahmen wir den Kampf gegen die Ameisen auf, die sich in absoluter Überzahl befanden. Wie hat Peter Lustig es geschafft, so entspannt auf die Ameisen in seinem Bauwagen zu reagieren? Ich werde mich jetzt mal informieren, ob Küchenschaben vielleicht Ameisen fressen. Wenn ja, könnten wir doch noch Freunde werden. Um eine Schabenplage mache ich mir keine Sorgen. Ich weiß nämlich, dass Katzen wiederrum Küchenschaben mögen…


My heart will go on

In der Metzgerei, in der ich immer Fleisch für meinen Mann einkaufe, spielt im Hintergrund eine total unpassende Musik. Eigentlich war mir das schon viel früher einmal aufgefallen, aber ich habe nicht so wirklich darauf geachtet. Als ich am Donnerstag Hähnchenschenkel kaufte und der Metzger sie mit einem riesigen Fleischermesser zerteilte, schallte im Hintergrund „My heart will go on“ von Celine Dion.
Würde in dieser Metzgerei im Hintergrund klassische Musik laufen, man käme sich direkt vor wie in einem OP-Saal der Neurochirurgie. Heavy Metal würde zu den Männern in dieser Metzgerei schon viel besser passen, aber ich vermute ja, dass eine Marktstrategie hinter der musikalischen Untermalung steckt. Heavy Metal käme besonders bei der weiblichen Kundschaft weniger gut an, auch wenn sie für mein vegetarisches Empfinden der Situation irgendwie angemessen wäre.
Der Inhaber der Metzgerei wird sich also gedacht haben: „Die Playlist soll beruhigend auf unsere Kunden einwirken und den Fleischkauf mit Romantik verknüpfen.“
Deshalb höre ich jedesmal Whitney Houston’s „I will always love you“ oder Richard Marx’ „Wherever you go“, ganz egal zu welcher Tageszeit ich diese Metzgerei betrete.


Impressionen vom Flohmarkt in Yafo

Am Freitag suchten wir auf dem Flohmarkt in Yafo nach einem Bücherregal für unser Wohnzimmer. Wir stöberten in unzähligen Läden, verloren uns in der Vergangenheit, öffneten verstaubte Schubladen von alten Schränken, fanden verblasste Fotos aus längst vergangenen Zeiten, stießen auf eine uralte Küchenwaage… Aber ein Bücherregal, so wie wir es uns ausgemalt hatten, fanden wir leider nicht.
Obwohl nicht von Erfolg gekrönt, war unser Ausflug dennoch wunderschön. Hier ein paar Impressionen:

Yafo

Eisenwaren

Davidstern

Möbel

Fassade

Reise in die Vergangenheit

Wer ist bereit, für eine ungeöffnete Flasche altes Coca Cola umgerechnet etwa 32 Euro zu bezahlen?

Wer ist bereit, für eine ungeöffnete Flasche altes Coca Cola umgerechnet etwa 32 Euro zu bezahlen?

Schallplatten

All photos by Saskia


In einem anderen Leben

Gestern Abend sind wir aus dem Urlaub zurückgekommen. Zurück in Israel hat uns eine Mauer aus Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit in Empfang genommen. Ich wäre beinahe direkt wieder in den Flieger zurück nach München eingestiegen. Beinahe.
Denn auf’s Zuhause habe ich mich dann doch sehr gefreut. Bevor ich ein paar Urlaubsbilder und Eindrücke hier zeige, stelle ich euch ein Lied vor, das ich gerne und oft höre. Es klingt auf Hebräisch deutlich poetischer als auf Deutsch, aber das ist ja meistens so bei Übersetzungen. Das “Zwischen den Zeilen” geht ein bisschen verloren, und die Schönheit des Klanges mancher Worte.

Das Lied heißt “Begilgul acher” und ist von Amir Dadon. Mein Mann hat ihn vor Kurzem fotografiert. Ich mag Amir nicht nur für seine Musik, sondern auch für seine nette und persönliche Art. Er ist ein ganz feiner Mensch, den ich sehr schätze.

יש בך את כל האור

ואני לא רואה דבר

איבדתי את התום שבלב

אל תחכי לי עוד אהובה

לכי לדרכך

אולי בגלגול אחר נפגש

 

את הדרך אני אעבור

ואשאל את כל השאלות

אהיה מוכן כשאראה אותך

אולי בגלגול אחר

יש בך את כל החום

ואני לא מרגיש כבר כלום

 

נגעתי בכל דבר שאסור

אל תחכי לי עוד אהובה

לכי לדרכך

אולי בגלגול אחר נפגש

 

Du trägst all das Licht in dir
und ich sehe nichts.
Ich verlor die Unschuld des Herzens.
Geh deinen Weg,
vielleicht werden wir uns in einem anderen Leben treffen.

Ich werde den Weg durchqueren
und ich werde all die Fragen stellen.
Ich werde bereit sein, wenn ich dich sehe,
vielleicht in einem anderen Leben.

Du trägst all die Wärme in dir
und ich fühle gar nichts.
Ich habe all das Verbotene berührt.
Warte nicht länger auf mich, meine Liebe,
geh deinen eigenen Weg.
Vielleicht werden wir uns in einem anderen Leben treffen.

Text und Musik: Amir Dadon