Monthly Archives: April 2013

Das Künstlerhaus von Reuven Rubin

In der Bialik Street Nummer 14 in Tel Aviv befindet sich ein kleines Kunstmuseum. Es ist das charmante Haus von Reuven Rubin, einem 1893 in Rumänien geborenen Maler, der sich Zeit seines Lebens mit moderner jüdischer Geschichte auseinandersetzte und nicht nur eine herausragende Vielfalt an Zeichnungen und Gemälden zu diesem Thema schuf, sondern nach der Staatsgründung Israels auch der erste israelische Botschafter in Rumänien wurde.

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Als junger Mann studierte Rubin an Kunstakademien in Jerusalem und Paris. Er freundete sich mit anderen Künstlern an und reiste nach New York, Italien und in die Schweiz. Seine Bilder spiegeln die verschiedenen Einflüsse und künstlerischen Strömungen stark wider. Einige von Rubins Gemälden erinnern an Chagall, andere wiederum an Gaugin und wieder andere an Modigliani und Cezanne. Ich bin absolut begeistert von dem kleinen Museum und den Werken Reuven Rubins.

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Reuven Rubin starb 1974 in Tel Aviv. Sein Haus und einige Werke hatte er bereits zuvor der Stadt vermacht, 1983 eröffnete das Rubin Museum. Im oberen Stockwerk des Hauses kann man noch heute sein Künstlerzimmer sehen. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie er dort mit Pinsel und Palette vor der großen Leinwand gestanden hatte und malte. Wie meistens bei Museumsbesuchen, betritt man auch hier nicht nur eine Kunstausstellung, sondern eine Oase der Ruhe inmitten der lauten Stadt. Die Bialik Street ist eine Seitenstraße der chaotischen Allenby Street, unweit des Carmel Marktes.

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Für Informationen zu den Besucherzeiten:
http://www.rubinmuseum.org.il/home.asp

All photos by Saskia

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Flussbettwanderung in Galiläa

Vergangene Woche habe ich eine Flussbettwanderung am Toten Meer vorgestellt. Diese Woche möchte ich einen Wanderweg durch ein Flussbett im Norden Israels empfehlen.

Wir packten am frühen Morgen unsere Rucksäcke und mein Mann griff nach seinen Converse All Stars. Ich fragte ihn noch, ob er wirklich mit diesen Schuhen auf Wandertour gehen wolle, aber wenn mein modebewusster Ehemann mal eine Entscheidung getroffen hat, sind selbst gute Argumente zwecklos. Ich nahm meine Trekkingsandalen und dann zogen wir auch schon die Haustüre hinter uns zu.
Bei jedem unserer Ausflüge in den Norden Israels machen wir eine Frühstückspause an einer ganz bestimmten Raststätte. Ich freue mich darauf jedes Mal und anscheinend ist inzwischen mein Gehirn so konditioniert, dass ich sofort beste Reiselaune bekomme, sobald ich dieses Café von weitem sehe.
Wir saßen also eine halbe Stunde dort, tranken schwarzen Kaffee und aßen ein Sandwich und dann fuhren wir weiter nach Galiläa.

Der Hasbani, auch Nahal Snir genannt, ist ein aus dem Libanon kommender Strom, der zeitweise sehr stark werden kann, vor allem in den Wintermonaten. Er ist einer der drei Quellflüsse des Jordan, neben Banyas und Dan.
Das Nahal Snir/Hasbani Naturreservat nahe Kiryat Shmona bietet viele Möglichkeiten für einen Ausflug. Wie in fast allen israelischen Reservaten gibt es Wege, die für Familien mit Kindern und sogar für Menschen mit Gehbehinderungen sehr gut geeignet sind, und daneben gibt es auch sportliche Pfade, die querfeldein und durch holpriges Gelände führen. Der Weg durch das Flussbett ist durchaus auch für Familien geeignet, aber die Kids sollten trittsicher sein und keine Scheu vor wirklich kaltem Wasser haben. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist die Wanderung ein richtiges Abenteuer. Man kommt vorbei an einer Kulisse, die auch aus dem Set von „Herr der Ringe“ stammen könnte. Knorrige Wurzeln die Steine umklammern, Wasserfälle, geschlungene Pfade…

Mein Mann stapfte mit seinen All Stars durchs Wasser und stellte irgendwann fest, dass er die Schuhe zu Hause wohl entsorgen müsse, weil sie an der Sohle aufbrachen. Da ich kein „Ja das hab ich dir doch gleich gesagt!“-Typ bin, sagte ich ihm stattdessen erfreut, dass wir uns dann vielleicht gemeinsam neue All Stars kaufen könnten. Ich liebe es nämlich, dieselben Schuhe wie mein Mann zu tragen.

An einigen Stellen führt der Wanderweg über große Steine, an denen Griff- und Tritteisen befestigt sind. Man hangelt sich so über ein paar unwegsame Stellen und macht dabei eine Figur, die man später nicht unbedingt auf Fotos wiedersehen möchte. Mein Mann fotografierte fleißig…

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Im Anschluss an die Wanderung aßen wir in einem unserer Lieblingsrestaurants. Es befindet sich in Ramot am See Genezareth. Ramot liegt etliche Meter höher und man hat von dem Restaurant aus einen wundervollen Ausblick auf den See. Das Restaurant „Moshbutz“ (der Name ist eine Mischung aus „Moshav“ und „Kibbuz“) ist berühmt für seine hervorragenden Steaks und selbst Vegetarier, wie ich es bin, finden auf der Speisekarte garantiert etwas Leckeres.

All photos by Saskia


Erinnern und niemals vergessen

Ich glaube, der Tod ist für uns nicht abstrakt begreifbar.

Wir begreifen nicht, dass sechs Millionen Juden im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden. Wir wissen es zwar, aber wir können es nicht fühlen. Der Verlust eines geliebten Menschen bedeutet unendlichen Schmerz. Wir aber haben heute keine Schmerzen, die uns die Luft zum Atmen nehmen und im Herzen stechen, wenn wir an den Holocaust denken. Wir kennen ihn aus Büchern und Dokumentationen. Wir sehen Bilder, Schwarzweiss oder in Sepia, und sind bewegt. Betroffen. Erschüttert. Aber wir begreifen nicht, was die Menschen durchmachen mussten. Wir begreifen nicht einmal, was sechs Millionen wirklich bedeutet.

Heute ist der Yom HaShoah, der Holocaust-Gedenktag. In Israel wird am Vormittag die Zeit stehen bleiben, die Menschen werden innehalten in dem Moment, in dem die Sirenen ertönen und die Schweigeminuten ankündigen. Die Autos werden auf den Straßen anhalten und die Leute werden aussteigen. Es gibt Touristen, die das fotografieren, und ich frage mich jedes Mal, ob sie verstanden haben, um was es hier eigentlich geht.

Es geht darum, eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte niemals zu vergessen und sich bewusst daran zu erinnern. Es geht darum zu begreifen, dass Menschen ermordet wurden, weil sie als Juden auf die Welt kamen. Ihr Leben wurde ausgelöscht, aber ihre Namen und Gesichter dürfen niemals ausgelöscht werden.

 

TEL AVIV, ISRAEL - AUGUST,08, 2009 :  B11647. Auschwitz survivor Leo Luster, born in Austria was tattooed with #B11647 from the Auschwitz concentration camp. "To me, this is not a scar. It is a medal. Why should I be ashamed of it? The people who put it there should be ashamed, not me".(photo by Uriel Sinai)

TEL AVIV, ISRAEL – AUGUST,08, 2009 :
B11647. Auschwitz survivor Leo Luster, born in Austria was tattooed with #B11647 from the Auschwitz concentration camp. “To me, this is not a scar. It is a medal. Why should I be ashamed of it? The people who put it there should be ashamed, not me”.(photo by Uriel Sinai)


Flussbettwanderung im Süden Israels

Mein Geheimtipp für einen Ausflug ans Tote Meer ist eine Wanderung durch das Flussbett des Arugot. Der Wanderweg ist zwar in jedem Reiseführer beschrieben, aber dennoch begegnet man kaum Touristen auf dieser Wanderung. Obwohl man als Reisender natürlich sehr leicht der Versuchung erliegen kann, sich im salzigen Wasser des Toten Meeres treiben zu lassen anstatt eine Trekkingtour zu machen, ist der „Nahal Arugot“ eine Bereicherung für jede Reise ans Tote Meer.

Die Wanderung kann wahlweise durch das Flussbett oder auf den Felsen neben dem Fluss gemacht werden. Ich persönlich bevorzuge die Wanderung durch das Flussbett, weil sie schattiger und erfrischender ist. Man läuft direkt im Wasser, das jedoch an den meisten Stellen kaum über die Knöchel reicht. Am Ende der Wanderung gelangt man zu einem kleinen Wasserfall.

Von Jerusalem zum Toten Meer kommend kann man den „Nahal Arugot“ nicht verfehlen, er liegt unmittelbar am Fuße des Kibbuz Ein Gedi.
Frühling und Herbst sind die besten Jahreszeiten für die Wanderung, die nicht besonders anspruchsvoll ist, aber durch die Temperaturen von über 30 Grad und die starke Sonneneinstrahlung dennoch Kraft kostet.
Vor zwei Jahren wollten mein Mann und ich die Wanderung gemeinsam mit einem befreundeten Paar machen, doch bereits nach zwanzig Minuten beschwerte sich die Freundin, dass ihr das viel zu anstregend sei, in der Hitze der Mittagssonne über Felsen zu steigen und durchs Wasser zu waten. Wir kehrten daher um und vertagten die Wanderung auf ein anderes Mal. Dieses Jahr an Pessach setzen wir unseren Plan in die Tat um und fuhren wieder zum Nahal Arugot, wo die folgenden Bilder enstanden:

Beginn der Wanderung

Wanderung2

Nahal Arugot

Nahal Arugot

Nahal Arugot

Baum

sehr alter Baum

Dragon fly

Nahal Arugot

Pfad Nahal Arugot

Flussbett von oben

Nahal Arugot

Wasserfall Nahal Arugot

Absolutes Muss bei dieser Wanderung:
– Sonnencreme
– Trinkwasser für unterwegs
– Kopfbedeckung
– feste Sandalen oder Turnschuhe, mit denen man ins Wasser steigen kann

All photos by Saskia

Update: Auf dem Blog “Himmel und Erde” von Rika befinden sich alte sehr sehenswerte Dia-Aufnahmen von ihrer Wanderung im Nahal Arugot und im Wadi David!


Ovech statt Seeblick

Wir saßen heute Nachmittag in einem Restaurant mit Ausblick über den See Genezareth. Die Idylle war eigentlich perfekt.

Eigentlich.
Denn innerhalb kürzester Zeit brachte ein starker Wind gewaltige Mengen Staub aus Ägypten und Libyen nach Israel und hüllte das gesamte Land in einen Dunstschleier, der Israel so verdunkelte, dass man nur wenige Meter weit sehen konnte. Wir stellten uns also hinter der Blumenhecke den blauen See vor, den wir nicht mehr sehen konnten, und genossen trotzdem das gute Essen.
Ich war von dem Wetterumschwung so überrascht, dass ich leider nicht mal mehr daran gedacht habe, dieses Schauspiel zu fotografieren. Stattdessen griff ich nach meiner Sweatjacke und zog mir die Kapuze über den Kopf. In Israel heißt dieses Phänomen „Ovech“ und heute war es besonders „kaved“, also stark – nämlich der schlimmste Sandsturm seit vier Jahren.
Aber naja, es hätte ja auch schlimmer kommen können: ich könnte zum Beispiel in Deutschland bei 2 Grad Celsius im Haus sitzen und den Schneeflocken zuschauen, wie sie vom Himmel tanzen….

 

Die Stadt Netanja, eingehüllt in Staub

Die Stadt Netanja, eingehüllt in Staub

 

Das Szenario in Tel Aviv

Das Szenario in Tel Aviv

 

Auch in Jerusalem wurden Touristen offensichtlich von dem Sandsturm überrascht

Auch in Jerusalem wurden Touristen offensichtlich von dem Sandsturm überrascht

 

 

Die Bilder sind aus den heutigen Nachrichten