Kreuz und quer durch die israelische Musikszene

Bevor ich nach Israel zog, kannte ich nur wenige israelische Musiker. Idan Raichel ist sicher einer der weltweit Bekanntesten unter ihnen. Daneben natürlich auch Arik Einstein und Shlomo Artzi. Dennoch, man hört sie im Ausland entweder bewusst oder gar nicht. Die deutschen Radiosender spielen natürlich keinen Arik Einstein und wenn man sich nicht für hebräische Songs interessiert und danach sucht, bleibt einem die hiesige Musikszene verschlossen. Vor Israel lebte ich in Rom in einer WG mit zwei Italienerinnen. Ich hörte oft Idan Raichel, vor allem wenn ich in der Küche stand und kochte. Meine Mitbewohnerinnen gesellten sich dann meist zu mir und fragten, welche Sprache da gesungen würde. Hebräisch gehört zu den Sprachen, die für viele Menschen anscheinend nicht zuordbar ist. Ich weiß nicht, was sie in Leuten auslöst, die es nicht verstehen. Ich habe mein ganzes Leben lang hebräische Musik gehört und deshalb war mir die Sprache immer schon vertraut, selbst bevor ich sie verstand. Wenn ich heute hebräische Songs höre, ist mir die Sprache so nah wie Deutsch. Das ist mir mit Italienisch nie so ergangen.

Idan Raichel und seine Band singen nicht nur auf Hebräisch, sondern auch auf Arabisch, Äthiopisch, Spanisch und Afrikanisch. In dieser Musik verbinden sich die Kulturen und Einflüsse zu etwas, das mehr ist als Musik. „Im telech“, ein Lied über Liebe, das Fortgehen und die Sehnsucht…

Shlomo Artzi ist einer der ganz Großen, nicht nur in Israel. Letztes Jahr gab er während der Sozialproteste ein Konzert mitten unter den Demonstranten, ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube es war ziemlich spontan. Seine Lieder sind poetisch und haben Tiefgang. Das folgende Lied heißt übersetzt „Der Mann, der“. Es wird immer wieder im Zusammenhang mit Gedenkveranstaltungen für Jitzchak Rabin aufgeführt und dürfte daher wohl bei den meisten Israelis diese Assoziation auslösen.

Das folgende Lied von Arik Einstein gilt als eines der schönsten israelischen Liebeslieder überhaupt. Die Musik ist typisch für die 70er Jahre, mit klassischen Instrumenten im Hintergrund und einem Chor. „Atur mitzchech“:

Din Din Aviv und Mosh Ben Ari sind zwei Sänger, deren Konzerte ständig ausverkauft sind. Sie haben das Duett „Cholemet“, „Ich träume“, zusammen aufgenommen und wäre mein iPod nicht in der Waschmaschine kaputt gegangen, würde ich es immer noch jeden Tag auf dem Weg in die Arbeit hören….

Die Musik von Aviv Geffen würde ich persönlich vorsichtig als morbid bezeichnen, aber dennoch ist sie wunderbar. Dur kommt in Geffens Repertoire selten vor, aber Moll ist manchmal ohnehin schöner…. „Ulai“ – „Vielleicht“

Yonatan Razel verbindet Tradition und klassische Musik mit Moderne. Seine Lieder haben meist religiöse oder sehr traditionelle Hintergründe. Yonatan Razel hat eine klassische Musikausbildung, was man seinen Kompositionen stark anhört, finde ich. Nigunim sind Lieder mit einer sehr repetitiven Melodie, deren Texte oftmals nur aus Lautmalereien bestehen:

Vor zwei Jahren brachte Avraham Tal sein Album „Orot“, „Lichter“, heraus. Der gleichnamige Titel wurde sofort populär und war fortan überall zu hören:

Ein Lied, das bei den Israelis ebenfalls sehr gut ankam und im Radio permanent lief, ist von Dudu Tassa. Der Sänger mit den irakischen Wurzeln spricht fließend Arabisch und sang dieses Lied mehrfach live, jedesmal ein großer Erfolg beim Publikum in Tel Aviv.
„Win Ya Galoub“ (fragt mich in ein paar Jahren, was es bedeutet und wovon das Lied handelt, bis dahin habe ich dann vielleicht Arabisch gelernt….)

Anm.: Sollte dieses Video nicht in Deutschland abrufbar sein, gibt es noch folgende Version:
http://www.youtube.com/watch?v=i29o5fnlKl4

Eines Tages erwischte mich mein Mann, wie ich dieses alte israelische Lied sang. Erstaunt fragte er mich, woher ich es kenne. Ich hatte es irgendwann einmal gehört und war davon so berührt, dass ich den Text lernte. Seitdem singe ich es oft und mein Mann wundert sich jedes Mal aufs Neue…
„Haihu Lailot“ von Esther Ofarim, „Es gab Nächte“:

Auf Hochzeiten und Familienfeiern hört man unvermeidbar die Schnulzen von Eyal Golan. Irgendwie klingen die Songs immer gleich, hat man einen gehört, kennt man sie alle. Eyal Golan ist ein regelmäßig wiederkehrendes Thema in der israelischen Klatschpresse und seine Lieder klingen ebenso dramatisch:

Obwohl ich Arik Einstein bereits weiter oben erwähnt habe, darf ein weiteres seiner Lieder absolut nicht in meiner Liste fehlen: „Uf gozal“, „flieg Küken“. Es ist ein Lied über den Abschied von den Kindern, die das Zuhause verlassen. Viele Eltern assoziieren es mit dem Beginn des Wehrdienstes, wenn die Kinder das erste Mal wirklich das Elternhaus für längere Zeit verlassen und beginnen, auf eigenen Beinen zu stehen.

Beri Sakharof’s „Klum ze lo stam“ ist ein nur schwer übersetzbarer Titel. „Nichts ist nicht einfach nichts“ vielleicht. Ein modernes Liebeslied, das gut zum Lebensgefühl in Tel Aviv passt:

Traurige Musik höre ich deutlich lieber als heitere. Wahrscheinlich ist auch deshalb „Lirot et HaOr“, „Das Licht sehen“, von Efrat Gosh eines der Lieder, die ich besonders mag. Es handelt vom Alleinesein, von Dunkelheit und der Sehnsucht, Licht zu sehen. Nichts für Menschen in einer depressiven Phase also.

Und zum Schluss noch ein ganz anderer Style: Skazi & Void mit dem tanzbaren Song „Shney olamot“ – „Zwei Welten“:

Es gibt so viele israelische Sängerinnen und Sänger und so viele phantastische Songs, dass diese Liste endlos weitergehen könnte… Ich mache an dieser Stelle Halt und hoffe, ihr hattet Spaß beim Reinhören und Kennenlernen der israelischen Musik.


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