Von Zügen und Flugzeugen

In den Wintermonaten war es wirklich schlimm. Ich stand früh morgens und spät abends an den Bahnsteigen und wartete auf meinen Zug. Obwohl man in Bayern Winter mit Schnee nicht erst seit gestern kennt, war die Deutsche Bahn jedesmal aufs Neue überrascht und unvorbereitet. Anfangs rissen die Menschen noch Witze, wenn mal wieder eine Durchsage kam, dass sich der Zug wegen einer Weichenstörung verspäten würde. Der Humor fror allerdings mit den anhaltenden Minusgraden sehr schnell ein. Mein Weg zur Uni betrug einfach 20 Kilometer, die ich im Sommer stets mit dem Fahrrad zurücklegte, durch einen wunderschönen Wald. Aufgrund der fortdauernden Winterprobleme der DB legte ich mir im Studium bald eine komplette Ausrüstung an Outdoorbekleidung zu und radelte von nun an auch bei Schnee und Eis durch den Wald. Das war selbst bei Minus 7 Grad noch spaßiger als auf dem Bahnsteig vergeblich auf einen Zug zu warten, der bereits mehrfach mit „trifft 5 Min. später ein“ angekündigt wurde. Spätestens nach 45 Minuten Warten fragt man sich nämlich ernsthaft, welcher Amateur-Mathematker diesen Spruch so ausdauernd wiederholen kann, ohne jemals über den Begriff einer Zeitspanne von fünf Minuten nachzudenken.

In Israel fahren genau diesselben rotweißen Doppelstockzüge durch die Gegend, die man auf Deutschlands Bahnhöfen gerne öfters gesehen hätte. Meine bisherigen Erfahrungen mit der Bahn in Israel waren jedoch durchwegs positiv, wobei das nicht unbedingt den Schluss zulässt, dass hier die Bahn besser organisiert ist. Es könnte einfach daran liegen, dass es in Israel keine bayerischen Winter gibt. Die Israelis hingegen klagen häufig über die Verspätungen und Ausfälle der Züge. Typisch, denke ich mir dann jedesmal, die kennen ja auch die Wartezeiten in der „Haunstetter Straße“ nicht. Dagegen sind diese paar Minuten in Tel Aviv „HaShalom“ wirklich noch im tolerierbaren Bereich und wenn angesagt wird, „trifft 5 Min. später ein“, dann muss man nicht erschrocken zusammenzucken, sondern kann sich entspannt noch eine Cola kaufen und tatsächlich fünf Minuten später in den Zug einsteigen.

Als vor einigen Monaten AirBerlin den Geschäftsführer wechselte und Herr Mehdorn damit betraut wurde, die Fluggesellschaft aus ihren roten Zahlen zu bringen, war ich fassungslos. Herr Mehdorn hat die Deutsche Bahn von einem Dienstleistungsunternehmen in ein nach dem Börsengang strebendes Gütertransportunternehmen verwandelt und dafür gesorgt, dass etliche Strecken für den Fahrgasttransport eingestellt wurden, weil man sie als unrentabel erachtete.
Seitdem ist es bereits mehrfach passiert, dass sich bei Flügen zwischen Deutschland und Israel die Flugzeiten kurzfristig geändert haben und man mit einer Email in letzter Sekunde vorgewarnt wurde. Wehe dem, der seine Emails nicht alle halbe Stunde abruft!

Anfangs bin ich oft mit AirBerlin von Israel nach Deutschland und zurück geflogen, aber nach den vielen neuen Einsparungsmaßnahmen bei gleichzeitigem Preisanstieg und dem Gedöns mit den Flugzeiten habe ich nun kurzerhand beschlossen, nur noch mit ELAL zu fliegen.
Verwöhnt von dem guten Service wäre mein nächster Vorschlag jetzt, dass sich die Geschäftleistung von ELAL in Zukunft auch um die Kunden der Deutschen Bahn kümmert…

photo by Saskia


3 responses to “Von Zügen und Flugzeugen

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