Koscheres Essen

Heute stolperte ich über einen Artikel, der sich der Frage widmete, ob Briefmarken „koscher“ sind. Für jemanden, der sich mit diesem Thema überhaupt nicht befasst, mag diese Frage völlig abwegig erscheinen, schließlich sind Briefmarken ja nicht zum Verzehr gedacht.
Mich brachte das jedoch auf die Idee, näher auf das Thema einzugehen, zumal ich von Freunden in Deutschland schon öfters danach gefragt wurde, was koscheres Leben bedeutet, welche Hintergründe es hat und wie das im Alltag aussieht.

Keine Sorge, ich werde mich diesem Thema nicht wie ein Wissenschaftler nähern und eine trockene Abhandlung darüber schreiben. Stattdessen beginne ich mit dem ersten (kulinarischen) Kontakt, den mein israelischer Mann mit meiner deutschen Familie hatte. Wir hatten einen Urlaub bei meinen Eltern in Bayern geplant und meine Mutter fragte mich schon vor unserer Ankunft ganz aufgeregt, was sie denn ihrem zukünftigen Schwiegersohn kochen solle.
„Mach dir keine Sorgen darüber, er isst nicht koscher.“
– „Ja darf ich ihm denn Wurst zum Frühstück anbieten, während wir Käse essen?“
Man muss dazu sagen, dass meine Eltern, genauso wie ich, Vegetarier sind.
„Klar. Ihm ist das völlig egal. Er hält sich nicht an die Regeln koscheren Essens.“
– „Aber wo soll ich denn die Wurst für ihn kaufen?“
Meine Mutter entspannte sich erst, als mein Mann glücklich nach dem Schinken griff und ihn schon beinahe stapelweise auf seinem Frühstücksbrot drappierte.

Mein Mann und sein Vater sind mit ihren Essgewohnheiten in der riesigen israelischen Familie die Ausnahme, alle anderen Familienmitglieder halten sich an die Regeln des Kaschrut und kämen niemals auf die Idee, Schweinefleisch zu essen oder Käse und Fleisch zu mischen.

 

Wann ist Essen koscher?

Koscheres Essen bedeutet aber viel mehr, als nur Käse und Fleisch nicht gleichzeitig zu verzehren. Es gibt etliche Regeln, die mitunter ziemlich verwirrend sein können. Je stärker religiös Juden sind, desto komplexer werden diese Regeln.

Das Wort „koscher“ kommt von dem Wort „kaschura“, was „korrekt“ bedeutet oder auch „den Regeln entsprechend“. In Hebräisch besteht das Wort „koscher“ aus nur drei Buchstaben – כשר- und wird „kascher“ ausgesprochen. Die Aussprache mit dem „o in der Mitte führt lustigerweise in Israel zu einer völlig anderen Bedeutung, nämlich Fitness – aber das nur ganz am Rande.

Bevor ich nach Israel kam, dachte ich immer, „koscher“ bedeutet, dass Milch und Fleisch nicht vermischt werden dürfen und dass die Tiere auf eine bestimmte Weise geschlachtet werden müssen, dem Schächten, damit das Fleisch nicht vom Blut verunreinigt wird.
Als ich dann nach Israel kam, stellte ich fest, dass auf all unseren Küchenprodukten etliche Gütezeichen und Siegel waren, die zertifizierten, dass es sich um koschere Waren handelte. Ich fragte meinen Mann verwirrt: „Wie kann Spülmittel nicht koscher sein? Wozu braucht man einen Stempel darauf, der bestätigt, dass dieses Spülmittel koscher ist?“

„Koscher“ erstreckt sich auf verschiedene Ebenen. Zum einen ist da die Ebene der Lebensmittel selbst. Es müssen die folgenden, vereinfacht dargestellten Voraussetzungen erfüllt sein, damit Tiere verzehrt werden dürfen:

• Geflügel muss domestiziert worden sein. Wildvögel wie beispielsweise Adler oder Eulen sind nicht koscher.
• Fleisch muss von Wiederkäuern stammen, die gleichzeitig Paarhufer sind. Darunter fallen Ziegen, Kühe, Schafe, nicht jedoch Pferde, Kamele, Schweine oder Hasen (was mich als Vegetarier besonders freut, weil ich Häschen so niedlich finde). Theoretisch dürfen Juden also Giraffen essen, diese sind nämlich Wiederkäuer und Paarhufer. Allerdings habe ich bislang noch keine Giraffe auf den hiesigen Speisekarten gefunden…
• Fische müssen Schuppen und Flossen haben. Haie fallen beispielsweise nicht darunter, weil sie zwar Flossen haben, jedoch keine Schuppen.
• Sonstiges Meeresgetier ist grundsätzlich nicht koscher, Garnelen, Hummer, Langusten und Muscheln oder Tintenfische dürfen nicht gegessen werden.
• Reptilien gelten insgesamt als nicht koscher
• Insekten sind mit Ausnahme einer Heuschreckenart (warum auch immer) unkoscher.

Die Produkte der Tiere sind entsprechend koscher oder eben unkoscher. Die Milch vom Pferd ist also unkoscher, während beispielsweise Schafskäse koscher ist. Es gibt eine Ausnahme von dieser Regel: Honig. Obwohl Bienen als Insekten unkoscher sind, ist ihr Honig koscher.

Pflanzenprodukte wie Getreide, Gemüse und Obst sind generell koscher.

Eine weitere Ebene der Kaschrut bezieht sich auf die Zubereitung. Wird ein grundsätzlich koscheres Tier nicht „richtig“ geschlachtet, so wird es dadurch unkoscher. Ebenso wird Essen unkoscher, wenn es mit unkoscheren Bestandteilen vermischt wird.
Milch und Fleisch dürfen niemals zusammen verarbeitet und gegessen werden. Diese beiden Lebensmittel müssen strikt voneinander getrennt bleiben und liegen auch im Kühlschrank in getrennten Fächern.
Es gibt noch weitere Verarbeitungsregeln für Essen, zum Beispiel dass vor dem Kochen alles gründlich gereinigt werden muss (Salatblätter und auch Reiskörner werden also sorgältig inspiziert). In orthodoxen Kreisen gilt Essen auch dann als unkoscher, wenn es nicht von einem Juden zubereitet worden ist.

 

Koscher für Pessach

An Pessach gelten zusätzlich zu den bereits genannten noch weitere Regeln, die unbedingt beachtet werden müssen. Ich bin auf diese Vorschriften bereits in einem Artikel über Pessach näher eingegangen.

 

Wie sieht koscheres Leben im Alltag aus?

Ich habe in Israel die verschiedensten Menschen mit den unterschiedlichsten Essgewohnheiten kennengelernt. Meinen Mann habe ich bereits erwähnt, er hält sich nicht an die Regeln und ein positiver Nebeneffekt ist für mich, dass ich mir nicht allzu viele Gedanken zu Hause beim Kochen machen brauche.
Das extreme Gegenteil davon ist mein Arbeitskollege Shimon. Er kommt aus einer streng orthodoxen Familie und die Einhaltung der Regeln des Kaschrut ist für ihn so elementar und wichtig, dass er niemals eine Ausnahme davon machen würde.
An meinem Geburtstag brachte ich einen Kuchen mit ins Büro. Shimon rührte ihn absolut nicht an und als ich ihn fragte, erklärte er mir, warum er meinen Kuchen nicht essen darf. Meine Küche ist nicht koscher.
Es ist nämlich so, dass streng gläubige Juden nicht nur die oben genannten Regeln einhalten müssen, sondern ihre komplette Küche nach „milchigen“ und „fleischigen“ Lebensmittelkategorien aufgeteilt sein muss. Dies bedeutet in der Praxis, dass es zwei Sets Geschirr gibt, zwei Sets Besteck, zwei Sets Küchenmesser, und so weiter. Alles ist in zweifacher Ausführung vorhanden, denn der Teller, auf dem ein Stück Fleisch lag, darf niemals für Nudeln mit Käsesoße benutzt werden. Damit man nicht mit den Pfannen und den Geschirrsets durcheinander kommt, haben die Utensilien unterschiedliche Farben. Oft ist das Set für milchige Speisen blau-, während das Set für Fleischiges rot gekennzeichnet ist.

Im Ergebnis ist also meine komplette Küche unkoscher, selbst wenn ich keine Mahlzeiten zubereite, bei denen Milch und Fleisch miteinander vermischt oder gemeinsam serviert werden.

Wenn ich Freunde zum Essen einlade, erkundige ich mich vorher genau nach ihren Essgewohnheiten. Etliche meiner Freundinnen halten sich strikt an die Regeln und essen keine Fleisch- und Milchprodukte zusammen. Das bedeutet auch, dass ich nicht nach einem Abendessen als Nachspeise normales Eis oder Cremetorte servieren kann. Je nach der persönlichen Handhabe wird nach dem Verzehr von Fleisch noch eine Zeit von einer bis sechs Stunden eingehalten, bis wieder etwas Milchiges gegessen werden darf. Meine Nachspeisen sind daher ausschließlich „parwe“, also „neutral“.

In Israel gibt es im Supermarkt eine riesige Auswahl an Schokoladen und Eiscremes, die keine Milch enthalten. Sie werden aus Soja und vegetabilen Ölen hergestellt, die im Geschmack und in ihrer Konsistenz den entsprechenden Milchprodukten sehr ähneln.
Diese „parwene“ Gerichte dürfen mit sowie nach Fleisch ebenso serviert werden wie mit oder nach Milchprodukten. „Parwe“ sind natürlich Nudeln, Reis, Obst, Kaffee und auch Eier.

Ich kann in meiner Küche nicht für Freunde wie Shimon kochen. Egal, wie sorgfältig ich vorgehe und wie sehr ich mich bemühe, die Lebensmittel voneinander zu trennen, meine Küche bleibt dennoch für orthodoxe Juden ein unkoscherer Ort.
Wenn mein Mann und ich zu einer Party einladen, dann kaufen wir Einmalbesteck und Pappgeschirr. Das ist zwar leider nicht besonders umweltfreundlich, aber der einzige Weg, um es allen Gästen zu ermöglichen, bei uns zu Hause zu essen. Shimon greift dann zu den Kuchen, die ich extra für ihn aus einer zertifizierten Bäckerei gekauft habe und die nicht mit unserem Porzellan in Berührung kamen…

 

Zertifikate für koschere Produkte

Das Zertifikat ist ein wichtiger Bestandteil der koscheren Esskultur. Wie wissen Juden, welche Lebensmittel entsprechend der Regeln des Kaschrut hergestellt wurden? Weltweit zertifizieren Rabbiner Produkte, nachdem sie deren Herkunft und Herstellung überprüft haben.
In Israel hat das zur Folge, dass es gesamte Supermarktketten gibt, die koscher oder unkoscher sind. Geht man in einen koscheren Supermarkt, wird man kein unkoscheres Produkt dort finden, weil die Supermarktketten es ablehnen, unkoschere Produkte überhaupt in ihr Sortiment aufzunehmen. Sie wollen es ihren Kunden so leicht wie nur möglich machen und ihnen den suchenden Blick nach dem Zertifikat auf der Verpackung ersparen.
Das hat zur Folge, dass in Israel eben auch Spülmittel oder Putzlappen als koscher zertifiziert werden, weil sie sonst nicht in das Sortiment eines koscheren Supermarktes aufgenommen würden.

kashrut certificate

Leider hat dieses System natürlich auch seine Macken. Die Zertifikate kosten eine Menge Geld. Der Hersteller von Lebensmitteln muss jährlich (vielleicht auch in kürzeren Abständen, das weiß ich nicht genau) eine beträchtliche Summe dafür bezahlen, dass seine Lebensmittel kontrolliert und erneut als „koscher“ zertifiziert werden.
Meine Schwiegereltern besaßen jahrelang eine kleine Bäckerei. In Israel werden in Bäckereien ausschließlich milchige und neutrale Produkte verarbeitet. So etwas wie „Käse-Schinken-Stange“ gibt es hier selbstverständlich nicht. Das Zertifikat vom Kaschrut kostet eine Menge Geld und so beschlossen meine Schwiegereltern, das Zertifikat nicht mehr zu bezahlen. Sie schrieben stattdessen ein Schild auf dem stand, dass alle Backwaren koscher sind. Trotzdem brach ihnen die Kundschaft innerhalb weniger Tage fast komplett weg. Die Menschen akzeptierten die Erklärung nicht, die mein Schwiegervater ihnen gab. Ohne Zertifikat kein Vertrauen in das Produkt.
Also zahlten meine Schwiegereltern wieder dafür und die Kundschaft kehrte zurück.

Eine ähnliche Geschichte passierte mir und meinem Mann bei den Vorbereitungen für unsere Hochzeitsfeier. Wir mieteten einen Saal mit Catering. Alkoholische Getränke waren im Preis nicht inbegriffen. Wir hatten die Wahl, entweder selbst alkoholische Getränke zu kaufen oder einen Barservice zu mieten. Wir entschieden uns für die günstigere Variante und beschlossen, den Alkohol selbst zu kaufen. Unser erster Gedanke war natürlich, ihn aus einem Deutschlandurlaub mitzubringen, da der Alkohol in Israel erheblich teurer ist. Der Betreiber des Saals lehnte diese Option jedoch sofort ab und erklärte uns, er könne nur Getränke ausschenken, die als „koscher“ zertifziert wurden. Damit waren wir gezwungen, die Getränke in einem teuren Fachgeschäft in Israel zu kaufen.

 

Hintergründe

Obwohl es mir manchmal ein bisschen seltsam vorkommt, vor allem wenn Shimon mal wieder ein Stück Schokolade ablehnt, nur weil auf dem Staniolpapier kein Zertifikat drauf ist, haben die Kaschrutregeln doch eine erhebliche Bedeutung.
Auf die Frage, warum Juden koscher essen, gibt es zunächst eine Standardantwort, die ich persönlich absolut unbefriedigend finde: Weil im 5. Buch Mose steht „Du sollst das Böcklein nicht kochen in der Milch seiner Mutter.“
Es gibt natürlich darüberhinaus verschiedene religiöse Erklärungsansätze, die ich jedoch mangels theologischer Tiefenkenntnisse nicht ausführlich vermitteln kann. Manche Theologen sagen, Gott habe dem jüdischen Volk die Regeln des Kaschrut auferlegt als Zeichen seiner Autorität. Die Regeln seien daher anzunehmen und nicht zu hinterfragen.
Chassidische Theologen wiederrum vertreten die Meinung, dass es eine Verbindung zwischen dem menschlichen Leben auf der Erde und dem Universum gibt und der weltliche Lebensraum in einer interaktiven Verbindung mit dem Göttlichen stehe. Durch Taten können Juden „Funken“ von Heiligkeit auf der Erde freisetzen. Zumal das Essen von Tieren ebenso eine Tat darstelle, die mit der Göttlichkeit interagieren kann, müsse darauf geachtet werden, welche Tiere rituell rein sind und welche nicht.

Neben den philosophischen Theorien gibt es das Argument der Hygiene. Auf den ersten Blick erscheint es sehr logisch. Im mediterranen Klima könnte beispielsweise der Verzehr von schlecht gelagerten Garnelen zu gesundheitlichen Problemen führen. Es ist auch denkbar, dass Schweinefleisch „unrein“ ist, weil es von einem Tier stammt, dass alles frisst, was man ihm vor die Nase setzt und dazu gehört sogar das Fleisch anderer Tiere. Könnte das nicht ungesund sein? Die Lagerung von Schweinefleisch stellte in der Vergangenheit in heißen Ländern ein Problem dar, weil es schneller verdarb. Auch die Vorschrift des Schächtens klingt sinnvoll, gerissene Tiere dürfen beispielsweise nicht zu Essen verarbeitet werden. Allerdings kann die Hygiene nicht alle Regeln bis ins Detail erklären, etliche Tiere müssten demnach unbedenklich sein und trotzdem fallen sie unter die Kategorie der unkoscheren Tiere.

Weltweit leben Juden nach Vorschriften der Kaschrut. Es ist ein Merkmal, dass sie von Menschen anderer Religionen stark unterscheidet. Bei Muslimen und Christen gibt es zwar auch teilweise ähnliche Regeln, aber sie unterscheiden sind bei genauerem Hinsehen dennoch von den Geboten des koscheren Lebens. Eine enge Freundin antwortete mir auf die Frage, warum sie koscher esse, mit einer für mich sehr überzeugenden Erklärung. Sie sagte mir, dass die Einhaltung der Kaschrutregeln die Zugehörigkeit zum Judentum zeigten. Obwohl das Judentum sich nach außen hin sichtbar nicht nur durch seine Essensregeln von anderen Religionen abgrenzt, sondern auch durch die Einhaltung des Shabbat und durch Gebete, ist eine koschere Lebensweise dennoch das wahrscheinlich deutlichste Zeichen der Zugehörigkeit.

 

Wissenswertes

In Israel gibt es McDonalds, aber selbst diese Fastfoodkette ist an fast allen Orten hier koscher. Man bekommt also keine Cheeseburger…

Israelische Restaurants öffnen ihre Küchentür für jedermann, der sich von der „Reinheit“ der Küche selbst überzeugen möchte. Man kann darum bitten, einen Blick in die Küche werfen zu dürfen, um die Verarbeitungsprozesse zu sehen und sich zu vergewissern, dass das servierte Essen tatsächlich koscher ist. Normalerweise ist dies nicht notwendig, wenn das Restaurant ein Zertifikat besitzt, aber streng orthodoxe Juden machen dies bisweilen.

Wenn Juden, denen die Einhaltung der Kaschrutregeln sehr wichtig ist, auf Reisen gehen, erkundigen sie sich entweder vorneweg bereits ausführlich darüber, wo sie koscher Essen gehen können, oder sie bringen Lebensmittel aus Israel mit.

Um auf die Briefmarke vom Anfang zurückzukommen – sie hat natürlich das „koscher“ Zertifikat bekommen, weil die Gummierung auf der Rückseite heute ohne tierische Inhaltsstoffe in Israel produziert wird…


7 responses to “Koscheres Essen

  • yehuda

    Ja, stimmt, Giraffen wären koscher, praktisch aber schwer zu schächten.😉

    Ansonsten ist es in Israel mit den Kaschrut natürlich wesentlich einfacher, weil es überall nen Hechscher von vertrauenswürdigen Rebben gibt. Hier in Deutschland braucht man schon fast ein Grundstudium in Lebensmittelchemie, um herauszufinden welche Emulgatoren tierische oder pflanzliche Speisefettsäuren verestern. Die vor einigen Jahren bei manchen deutschen Produkten vorhandenen Kaschrut-Hinweise sind inzwischen fast alle auf muslimischen Protest verschwunden.

    • Saskia

      Das ist ja der Hammer. Ich habe früher in Deutschland darauf nie geachtet, oder besser gesagt, lediglich als Vegetarierin darauf geschaut, welche Inhaltsstoffe die Produkte haben, ohne Zusammenhang zur Kaschrut.
      Gibt es in Augsburg koschere Lebensmittelläden und Restaurants? In München kenne ich welche, und in Berlin.
      Ein toller Nebeneffekt der Kaschrutregeln in Israel ist, dass hier das Essen in Restaurants deutlich leichter und gesünder ist. Außerdem habe ich auch das Gefühl, dass insgesamt die Restaurants sauberer sind und auch das Essen immer sehr frisch ist.🙂

      • yehuda

        Koschere Läden in diesem Sinne gibt es nicht. Auch in München sollte man da aufpassen, da man sonst fahrlässig jüdische Küche grundlos mit koscher gleichsetzt.

        Es gibt aber Kaschrut-Listen vom Orthodoxen Rabbinat mit denen man sich etwas orientieren kann, ansonsten liegt es an der Eigenverantwortung, wobei Kriterien wie vegan durchaus hilfreich sein können. Man muss eben nachdenken. Aber das ist eher gut für den eigenen Kopf, als sich zu sehr auf Labels zu verlassen. Zum Glück bin ich aber auch von zwei Vegetariern erzogen worden und esse nur sehr selten mal fleischig (zuletzt wohl vor vier Jahren ?):

      • Andreas Moser

        Ich bin weder gläubig noch religiös noch lasse ich mir etwas vorschreiben, aber ich stimme zu, daß sich die Koscher-Regeln gut auf die Qualität des Essens in Israel auswirken. Für jemanden wie mich, der keine Meeresfrüchte mag und der im Kebab Schweinefleisch nicht vom Rindfleisch unterscheiden kann, macht das alles einfacher.

  • Alonso

    Da ich keine Milch und Milchprodukte vertrage, muss ich in Deutschland immer die Zutatenliste durchlesen um zu erfahren, ob etwas milchiges vorhanden ist. Wenn ich in Israel bin, ist es für mich viel einfacher darauf zu achten, denn wenn ich das Kosher-Label Parve sehe, brauche ich nicht weiter zu lesen, ich kann es problemlos essen.
    Was ich zu dem sehr schönen Beitrag sagen möchte ist, dass es immer sehr interessant für mich zu sehen ist, wie Menschen, die vorerst mit den jüdischen Speiseregeln sich nicht auskennen, sich diese aneignen und wie sie diese dann sehen und erklären. Ich lerne dabei immer was dazu, auch wenn es nur eine andere Sichtweise ist.

    Ich würde noch gerne etwas ergänzen: zu einem Kosher-Siegel für Restaurants gehören auch Regeln, die mit den Speisegesetzen an sich nichts zu tun haben. Z. B. kommt regelmäßig ein Vertreter des Rabbinats vorbei um das Gebot des Zehnts zu vollziehen. Leider wird das nicht gespendet, sondern es wandert als Opfer für den Allmächtigen in den Müll.

    Einen weiteren Punkt bezüglich der Problematik der Veganer möchte ich noch ansprechen. Nicht alles Gemüse und Obst ist auch immer kosher. Nur die Früchte, die von Bäumen stammen, die älter als 3 Jahre sind, sind koshere Früchte. Früchte von Bäumen, die jünger als 3 Jahre sind, sind definitiv nicht kosher und dürfen somit auch nicht gegessen werden.
    Die Vegetarier haben ihre regulären Probleme mit der Milch. Es gibt auch in Israel viele importierte Waren, die kosher gekennzeichnet sind, auch wenn Sie Milch enthalten, und nur mit der Bemerkung “Chalav Nochri”.

    • Saskia

      Vielen Dank für diese Hinweise! Ich persönlich bin auch ein großer Fan der parwenen Produkte, da ich das Problem mit den Milchunverträglichkeit nur allzu gut kenne.

      Die Sache mit den Früchten von Bäumen, die jünger als 3 Jahre alt sind, ist mir bekannt. Ich wollte allerdings meinen bereits über 4 Din A4 Seiten langen Text nicht noch verlängern, zumal für Menschen, die gar keinen Bezug zu diesem Thema haben, whrscheinlich dieses Detail nur weitere Fragezeichen aufwirft. Ich finde es aber sehr gut, dass Sie in Ihrem Kommentar darauf hingewiesen haben.

      Für mich ist es sehr schön, wenn ich Feedbacks und Antworten auf meine Blogbeiträge erhalte. Besonders bei Themen wie diesem erweitere ich dadurch mein Wissen und lerne neue Aspekte zu den Themen kennen🙂

  • Andreas Moser

    Ich lebte mal zwei Monate in einer WG in Los Angeles mit einem diesbezüglich sehr strengen Mädchen, die mich beim Abspülen immer argwöhnisch beäugte, ob ich ja nicht die Milchproduktegabel und die Fleischproduktegabel zusammen abwasche.
    Nach einigen Tagen war es mir zu bunt und ich habe mir meine eigenen Teller, Gabeln und Messer gekauft. Außerdem war ich ab da extrem oft in den Fast-Food-Schuppen in der Gegend aufzufinden.

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