Jachnoon oder: meine kulinarischen Albträume

„Ihr kommt doch morgen zum Jachnoon?“ fragt meine Schwiegermutter uns jeden Freitag abend. Und jedes Mal antworte ich begeistert „Nein!!“
Sie wird nicht locker lassen und trotzdem in einer Woche wieder fragen, weil sie weiß, dass ich hin und wieder doch über meinen Schatten springe und zum Jachnoon Essen am Samstag morgen erscheine.
Jachnoon ist ein jemenitisches Teiggericht, das mit hart gekochten Eiern und einer würzigen Tomatensauce am Shabbat gegessen wird. In Israel wird es hauptsächlich von jemenitischen Familien zelebriert, die das Gericht in Ehren halten und es jedes Wochenende aufs Neue zubereiten.
Meine Schwiegermutter hat jemenitische Wurzeln und es war ihr von Anfang an wichtig, dass ich regelmäßig in den Genuß dieser Tradition komme. Als ich Jachnoon zum allerersten Mal sah (von essen will ich gar nicht sprechen), wusste ich bereits, dass wir beide – ich und die Teigrollen – keine engen Freunde werden würden.

Man braucht zur Zubereitung des Teigs viel Mehl, Öl, Butter und Zucker. Irgendwie wird alles vermischt und dann dünn ausgewalzt. Anschließend wird der Teig wie ein Strudel wieder zusammengerollt und zu etwa 10 cm langen Rollen geschnitten. Vielleicht wird der Teig auch erst in Portionen aufgeteilt und dann einzelne Rollen hergestellt, so genau nehme ich das hier nicht. Bei der Verarbeitung kommt letztlich jedenfalls so viel Öl auf den Teig, dass am Ende die Rollen vor lauter Fett nur so triefen…
Das ganze wird über Nacht im Ofen gebacken. Die Eier übrigens auch. Man kocht die Eier nicht im Wasser, sondern legt sie zum Jachnoon Teig dazu. Deshalb sind die harten Eier am Ende auch nicht schön weiß mit gelb in der Mitte, sondern bräunlich grau.
Lediglich die Tomatensauce ist wirklich genießbar.
Das fertige Jachnoon wird portionsweise auf Tellern serviert, dazu ein bis zwei harte Eier und ein Schälchen mit Tomante Salsa, in die man die Teigrollen dipt.

Meine Schwiegermutter schwört darauf. Es sei zudem ein gutes Hausmittel bei Magenbeschwerden (ich persönlich habe vielmehr den Eindruck, dass Magenbeschwerden eher eine Folge von Jachnoon sind und meine Schwiegermutter die Kausalzusammenhänge vertauscht). So wird also in jemenitischen Familien der Shabbat begonnen. Meine Anregung, doch mal die bayerische Variante mit Weißwurst Frühstück zu probieren, hat bislang jedenfalls noch keinen Anklang gefunden…

Bild von cooks.co.il


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