Das allergrößte Glück der Welt

Seit einer gefühlten Ewigkeit habe ich hier nichts mehr geschrieben und keine Bilder mehr geteilt. Der Grund dafür liegt neben mir im Kinderbettchen und schläft. Wir sind Eltern geworden, im März kam unser Sohn zur Welt und seitdem habe ich nur noch Augen für ihn. Er ist unser allergrößtes Glück und ich vermisse ihn schon nach einer Sekunde, wenn ich nicht neben ihm bin oder ihn in den Armen halte. Darunter wird mein Blog vorerst weiterhin leiden…
Jetzt erst kann ich wirklich verstehen was es bedeutet, Mama zu sein. Und das möchte ich mit jedem Atemzug genießen.

Pfoten


Ein Spaziergang durch… Ein Hod

Ein Hod liegt am Fuße des Carmelberges, nicht weit von Haifa entfernt. Es ist ein traumhafter kleiner Ort, idyllisch und irgendwie aus einer anderen Zeit. Überhaupt ist alles ein bisschen anders dort, Uhren scheint es nicht zu geben und wenn man in Ein Hod herumspaziert, sieht man an jeder Ecke eine Skulptur, ein Mosaik, eine Töpferarbeit. Die Einwohner treffen sich mittags in den Cafés und sitzen gemütlich bei einer Tasse Espresso zusammen. Ein Hod ist ein Künstlerdorf, das einzige seiner Art in Israel, mit Ausstellungen, kleinen Läden und einem Museum.
Entstanden ist das Künstlerdorf 1953. Marcel Janco, ein Künstler und Vertreter des Dadaismus, hatte die Vision von einem Ort, an dem Ateliers, künstlerisches Schaffen und Kunsterziehung viel Platz haben sollten. Gemeinsam mit Freunden gründete er die Kolonie und so entstand mit der Zeit ein unvergleichbares Dorf voller Kreativität und Farben.

Marcel Janco

Marcel Janco

Man spürt bis heute den Geist Jancos, wenn man durch die Straßen und Gassen spaziert. Am Horizont leuchtet das Mittelmeer, im Hintergrund liegen Olivenhaine und die Wege sind gesäumt von Zypressen, Kakteen und – natürlich – Skulpturen.

Wer Israel besucht und einzigartige Erinnerungen mit nach Hause nehmen möchte, findet in Ein Hod sicher das ein oder andere Stück. Mein Mann und ich brachten von unserem letzten Ausflug dorthin zwei Keramikschüsseln mit, die seither bei jedem Abendessen mit Freunden viel Anklang gefunden haben…

Historische Fotos von Ein Hod finden sich hier.
Informationen zu den Künstlern und zu Veranstaltungen gibt es hier.

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod

Ein Hod Map

All photos by Saskia


Everyday in life is beautiful

Vergangenen Sonntag ist die älteste Überlebende der Shoah in London verstorben: Alice Herz-Sommer. Sie wurde 110 (!) Jahre alt und spielte bis zum letzten Atemzug Klavier.

Diese lachende Frau hat den größtmöglichen Alptraum durchlebt, den man sich vorstellen kann. Vielleicht sollte ich eher schreiben: den man sich nicht einmal im entferntesten vorstellen kann…
Sie war eine junge Frau, als sie nach Theresienstadt in Tschechien kam. Das KZ diente als “Vorzeigelager” und sollte der Welt vorgaukeln, wie schön es den Menschen dort gehe. Alice Herz-Sommer war von 1943 bis 1945 dort.

Sie wurde in Prag geboren, im Jahr 1903. Allein die Vorstellung, dass dieser Mensch ein komplettes Jahrhundert erlebt und durchlebt hat, lässt mich schaudern. Sie hat den ersten Weltkrieg erlebt, die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, dann den zweiten Weltkrieg, anschließend den Kalten Krieg und nebenbei natürlich auch alle technologischen Entwicklungen. Penicilline wurde zum Beispiel erst 1928 entdeckt. Wer vorher lebte und schwer krank wurde, hatte oftmals keine Überlebenschance.
Als Alice ins Konzentrationslager kam, war sie Mutter eines kleines Sohnes. Wie unglaublich schlimm das gewesen sein muss, zu erleben, wie das eigene Kind ebenfalls deportiert wird…
Mutter und Sohn überlebten, Alices Ehemann jedoch nicht. Er starb in Dachau an Typhus. Wie ihre Mutter ums Leben kam, hat Alice Herz-Sommer nie erfahren. Nur dass jener Ort, an dem ihre Mutter starb, Treblinka war. Später sagte sie, dass der Tod ihrer Mutter der wohl dunkelste Moment ihres Lebens war.

Vielleicht überlebte Alice Herz-Sommer dank der Musik. “Alles in meinem Leben ist Musik, alles…” Sie spielte Piano im Orchester von Theresienstadt, in der Hoffnung, dass sie verschont würde. Dort gab sie unzählige klassische Konzerte und auch ihr Sohn war in dem bizarren künstlerischen Programm des KZs eingebunden.
Ein oskarnominierter Dokumentarfilm zeigt diese wundervolle Frau mit all ihrer guten Laune und ihrer Liebe für das Leben. “The Lady in Number 6: Music saved my life”. Selten hat mich ein Mensch so verzaubert wie diese selbst im hohen Alter jung wirkende Dame mit ihrer Scharfsinnigkeit und ihrem außerordentlichen Talent, das Leben selbst in den dunkelsten Momenten noch zu schätzen.


Abends in Tel Aviv

Die Oper auf der Shaul Hamelech Straße platzt abends selbst unter der Woche aus allen Nähten. Schon der Eingangsbereich ist so voll, dass man im Zickzack gehen muss, um an den Besuchern vorbei zur Bar zu gelangen. Das Gebäude ist groß und hell und empfängt die Besucher mit einer schönen Atmosphäre.
Das Programm ist so vielfältig und interessant, dass es mir schwer fällt, mich für eine Vorstellung zu entscheiden. Meine Wahl fällt auf das Ballettensemble “Les Ballets Jazz de Montréal“, das drei Stücke zeigt, die unterschiedlicher und spannender nicht sein könnten. Das Ensemble tourt gerade durch mehrere Länder und ich hätte gerne meinen Eltern Karten besorgt, aber leider gibt es in Deutschland keine Vorstellungen. Die Darbietung war unglaublich gut und ich fürchte das Video gibt dies nicht wirklich wieder:

Das erste Stück “Closer” ist klassisch und ruhig, während das zweite, “Night Box”, so energiegeladen ist, dass man als Zuschauer kaum ruhig auf dem Sitz bleiben konnte. Das letzte Stück, “Harry”, steckt voller Klezmer-Musik und ist zugleich eine Theaterdarbietung mit Dialogen.

Wer sich gerade in Tel Aviv aufhält, dem empfehle ich unbedingt einen Besuch dieser Vorstellung, die leider nur noch heute und morgen Abend gezeigt wird. Nähere Infos auf der Seite der Israeli Opera.


Tagträumerei

Dieser Januar war vermutlich einer der trockensten, die Israel in den letzten Jahren erlebt hat. Wenn es geregnet hat, dann vielleicht für fünf Minuten. Sonnige Tage sind natürlich immer willkommen und führen bei mir zu dauerhaft guter Laune, aber ein kalter Schneewinterteemitplätzchentag wäre zwischendurch auch wunderschön. Also träume ich mir so einen Tag einfach herbei und freue mich über das schöne Video, das Anfang Dezember in Jerusalem entstanden ist:


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